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Warum das Neißebad zu klein ist

Der Schwimmunterricht ist wegen Corona ausgefallen und wird auch nicht nachgeholt. Nun sind die Eltern gefragt.

Diese Woche im Görlitzer Neißebad: Ein Junge erlernt in einem Kurs des SV Lok Görlitz das Schwimmen.
Diese Woche im Görlitzer Neißebad: Ein Junge erlernt in einem Kurs des SV Lok Görlitz das Schwimmen. © Nikolai Schmidt

Die Worte von Ingolf Schneider klingen alarmierend: Im zweiten Schulhalbjahr ist der Schwimmunterricht der Zweitklässler wegen Corona in allen Schulen komplett ausgefallen, sagt der Leiter der Nikolaigrundschule, der gleichzeitig stellvertretender Leiter des Schulschwimmzentrums ist, dem alle Grundschulen in Görlitz und Umgebung angehören.

Das Schlimme ist: Der Unterricht kann auch nicht nachgeholt werden, denn im neuen Schuljahr wollen schon wieder neue Zweitklässler schwimmen lernen und für zwei Jahrgänge gleichzeitig sind einfach nicht genug Lehrer da. Für die neuen Zweitklässler soll der Schwimmunterricht ganz normal stattfinden. Ob und wenn ja wo die bisherigen Zweitklässler nun doch noch schwimmen lernen, ist Sache der Eltern. „Jeder Zweitklässler hat mit dem Zeugnis eine Urkunde erhalten und eine Info, was er erreicht hat“, sagt Schneider.

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Über 600 Schüler sind betroffen

Betroffen sind 630 bis 650 Schüler. So viele Zweitklässler gibt es pro Jahr in Görlitz und Umgebung. Wie viele schon nach dem ersten Halbjahr sicher schwimmen konnten und somit das „Seepferdchen“ geschafft haben, kann Schneider nicht sagen. Er weiß nur: „Hätte das zweite Halbjahr regulär stattgefunden, hätten es viel mehr Kinder geschafft.“ Jetzt appelliert er an die Eltern, den Kindern anderweitig schwimmen beizubringen, etwa über Kurse im Neißebad oder in Freibädern im Umland.

Doch so einfach ist das nicht, obwohl das Görlitzer Neißebad als eines der wenigen im Kreis derzeit überhaupt geöffnet hat. Das Stadtbad Zittau bleibt bis 31. August wegen der Corona-Krise dicht, die Schwimmhalle Hirschfelde wegen der Sommerferien. Auch die Halle in Rothenburg ist geschlossen. Das Hauptproblem in Görlitz: Das Neißebad ist schlichtweg zu klein. Die Nachfrage zu decken, sei deshalb gar nicht möglich, sagt Ringolf Herzog vom Verein SV Lok Görlitz. Durch die steigenden Geburtenzahlen habe sich das Problem sogar noch verschärft. „Wir bräuchten entweder ein größeres Becken oder ein zweites Schwimmbad“, sagt Herzog.

Neißebad erlebt stärkere Nachfrage

Doch Bad und Vereine mühen sich sehr, die Rückstände aufzuholen und möglichst vielen Kindern das Schwimmen beizubringen. Das Neißebad selbst bietet auch jetzt in den Sommerferien Schwimmkurse an. „Wir nehmen Kinder ab sechs Jahren, weil ab diesem Alter die Fähigkeiten da sind“, sagt die stellvertretende Badleiterin Karin Wecke. In den Sommerferien dauern die Kurse jeweils zwei Wochen und es gibt immer vier Kurse parallel. Über die gesamten Ferien sind somit zwölf Kurse mit je acht Kindern möglich, sodass insgesamt 96 Kinder direkt über das Neißebad in den Sommerferien schwimmen lernen können.

„Die Nachfrage ist dieses Jahr größer als sonst“, sagt Karin Wecke. Die Kurse in den Sommerferien seien alle ausgebucht. Doch auch später soll es weitere Kurse geben, während des Schuljahres an fünf Wochenenden, jeweils an beiden Tagen, sodass ebenfalls zehn Tage zusammenkommen. Wer sich zuerst anmeldet, bekommt einen Platz – egal, ob Zweitklässler oder andere.

SV Lok Görlitz holt Rückstand auf

Mit Lok, Post und DLRG gibt es in Görlitz zudem drei Vereine, in denen Kinder schwimmen lernen können. Alle drei sind ausgelastet. Bei der DLRG etwa finden die Kurse immer am Sonnabend statt, zehn Wochen lang, bei Bedarf auch länger. Die Wartezeit liegt derzeit bei etwa einem Jahr. Beim SV Lok Görlitz ist der Bedarf noch größer. 105 Kinder lernen dort pro Jahr das Schwimmen. Hier dauern die Kurse 30 bis 40 Stunden. Die Kinder erwerben nicht nur das Seepferdchen, sondern lernen besser schwimmen. „Wir sind jetzt schon bis 2022 ausgelastet“, sagt Ringolf Herzog vom Verein. Anders als über die Schulen und über das Bad, lernen die Kinder beim SV Lok schon mit fünf Jahren schwimmen.

Ältere haben hier keine Chance: „Wir wollen homogene Gruppen, sonst funktioniert das nicht“, sagt er. Jetzt im Sommer findet der Unterricht viermal wöchentlich statt, damit alle Kinder fertig werden. Wenn das bis Ende der Ferien gelingt, hätte der SV Lok den coronabedingten Rückstand komplett aufgeholt, freut sich Herzog: „Im September stehen aber schon die nächsten Kinder auf der Matte.“

Schulschwimmlehrer dringend gesucht

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Ingolf Schneider plagt derzeit noch ein weiteres Problem: Personalmangel bei den Schulschwimmlehrern. Vier sind jetzt in Rente gegangen, ebenso die bisherige Leiterin des Schulschwimmzentrums, Veronika Reichstein. Für sie hat er mit Ramona Handke zwar eine Nachfolgerin gefunden, aber Schwimmlehrer werden weiterhin dringend gesucht. „Wenn alles wie geplant anläuft, ist der Schwimmunterricht zwar erst einmal abgedeckt“, sagt Schneider. Doch die Personaldecke sei sehr dünn: „Wir brauchen auf jeden Fall mehr Lehrer.“

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