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Schwerer Verdacht gegen Dresdner Arzt

Der Sportmediziner Sieghard F. wird für den Tod seiner Frau verantwortlich gemacht. Der Tiefpunkt einer einst beachtlichen Karriere.

Am Dienstag fanden Polizeibeamte den leblosen Körper der 53-jährigen Ehefrau von Sieghard F. in der ehelichen Wohnung in Löbtau.
Am Dienstag fanden Polizeibeamte den leblosen Körper der 53-jährigen Ehefrau von Sieghard F. in der ehelichen Wohnung in Löbtau. © Tino Plunert

Als Arzt ist er eine Klasse für sich – doch jenseits der Arbeit mit seinen geübten Händen hat der 64-jährige Sieghard F. immer mehr Probleme. Eine der Ursachen ist die Alkoholsucht des bekannten Sportmediziners. In der vergangenen Woche nun der vorläufige Tiefpunkt: Seit Donnerstag sitzt der Arzt in Untersuchungshaft. Er steht unter dem dringenden Verdacht, für den Tod seiner Ehefrau (53) verantwortlich zu sein.

Wie die Dresdner Polizei am Donnerstag mitteilte, habe F. sie am Dienstagnachmittag in die eheliche Wohnung nach Löbtau gerufen. Dort haben die Beamten die Frau leblos aufgefunden. Für sie kam jede Hilfe zu spät. Sie war offenbar bereits in der Nacht zuvor gestorben.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nun wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts, F. wurde festgenommen. Am Donnerstag erließ ein Ermittlungsrichter den Haftbefehl gegen F. – wegen Totschlags durch Unterlassen. Es ist schon jetzt ein zumindest ungewöhnlicher Fall, denn die Todesursache der 53-Jährigen ist völlig unklar. Auch sie war Alkoholikerin und in ärztlicher Behandlung gewesen.

Nachdem Rechtsmediziner weder eine natürliche noch eine nicht natürliche oder gewaltsame Todesursache diagnostizieren konnten, müssen die Ermittler nun die Ergebnisse der Laboruntersuchungen abwarten, um die Frage beantworten zu können. Das sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Jürgen Schmidt. Mehr Angaben machte Schmidt mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.

Rechtsanwalt Andrej Klein, F.s Verteidiger, bestätigte den Unterlassungsvorwurf gegenüber seinem Mandanten. Es gebe jedoch keine belastbaren Tatsachen dafür, dass F. etwas getan habe – der 64-Jährige habe weder aktiv gehandelt, noch bewusst weggesehen. Auch eine natürliche Todesursache könne bislang nicht ausgeschlossen werden, betonte Klein. Er habe versucht, die U-Haft zu verhindern. Eine Fluchtgefahr sei ausgeschlossen, der Arzt habe eine laufende Praxis mit drei Angestellten, um die er sich zu kümmern habe.

Frühere Tat erinnert an den aktuellen Vorwurf

Sieghard F. war in den Nachwende-Jahren Chefarzt in der Klinik in Kreischa, ehe er eine eigene Praxis in Dresden eröffnete. Er war ein gefragter Sport- und Reha-Mediziner, befreite Patienten erfolgreich von Schmerzen und behandelte bekannte Sportler wie den Gewichtheber Marc Huster oder Skispringer Jens Weißflog.

Das berichtete Sieghard F. auch selbst als Angeklagter in einem seiner ersten Gerichtsprozesse vor fünf Jahren. Spätestens da kamen die Schattenseiten in seinem Leben ans Licht. Er wurde mehrfach verurteilt, weil er sich immer wieder volltrunken hinter das Steuer seines Mercedes gesetzt hatte. Bei ihm wurden Blutalkoholwerte von weit mehr als drei Promille gemessen. Ein Gutachter sagte, F. sei gewohnt im exzessiven Umgang mit Alkohol. Zuletzt erhielt der Arzt im März dieses Jahres am Amtsgericht Dresden eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung – wegen Trunkenheit im Verkehr, Unfallflucht und Fahrens ohne Führerschein.

Erst am Donnerstag wurde F. am Amtsgericht Dresden in Abwesenheit erneut verurteilt: Wegen unterlassener Hilfeleistung muss er eine Geldstrafe von 2 400 Euro zahlen. Sieghard F. soll seine Frau 2017 nach einem Treppensturz in der gemeinsamen Wohnung nicht versorgt und am nächsten Morgen das Haus verlassen haben. Diese Tat erinnert an den aktuellen Vorwurf, nur dass F. nun sogar für den Tod seiner Frau verantwortlich sein könnte.

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Der Arzt mit den geschickten Händen hat darüber hinaus jedoch ein weiteres Problem mit der Justiz. Im Mai dieses Jahres wurde er mit zwei weiteren Mitbeschuldigten wegen Betruges angeklagt – vor dem Landgericht Dresden. Es geht um Abrechnungsbetrug und Schwindel mit Rezepten. Diese Vorwürfe waren bereits im April 2016 bekannt geworden.

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