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Schweres Gewitter war das Glück für Magnum

Der September ist der Erntemonat für den Hopfen. Auch das Hopfengut in Lautitz schiebt seit einer Woche Dauerschichten. Rund um die Uhr schneiden und verarbeiten 14 Helfer die Pflanze für das Bier.

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Von Daniela Pfeiffer

Der bittersüße Duft frisch geernteter Hopfenblüten kann einen schon benebeln. „Jemand, der einen Tag lang hier arbeitet und es nicht gewöhnt ist, schläft am Abend bestimmt gut ein“, schmunzelt Hagen Demmel, Hopfenmeister auf dem Hopfengut Lautitz. Eine beruhigende und einschläfernde Wirkung habe der Duft in der Tat, erklärt Demmel. Die Mitarbeiter des Hopfengutes kann er allerdings nicht mehr betören, sie sind daran gewöhnt.

Müdigkeit wäre derzeit auch fehl am Platz. Denn die Hopfenernte läuft seit einer Woche auf Hochtouren. Rund um die Uhr sind zwei Traktoren mit Schneidmaschine auf dem Feld und holen die insgesamt acht Sorten Hopfen mit so klangvollen Namen wie „Magnum“, „Target“, „Columbus“ oder „Nugget“ nacheinander ein. Elf Erntehelfer unterstützen die drei fest angestellten Mitarbeiter. Alles Männer. „Die Arbeit ist körperlich sehr anstrengend und die Arbeitszeit ist sehr lang“, sagt Hagen Demmel. Gearbeitet wird in zwei Schichten.

Drei bis vier Tage hat die große Hitze dieses Sommers die Hopfenernte verschoben. „Beim Hopfen ist es genau umgekehrt wie beim Getreide. Das Wasser kommt bei längerer Trockenheit langsamer in die Spitzen und die Ernte verzögert sich“, erklärt der Hopfenmeister. Größere Auswirkungen hat die Hitze aber nicht gehabt. Demmel: „Im Juli gab es zum Glück mal einen kräftigen Gewitterguss, wo wir 46 Liter Regen abbekommen haben. Das war unser Glück.“

In welches Bier der Hop-

fen kommt, ist unbekannt

Gestern war die Sorte „Magnum“ an der Reihe. Nachdem die Pflanzen vom Traktor abgeladen waren, kamen sie in die Pflückhalle. Hier wird die Spreu vom Weizen getrennt, also die Blüten von der restlichen Pflanze. Das eigentlich wertvolle an den zapfenartigen grünen Blüten ist gut versteckt. Erst als der Braumeister die zarten Blätter auseinander drückt, wird das gelbe Pulver dazwischen sichtbar. „Das ist der Bitterstoff, der letztlich ins Bier kommt“, sagt der 43-Jährige.

Nach dem Pflücken kommen die Blüten über einen unterirdischen Gang in die Trocknung. Acht Stunden lang werden sie mit 60 bis 70 Grad heißer Luft gründlich geföhnt, um anschließend noch einmal angefeuchtet zu werden. „Damit sie lange haltbar bleiben“, sagt Demmel. Anschließend werden die Blüten in 60 Kilogramm schwere Ballen gepresst und eingelagert.

Dreieinhalb Wochen dauert die Ernte der 46 Hektar. Dann kommen die Lkw und holen die Ballen ab. Geliefert werden sie an die Deutsche Hopfenverbreitungsgesellschaft in Bayern. Auch die Qualität der Hopfenblüten, in der Fachsprache Dolden genannt, wird dann noch einmal genau überprüft. „Das eigentlich wertvolle ist die Alphasäure“, erklärt Hagen Demmel. „Je höher ihr Anteil, umso besser. Für richtig gute Qualität gibt es Zuschläge.“ Im vergangenen Jahr gehörten die Lautitzer zu den Besten in Sachsen. Und dieses Jahr? „Annähernd genauso gut, aber nicht mehr“, schätzt der Hopfenmeister. In welches Bier der Lautitzer Hopfen einmal kommt, wissen die Mitarbeiter des Hopfengutes nicht. Vor allem im Winter lassen sie sich ihr Bierchen trotzdem ganz in Ruhe schmecken. Denn von Mitte Dezember bis Anfang Februar bummeln sie die Stunden ab, die sie jetzt so zahlreich ansammeln.