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Schwierige Suche nach Azubis

IHK und Handwerkskammer haben Unternehmer nach ihrer Zufriedenheit am Standort befragt. Mit Lehrlingen haben alle Probleme.

Von Cathrin Reichelt

Die Unternehmer des Kreises Mittelsachsen sind zufriedener als alle anderen in der Region Chemnitz. Das hat eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer (HWK) Chemnitz ergeben. Überdurchschnittlich gut werden die Nähe zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen , die Höhe der Sondernutzungsgebühren sowie der Gewerbe- und Grundsteuer bewertet. Mit den Preisen für Gewerbeflächen und Gewerbeimmobilien sind die mittelsächsischen Firmen ebenfalls zufriedener als andere. Probleme gibt es allerdings mit potenziellen Lehrlingen, der Verkehrsinfrastruktur und dem Internet. Das sehen auch die Unternehmer des Altkreises Döbeln so – mit einer Ausnahme.

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Zu hohe Abwassergebühren

Die Mitarbeiter der Waldheimer Speditionsgesellschaft (WSG) haben keine Probleme mit der Infrastruktur. „Die ist gut ausgebaut und die Anbindung an die Autobahn ist sehr gut“, sagt Geschäftsführer André Baldauf. Sein Unternehmen belasten vor allem die Schmutzwassergebühren für versiegelte Flächen, die vor einigen Jahren eingeführt wurden. Pro Jahr schlägt dafür ein zusätzlicher hoher vierstelliger bis fünfstelliger Betrag zubuche. Schwierigkeiten hatte die Firma auch mit dem Internet. „Bei der Anbindung des Gewerbes ist in diesem Fall geschlampt worden“, meint Baldauf. Deshalb habe sich die WSG selbst gekümmert und eine Funklösung mit vernünftigen Bandbreiten gefunden. „Ein Unternehmen braucht eine Flatrate“, so der Geschäftsführer, alles andere sei unkalkulierbar. Sehr zufrieden ist er mit der Zusammenarbeit mit der Stadt Waldheim. Und er schwört auf die Mitarbeiter, die dem Unternehmen schon lange treu sind. Neue zu finden, sei dagegen nicht einfach. Selbst in den klassischen Berufen wie Mechatroniker kämpfe die Firma darum, die Stellen zu besetzen. Die Einstellung junger Leute zur Ausbildung und zur Arbeit habe sich extrem gewandelt. Es gäbe auch viele Azubis, die ihre Lehre abbrechen. „Wir haben unsere Anforderungen an die Lehrlinge schon sehr zurückgeschraubt, aber das verdirbt den Spaß an der Ausbildung“, meint Baldauf.

Malermeister Uwe Krause aus Naußlitz sieht das ähnlich. „Die Schüler haben eine schlechte Vorbildung, stellen aber hohe Anforderungen“, sagt er. Außerdem fehle die Bereitschaft, auch nur kleine Erschwernisse, wie einen längeren Arbeitsweg, in Kauf zu nehmen. Bewerber für eine Lehrstelle hat Krause derzeit nicht. Das Internet funktioniert in der Firma sehr sprunghaft, den einen Tag super, den nächsten superlangsam. Der Malermeister hofft auf Besserung, wenn die Telekom den Ausbau ihres Netzes beendet hat. Zufrieden ist der Naußlitzer dagegen mit der Verkehrsanbindung. Auch seine Auftragslage bezeichnet er als positiv. Vor allem Privatleute würden derzeit viel in die Werterhaltung ihres Besitzes investieren oder Neues schaffen. Insgesamt stimme aber das Preis-Leistungs-Verhältnis noch nicht. Durch die vielen Abgaben und Nebenkosten werde der Gewinn geschmälert. Außerdem seien für kleine Unternehmen, die keine Möglichkeit der Abschreibung hätten, die Steuern zu hoch.

Überwiegend positiv sieht Sindy Bauer, Projektleiterin von Elektro Bauer, den Standort und das Umfeld des Unternehmens im Döbelner Gewerbegebiet. „Das Internet ist schnell genug und die Autobahn haben wir gleich nebenan“, sagt sie. Gegenüber der Firma befindet sich eine Bushaltestelle. Das sei besonders für Lehrlinge günstig, die noch nicht so mobil sind. Gute Lehrlinge zu bekommen ist aber auch für dieses Unternehmen schwierig. Zum einen bewerben sich zu wenige. Zum anderen erfüllen die Schüler die Anforderungen nicht. „Auch nicht mit Augenzudrücken“, meint Sindy Bauer. Die Einstellung vieler Azubis sei zu lasch. Deshalb gäbe es auch einige, die den Abschluss nicht geschafft hätten.

Bürokratie hat zugenommen

Ob in dieser Beziehung die Politik eingreifen müsste, fragt sich Ingrid Vogel, Geschäftsführerin von Kerateam in Leisnig. Immer mehr junge Leute würden sich gar nicht erst um eine Lehrstelle bemühen, sondern abwarten, was das Leben ihnen bietet. Bei vielen Bewerbern sei die Vorbildung mangelhaft. „Da funktioniert etwas im Schulsystem nicht. Das müsste verbessert werden“, so Ingrid Vogel. Obwohl Kerateam direkt in die Schulen geht, sich an Ausbildungsmessen beteiligt, per Anzeige Lehrlinge sucht und ein attraktives Lehrlingsgeld bietet, sei es sehr schwer, geeignete Azubis zu finden. Die Geschäftsführerin bemängelt außerdem die Gastronomie und die Übernachtungsmöglichkeiten in Leisnig, die man den Kunden der Firma nicht anbieten könne. Positiv vermerkt sie die Internet- und die Verkehrsanbindung, die durch die Umgehungsstraße verbessert wurde. Auch die Vernetzung der Firmen und die Zusammenarbeit mit der Stadt funktionieren gut. Die Bindung an den Landkreis Mittelsachsen sei aber nicht mehr so gut wie früher an den Landkreis Döbeln. Die Bürokratie habe zugenommen, „und den Landrat kennen wir nur noch aus der Zeitung.“