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Schwerer Start für Reisebusse

Die Busse von „Reisegenuss“ stehen noch still. Andere Anbieter starten bereits wieder durch.

Normalerweise fährt Axel Kaiser (links) einen Reisebus von Reisegenuss. Doch der bleibt zurzeit noch bei Ivica Boskovie, dem Leiter der Döbelner Betriebsstätte von Regiobus, stehen. Erst ab Juli starten die ersten Reisen wieder.
Normalerweise fährt Axel Kaiser (links) einen Reisebus von Reisegenuss. Doch der bleibt zurzeit noch bei Ivica Boskovie, dem Leiter der Döbelner Betriebsstätte von Regiobus, stehen. Erst ab Juli starten die ersten Reisen wieder. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Seit dem 6. Juni dürfen sie wieder rollen. Doch sie tun es nur verhalten. Die Reisebusse aus der Region Döbeln. „Reisegenuss“, die Marke von Regiobus Mittelsachsen, öffnet aber dieser Woche seine Reisebüros wieder. Bis jetzt waren die Mitarbeiter dort nur telefonisch und per E-Mail für ihre Kunden da. Doch die sieben Reisebusse bleiben vorerst noch in den Betriebsstätten des Unternehmens stehen.

„Aktuell werden nur einzelne Anmietfahrten mit anderen Fahrzeugen im Fuhrpark durchgeführt“, so Michael Tanne, Geschäftsführer von Regiobus. Im Juli soll mit einem reduzierten Angebot unter permanenter Beobachtung der Vorschriften wieder mit dem Reiseverkehr gestartet werden. Bis dahin ist alles abgesagt worden.

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Schwierigkeiten bereiten dem Unternehmen die unterschiedlichen Anforderungen an den Reisebusverkehr, die in den Bundesländern gelten. „Das muss mit viel Aufwand zur Sicherheit unserer Reisegäste und Fahrpersonale recherchiert und aufgeklärt werden“, beschreibt Tanne die organisatorische Herausforderung. So gilt in Sachsen eine Pflicht zum Tragen von Mund- und Nasenschutz. In anderen Bundesländern ist zudem ein Sicherheitsabstand von 1,5 Metern auch im Bus notwendig. Viele Reisende seien durch die fehlende einheitliche Regelung verunsichert.

Die Reisenden würden befragt, ob sie während der kompletten Fahrt einen Mund-Nasenschutz tragen können. Und auch neue Sitzpläne würden derzeit erstellt. „Da Reisegäste, die aus unterschiedlichen Haushalten kommen, im Bus nicht zusammen sitzen dürfen und der Mindestabstand von 1,5 Metern, außer in Sachsen, sonst je nach Bundesland und in Europa einzuhalten ist“, begründet Tanne und kritisiert zugleich, dass das Konzept nicht durchdacht ist: „Aber im Hotel dürfen sie zusammen ein Zimmer beziehen.“

>>>Zum Thema Coronavirus in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Durch den vorgeschriebenen Mindestabstand in den Bussen könnten nur noch maximal 25 Reisegäste mitgenommen werden. „Das belastet die Rentabilität sehr“, meint der Geschäftsführer. Tanne geht davon aus, dass auch einige Einzelreisende, die oft zusammen einen Ausflug gebucht haben, die Bedingungen nicht immer annehmen wollten oder könnten.

Trotz der Lockerung sei auch die Nachfrage nach Busreisen aktuell noch zurückhaltend. Aber: „Einige Reisegäste wollen einfach mal wieder raus und fragen nach. Einige haben ihre abgesagte Reise dankenswerterweise umgebucht“, sagt Tanne. Interesse bestehe besonders an Zielen innerhalb Deutschlands, speziell an der Ostsee. Fest geplant sind inzwischen auch wieder die Fahrten im Rahmen des Ferienfahrplans ins Feriendorf „Hoher Hain“ nach Limbach-Oberfrohna. „Mietbusfahrten, die nicht dem Sächsischen Staatsministerium unterstehen, können nun auch wieder durchgeführt werden“, informiert Tanne.

Reisegenuss habe viele ausgebuchte Reisen zu verzeichnen gehabt. Für die Ausfälle wurde den Kunden die Wahl gelassen, ob sie diese für einen späteren Zeitpunkt umbuchen oder sich das Geld auszahlen lassen. Gutscheine habe es keine gegeben.

Wie groß der entstandene Schaden für Regiobus ist, sagt Tanne nicht. Es sei jedoch nicht unbeträchtlich. Zur Folge haben die Einnahmeausfälle, dass geplante Investitionen in neue Reisebusse zurückgestellt werden müssten. Darüber hinaus wurden für die Mitarbeiter in den Bereichen Gelegenheitsverkehr und im Rechnungswesen Kurzarbeit beantragt. Die Fahrzeuge wurden während der Krise stillgelegt. Die Fahrer der Reisebusse wurden, wie sonst auch während der reiseschwachen Monate, in den Liniendienst mit eingebunden.

Fahrgäste froh über Tagesreisen

Etwas anders sieht die Situation bei Stephan Leutert in Roßwein aus. Neben Taxifahrten bietet der Unternehmer auch Tages- und Mehrtagesausflüge an. Sein Reisebus startete bereits in der vergangenen Woche wieder, mit fast voller Belegung. Dafür musste der Chef allerdings selbst die Werbetrommel rühren. „Die Lockerung kam ja von heute auf morgen“, sagt Leutert. Er setzte sich ans Telefon und informierte seine Stammkunden. Mit denen ist er unter anderem schon in Bad Schlema gewesen.

„Die Leute sind froh, dass sie wieder raus können. Die freuen sich“, sagt Leutert. Auch in seinem Bus besteht eine Pflicht zum Tragen von Mund- und Nasenschutz. Allerdings dürfen bei ihm alle Plätze im Bus ohne Abstand besetzt werden. „Eine andere Regelung als in den Linienbussen wäre für unsere Branche unfair gewesen“, sagt er. Die Nachfrage nach den Angeboten sei wieder da. Im Juli starten auch die Mehrtagesausflüge wieder. „Die haben wir zum Glück nicht abgesagt“, meint Leutert.

Das vergangene Vierteljahr habe er vor allem von Rücklagen gelebt. Sein Reisebus stand still. Und auch der Taxibetrieb war fast zum Erliegen gekommen. Einige Fahrzeuge wurden auch abgemeldet. Selbst die Krankenfahrten hätten immer weiter abgenommen. Zumindest in diesem Bereich steige nun wieder die Nachfrage. Darüber hinaus laufe das Taxigeschäft aber nur sporadisch wieder an.

Auch von Eberhardt Travel, Reiseveranstalter mit Sitz in Kesselsdorf bei Dresden, sind die ersten Busse schon wieder unterwegs. Ziele war unter anderem Usedom, sagt Sylvia Lorenz von der Geschäftsführung. Ab Juli starten Busse ins Ausland, wie zum Beispiel in die Schweiz. In den Fahrzeugen herrscht auch eine Pflicht zum Tragen des Mund- und Nasenschutzes sowie entsprechende Abstandsregeln.

Die Nachfrage nach den Angeboten des Veranstalters, der auch Touren ab Döbeln startet, sei geteilt. „Es gibt einen großen Unterschied zwischen denen, die Reisen wollen, und denen, die ängstlich sind“, sagt Lorenz. Viele, vor allem auch Alleinreisende, seien jedoch froh, dass es wieder losgehe. „Trotzdem sind wir nach wie vor am Umbuchen, zum Beispiel von Reisen nach Russland“, sagt Lorenz.

Während der Krise habe das Team vom Eberhardt Travel jeden Kunden persönlich angerufen und um Umbuchung seiner Reise gebeten. Etwa 50 bis 70 Prozent der Kunden seien dem Wunsch nachgekommen, sagt Sylvia Lorenz. „Viele Gäste haben ihr Guthaben stehen lassen“, sagt die Geschäftsführerin. Die übrigen hätten sich ihr Geld zurückzahlen lassen.

Auch SZ-Reisen startet wieder mit der Durchführung von Reisen. Fragen dazu können im SZ-Treffpunkt am Döbelner Niedermarkt 4 gestellt werden. Dieser hat aktuell von 10 bis 13 sowie von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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