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Döbeln

Schwerer Start für Stiftungsvorstand

Einen Bücherflohmarkt gibt es 2020 in Roßwein definitiv nicht. Damit fehlen wichtige Einnahmen. Und es gibt noch mehr Probleme.

Der Bücherbasar zugunsten der Roßweiner Grafe-Stiftung war auch 2019 ein Erfolg für die ehrenamtlichen Helfer um Vorsitzenden Peter Krause (rechts). Viele Bücherfans haben in dem Fundus gestöbert, aber auch eigene Bestände „ausgemistet“.
Der Bücherbasar zugunsten der Roßweiner Grafe-Stiftung war auch 2019 ein Erfolg für die ehrenamtlichen Helfer um Vorsitzenden Peter Krause (rechts). Viele Bücherfans haben in dem Fundus gestöbert, aber auch eigene Bestände „ausgemistet“. © Lars Halbauer (Archiv)

Roßwein. Nach fünf Jahren Amtszeit waren die Stadträte dazu aufgefordert, aus ihren Reihen drei neue Vorstandsmitglieder für die einzige Stiftung der Stadt Roßwein, die Grafe-Stiftung, zu wählen. Das ist in der zurückliegenden Ratssitzung passiert, sogar in geheimer Wahl. Peter Krause (Linke), bisheriger Vorsitzender des Stiftungsrates, hatte sich gegen eine offene Wahl ausgesprochen.

Nach den Worten von Hauptamtsleiterin Michaela Neubert waren alle Ratsfraktionen aufgerufen gewesen, Kandidaten zu benennen. Vorschläge unterbreiteten die CDU mit Siegfried Barth, die Linksfraktion mit Peter Krause sowie die AfD-Fraktion mit Jens Tamke. Von der SPD, für die bisher Uwe Hachmann im Stiftungsrat mitgearbeitet hat, und der Bürgerwählergemeinschaft Roßwein-Niederstriegis gab es keine Rückmeldung.

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Für eine Wahl bedurfte es der einfachen Mehrheit und damit zehn Stimmen. 19 verbuchte Peter Krause für sich. 18 Ja-Stimmen bekam Siegfried Barth, zwölf Kreuze gab es für Jens Tamke. Zusätzlich hatte einer der Räte den Namen von Gerd Zschiesche (CDU) auf den Stimmzettel geschrieben.

Wer dem Stiftungsrat in Zukunft vorsteht, soll auf einer nächsten, noch nicht terminlich festgelegten Sitzung dieses Gremiums besprochen werden. Peter Krause hatte den Vorsitz seit 2007 inne. Ob er dafür für eine nächste Amtsperiode zur Verfügung steht, ließ er offen. Im Moment sei seine Enttäuschung darüber groß, dass es einen Vertreter einer rechtspopulistischen Partei in einer auf soziale Belange ausgerichteten Stiftung gibt. Doch ihm bliebe nur übrig, diese Entscheidung zu akzeptieren: „Gewählt ist gewählt.“ Und das sogar mit mehr als der einfachen Mehrheit. Jens Tamke erreichte zwölf Stimmen. Die AfD-Fraktion im Roßweiner Stadtrat hat vier Mitglieder.

Bürgermeister Veit Lindner (parteilos), der wie die Kämmerin von Amts wegen dem Stiftungsrat angehört, bedankte sich bei den bisherigen Mitstreitern für deren ehrenamtlichen Einsatz. Über die Jahre sei es gelungen, den Grundstock des Kapitals, der nicht angegriffen werden darf, zu erhöhen. Zum Jahreswechsel hat die Stiftung ein unantastbares Vermögen in Höhe von 48.000 Euro gehabt. Auf knapp 9.000 Euro hätten die Räte überdies Zugriff gehabt. So zum Beispiel, um in Notfällen wie einem Brand oder einem anderen Unglück sofort helfen zu können. Das ist auch ein Stiftungszweck.

Ein anderer ist, sozial Benachteiligte zu unterstützen. Dafür gibt es schon länger zweckgebundene Spenden, um damit unterem warme Mahlzeiten für Förderschüler zu finanzieren. Auch Blumengrüße für betagte Roßweiner werden aus der Stiftungskasse bezahlt. Diese haben die Stiftungsräte im vergangenen Jahr lediglich um rund 900 Euro erleichtert. Zugeführt werden konnten knapp 6.500 Euro. Davon kamen allein 2.075 Euro aus dem Bücherflohmarkt.

Diese wichtige Einnahmequelle wird in diesem Jahr fehlen. Auch wenn das Schulfest abgesagt ist und der Heimatverein die eigenen Räume der „Tonne“ noch nicht für seine Ausstellung zur Stadtgeschichte benötigt, „können wir diese nicht für den Bücherbasar nutzen“, so Peter Krause. Damit sei das Projekt für 2020 gestorben.

Anderswo will er die Büchertische nicht aufbauen – auch deshalb, weil sich die mittlerweile etwas gelockerten Corona-Bestimmungen jederzeit ändern könnten, dann Aufwand und Nutzen in keinerlei Verhältnis mehr stünden.

Einzige Möglichkeit, über Aktionen Spenden zu generieren, ist aus heutiger Sicht der Weihnachtsmarkt, „wenn er denn so wie gewohnt stattfinden kann“, sagt Peter Krause. Am Ratzrad konnten die Besucher in den vergangenen Jahren Preise erdrehen. Die Teilnahmegebühr war für die Stiftung bestimmt.

Wachsen kann das „Kapital“ der Grafe-Stiftung nach wie vor über zweckgebundene oder für soziale Zwecke frei verfügbare Spenden von Privatpersonen und Unternehmen. Wer keine Angehörigen hat, kann der Stiftung auch sein Gespartes hinterlassen.

  • Wer Fragen zur Stiftung hat, das Anliegen finanziell oder bei künftigen Aktionen mit Tatkraft unterstützen will, kann sich an die Mitglieder des Stiftungsrates wenden.

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