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Kamenz: Kritik an Hallenbad-Sparplänen

Um die Kosten für den Schwimmhallen-Neubau zu senken, plant der Kreis nur noch eine schlichte Variante. Ein passionierter Schwimmer findet das falsch.

Das Hallenbad in Kamenz soll durch einen Neubau ersetzt werden. Theo Schnappauf vom Ostsächsischen Schwimmsportverein kritisiert die aktuellen Pläne.
Das Hallenbad in Kamenz soll durch einen Neubau ersetzt werden. Theo Schnappauf vom Ostsächsischen Schwimmsportverein kritisiert die aktuellen Pläne. © Matthias Schumann

Kamenz. In der Kamenzer Schwimmhalle ist Sommerpause. So muss auch Theo Schnappauf auf andere Gewässer ausweichen, den Steinbruchsee Vogelberg zum Beispiel. Das langjährige Mitglied des Ostsächsischen Schwimmsportvereins Kamenz (OSSV) macht sich allerdings Sorgen um die Zukunft des Schwimmhallen-Standorts in Trägerschaft des Landkreises. 

Der Kreistag hatte sich zuletzt konsequent für ein Hallenschwimmbad in Kamenz ausgesprochen und den Standort damit gesichert. Doch am Jahresanfang kamen die Pläne, die für den Neubau eine Mischung aus Freizeit- und Sportbad favorisieren, wegen der hohen Baukosten ins Trudeln und wurden schließlich gekippt. Mehr als 15 Millionen Euro sollte die neue Halle keinesfalls kosten.

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Auf Beschluss des Kreistages fiel das Projekt auf eine extreme Sparvariante zurück. Die ersten Pläne seien mit der großzügigen Wellnesslandschaft durchaus überzogen gewesen, die aktuellen aber genau das andere Extrem und mit fünf Bahnen im Großbecken und einem Nichtschwimmerbecken einfach zu schlicht, schätzt Theo Schnappauf ein. Es fehle gesundes Augenmaß. Das bringt nun Kamenzer Schwimmfreunde auf den Plan. 

Schulschwimmen gesichert

Zu ihnen gehört Theo Schnappauf, hinter dem weit über 400 Mitglieder des OSSV stehen. Der Kamenzer kritisiert die aktuellen Pläne. Ein paar mehr Funktionen sollte ein solches Bad schon erfüllen, findet er. Der Verein sei dankbar, dass Kamenz eine neue Sportstätte bekommt und das Schulschwimmen gesichert ist. Es müsse daneben aber doch mehr an die Gesundheit der breiten Bevölkerung gedacht werden, zumal Kamenz kein Freibad mehr als Alternative in der Sommersaison hat.

Schon rein aus wirtschaftlicher Sicht, um mehr Besucher anzulocken und so die Zuschüsse  senken zu können, sollte es auch Anreize für Familien geben, das Schwimmbad zu nutzen. Dazu gehöre ein kleines Planschbecken ebenso wie eine Rutsche. Die Halle sei ansonsten einfach nicht attraktiv genug.

Außerdem wäre eine sechste Bahn dringend nötig. Als Argumente dafür bringt Theo Schnappauf Wirtschaftlichkeit und Gesundheitsfragen  ins Spiel. So entstehe Raum, um die Halle für Therapien zu nutzen. „Physiotherapeuten und Krankenkassen müssen mit ins Boot geholt werden“, sagt der Kamenzer. So könnte die Halle  vom Baby- bis ins Greisenalter vielseitig genutzt werden. „Der Gesundheitseffekt des Schwimmens ist doch unbestritten.“ Dem werde die vorgelegte Sparvariante nicht gerecht.

Verzicht auf Freizeitelemente

Der Kamenzer sieht in einer leicht aufgepeppten Version auch keine Konkurrenz zu den Erlebnisbädern im Kreis - aber die Chance, die Halle besser auszulasten. Eine sechste Bahn sei zudem für Kamenz als Wettkampfort im Schwimmsport eine Voraussetzung, zum Beispiel für Landesmeisterschaften. Außerdem müsse der Verein derzeit Kinder abweisen, weil die Trainingsmöglichkeiten zu eng begrenzt seien. Die zusätzliche Bahn würde die Situation entspannen. Das alles könne doch nur im Interesse des Kreises sein.

Der zieht sich auf Nachfrage von Sächsische.de erst einmal auf die jüngsten Ergebnisse des Kreistags zurück. Danach sei die Richtung klar. Das Gremium „beauftragte die Verwaltung, die Planung für einen Neubau mit dem Schwerpunkt für das Schul- und Vereinsschwimmen durchzuführen“, so Landkreis-Sprecherin Cynthia Thor. „Die Planung wird auf ein Schwimmerbecken mit fünf Bahnen und das Nichtschwimmerbecken flächenmäßig vergleichbar zum bisherigen Hallenbad ausgerichtet.“ In der Grundvariante werde auf Attraktions- und Freizeitelemente verzichtet. 

Alternativ werde eine zusätzliche Variante mit betrachtet. Diese unterscheidet sich von der Grundvariante durch ein größeres Schwimmerbecken, das zugleich Wettkampfbedingungen erfüllt, sowie durch ein Sauna-Angebot. Planungsergebnisse sollen im zweiten Quartal 2021 vorgestellt werden.

Kamenz prüft Außenbecken

Das kann die Kamenzer Schwimmfreunde nicht befriedigen, sie wollen für ihre Vorschläge werben. Die sollten bei einem Budget von 15 Millionen mit drin sein, finden sie. Zumal in Kreisunterlagen nachzulesen ist: Es sei der Wille, „das bisherige Angebot auf diesem Gebiet in Kamenz durch eine entsprechende Investition aufrecht zu erhalten“ – dazu gehört bereits heute im bestehenden Bad neben der Sauna auch eine Rutsche.

Immerhin hat die Stadt Kamenz selbst vielleicht noch ein Ass im Ärmel. Seit Jahren ärgert die Kamenzer, dass es kein Freibad mehr in der Stadt gibt. Deshalb hatte sich der Stadtrat noch Ende des Vorjahres dafür ausgesprochen, frühzeitig zu untersuchen, ob mit dem Neubau des Hallenbades ein Außenbecken möglich wäre – technisch und finanziell. Und natürlich auf Kosten der Stadt, die letztlich auch die Investition und den Betrieb später bezahlen müsste. Die Untersuchung soll von dem Architekturbüro mit übernommen werden, das den Hallenbad-Neubau begleitet, erklärt die Kamenzer Finanzdezernentin Dr. Antje Koch. 

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