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Schwester Peggy und die Salbeibonbons

Peggy Fauth liebt ihren Job. Patienten erfüllt sie auch mal einen Extrawunsch. Jetzt noch öfter als zu „normalen“ Zeiten.

Peggy Fauth ist mit Leib und Seele Krankenschwester. Zurzeit braucht sie noch mehr Einfühlungsvermögen gegenüber den Patienten als in Vor-Corona-Zeiten.
Peggy Fauth ist mit Leib und Seele Krankenschwester. Zurzeit braucht sie noch mehr Einfühlungsvermögen gegenüber den Patienten als in Vor-Corona-Zeiten. © Dietmar Thomas

Leisnig. Als Heldin sieht sich Peggy Fauth nicht. Wenn, dann seien sie alle Helden, meint die Krankenschwester. „Das funktioniert wie bei einer guten goldenen Kette. Es greift Bindeglied in Bindeglied. Wenn ein Glied nicht funktioniert, geht die ganze Kette kaputt. Deshalb gehören alle dazu, von der Reinigungskraft über die Fahrer bis zu den Schwestern und Ärzten. Jeder ist auf seine Art ein Held“, sagt die 43-Jährige. Sie will nicht im Mittelpunkt stehen. Denn das, was sie tut, ist für sie selbstverständlich. Trotzdem gehört sie zu denen, die von der Sparkasse Döbeln eine kleine Anerkennung als Helden des Alltags bekommen.

Peggy Fauth ist mit Leib und Seele Krankenschwester. Dienst nach Vorschrift ist ihr fremd. Schon immer. Aber ganz besonders jetzt, wo die Patienten in der Helios Klinik Leisnig keinen Besuch empfangen können. Da bringt sie dem einen schon mal eine Tüte Salbeibonbons mit, die er sich wünscht und macht seinem Bettnachbarn am nächsten Tag mit einem Becher Fleischsalat eine Freude. 

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Und sie hört noch genauer auf die leisen Untertöne, wenn sich die Patienten mit ihr unterhalten. Schließlich sind die Mitarbeiter der Klinik im Moment die einzigen persönlichen Ansprechpartner. Die Patienten haben viel Zeit zum Nachdenken. Sie spreche jetzt öfter und länger mit ihnen, und versuche ihnen auch die Angst vor dem Corona-Virus zu nehmen, die viele umtreibt. „Als Krankenschwester habe ich eine feine Antenne für soetwas“, meint sie.

Auch das Stationstelefon klingle jetzt öfter als sonst. Angehörige wollen wissen, wie es dem Patienten auf der Orthopädie geht. „Entweder reiche ich das Telefon direkt an ihn weiter oder an den behandelnden Arzt“, sagt Peggy Fauth. Aber viele Patienten seien durch das eigene Handy mit ihren Familien und Freunden verbunden, oder mit dem Festnetz an jedem Bett.

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Peggy Fauth freut sich über das große Verständnis, das Patienten und Angehörige für das Besuchsverbot haben und ist dankbar dafür. Und sie wünscht sich, dass auch andere beim Konsumieren diverser Medien mehr den Kopf einschalten, nicht jeder Verschwörungstheorie glauben, sondern die Informationen auch einmal hinterfragen.

Dass sie einmal in der Pflege arbeiten würde, war der Brösenerin schon seit ihrer Kindheit klar – wenn auch noch unbewusst. „Ich habe von der Platzwunde bis zum Knochenbruch alles mitgenommen“, sagt sie schmunzelnd. Deshalb sei sie öfter im Krankenhaus gewesen. Doch in ihrem Bett habe sie es nie lange ausgehalten. 

„Ich war immer in anderen Zimmern unterwegs und habe zugeschaut, was die Schwestern dort machen“, erzählt sie. Besonders fasziniert sei sie gewesen, wenn eine Schwester eine Spritze aufgezogen und dann oben dagegen geklopft habe.

Langer Weg zum Traumjob

Trotzdem war es ein Berufswunsch, den sich Peggy Fauth auf Umwegen und deshalb spät erfüllt hat. Nach der Schule absolvierte sie eine Ausbildung zur Kinderpflegerin, wollte anschließend aber in die Altenpflege. Doch zwischenzeitlich wurde ihre Tochter geboren. Die tritt derzeit gerade in die Fußstapfen ihrer Mutter und lernt den Beruf der Gesundheits- und Krankenpflegerin. 

Peggy Fauth ging nach der Erziehungszeit als Pflegehelferin auf eine geschlossene Station nach Westewitz. „Das war eine interessante Erfahrung“, sagt sie. Es folgten der Job als Krankenpflegehelferin und ein kurzer Abstecher als Komissioniererin bei Amazon.

„Dann suchte die Helios-Klinik Service-Assistenten.“ Sie holte für die Patienten Naschereien aus der Cafeteria, brachte ihnen die Post oder Zeitungen. Und sie wurde von einer Krankenschwester gefragt, weshalb sie diesen Beruf nie ergriffen hat. „Ich hatte Angst vorm Blutziehen“, gibt sie zu. 

Sie probierte es noch einmal aus. „Und es war gar nicht schlimm.“ Im Alter von 34 Jahren begann sie die dreijährige Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin und schloss sie als Klassenbeste der Leisniger Schüler ab. 2015 setzte sie sich für eine Ausbildung im Palliativbereich erneut für ein Jahr auf die Schulbank.

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Dabei habe sie nicht nur gelernt, wie sie mit Sterbenden und deren Angehörigen umgehen sollte. „Es hat sich auch in meinem Denken viel geändert“, sagt sie. Früher habe sie sich über manches aufgeregt, weil sie die Hintergründe nicht kannte. Heute sagt sie: „Hinter jedem Menschen steht eine Geschichte.“ Deshalb reagiere sie viel ruhiger und schalte das Bauchgefühl auch einfach mal aus.

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