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Schwestern müssen sich umgewöhnen

Ebersbach. Der Leiter der Frauenklinik, Dr. Eberhard Huschke, wurde gestern verabschiedet. Er geht nach 39 Dienstjahren in den Ruhestand.

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Von Romy Kühr

Tausenden Kindern hat er auf die Welt geholfen, in unzähligen Operationen Leben gerettet. Ein bisschen Wehmut durfte deshalb schon mitgeschwungen haben, als Dr. Eberhard Huschke jetzt in der Cafeteria des Ebersbacher Krankenhauses in seinen verdienten Ruhestand verabschiedet wurde.

Seit der Wende Chefarzt

Seit der Wende war Huschke Chefarzt der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Kreiskrankenhauses Löbau am Standort Ebersbach, das 2005 mit der Zittauer Klinik fusionierte.

Nun hat der Aufsichtsrat seinem Ruhestand zugestimmt. Der Nachfolger steht schon bereit, wie der technische Leiter des Klinikums, Dr. Johannes Ansorge, erklärte. Nachwuchsprobleme gebe es, zumindest auf Chefarztebene, keine.

Nach 39 Jahren im Dienste der Gesundheit ist der Ruhestand, der für Eberhard Huschke am 1. November beginnt, sicher erst einmal gewöhnungsbedürftig. Kein Wunder: Hat Huschke doch gerade in den letzten Jahren seiner Tätigkeit am Klinikum bahnbrechende Arbeit geleistet.

Neue Operationsmethode

So war er Mitbegründer des Brustzentrums Ostsachsen, das 2003 ins Leben gerufen wurde. Gemeinsam mit dem Krankenhaus in Sebnitz leistet das Kreisklinikum an den Standorten in Zittau und Ebersbach damit ein umfassendes Angebot für Brustkrebs-Patientinnen, von der Vorsorge über die modernsten Operationsmethoden bis zur postoperativen Behandlung.

Dr. Huschke selbst ging dafür 2001 noch einmal in Berlin in die Lehre, um dort die sogenannte Sentinel-Operationsmethode zu erlernen, die von einem italienischen Professor erfunden wurde. „2002 habe ich die erste OP in Ebersbach selbst durchgeführt“, so Huschke. „Mit dieser speziellen Methode können wir den Frauen viel ersparen.“ Denn die Lymphgefäße können dabei erhalten bleiben.

Hervorragende Technik

Gerade diese patientenschonenden Operationen sind es, die einen Großteil seiner Arbeit ausmachten. Außerdem setzte er sich für die Anschaffung eines neuen, hochmodernen Ultraschallgerätes am Klinikum ein. „Zusammen mit der Mammografie haben wir damit hier hervorragende Untersuchungstechnik“, beurteilt der Arzt selbst.

Die erschreckende Statistik zeigt, für wie viele Frauen das Brustzentrum einen großen medizinischen Fortschritt in der Region bedeutet: „60 bis 80 Neuerkrankungen pro Jahr behandeln wir allein hier in Ebersbach“, sagt Eberhard Huschke. Im gesamten Brustzentrum sind es insgesamt 180.

Berater im Brustzentrum

Weil seine Brust-Sprechstunde zu einer festen Größe am Klinikum geworden ist, will er diese auch weiterhin anbieten. Dr. Johannes Ansorge: „Er bleibt uns als Berater im Brustzentrum erhalten.“ Schließlich hat er die Einrichtung maßgeblich mit aufgebaut. Und auch das Vertrauen der Patientinnen, gerade bei einem so sensiblen Thema, soll nicht unter dem Wechsel im Chefarztstuhl leiden.

Schwierig wird es allerdings künftig für die ehemaligen Kollegen, wie der Klinikleiter scherzhaft bemerkt: „Wenn sie ihn auf dem Gang treffen, werden die Schwestern ihn sicherlich nach alter Gewohnheit mit ‚Herr Chefarzt‘ ansprechen. Obwohl er das ja dann nicht mehr ist.“