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Schwimmt Dynamo im Geld?

Millionen-Transfers, Sponsoren-Verträge, Zuschauer-Einnahmen: Finanziell steht der Verein so gut da wie seit 1990 nicht. Geschäftsführer Michael Born erklärt, warum trotzdem gespart wird - und kündigt einen Rückkehrer an.

© Robert Michael

Herr Born, was hätte Dynamo ein Abstieg in die 3. Liga gekostet?

Wir hätten nur noch etwas mehr als ein Zehntel des Fernsehgeldes bekommen, zudem in der Fünf-Jahres-Wertung Plätze verloren, sodass es für die nächsten Spielzeiten weniger geworden wäre. Das lässt sich auch mit dem Rettungsfond nicht ausgleichen, den die Vereine der zweiten Liga für die Absteiger aufgelegt und in den wir auch 66 000 Euro eingezahlt haben.

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Das heißt, es wäre schwierig geworden, einen angemessenen Etat aufzustellen?

Wir haben in den vergangenen Jahren sehr vernünftig gewirtschaftet, konnten so unser Eigenkapital erhöhen. Das lag zum 31. Dezember 2017 bei rund vier Millionen Euro. Wir wären also in der Lage gewesen, einen angemessenen Etat zu stemmen. Gleichwohl darf man nicht vergessen, dass Vermarktungserlöse, Zuschauer- und Merchandising-Einnahmen in der 3. Liga geringer gewesen wären.

Wie fällt die kaufmännische Bilanz aus?

Sehr gut. Wir konnten uns im Sponsoring weiterentwickeln, haben mehr VIP-Karten als je zuvor verkauft. Auch der sportliche Bereich hat sehr sparsam gewirtschaftet, dadurch sind Budgetüberträge möglich gewesen. Hinzu kommt eine hervorragende Transferbilanz.

Hat man sportlich sogar zu viel riskiert, weil man zu wenig investiert hat, um die Mannschaft zu verstärken?

Das würde ich auf keinen Fall sagen. Es gab viele Gründe, warum es sportlich nicht so gelaufen ist, wie wir uns das vorgestellt hatten. Aber gegen Verletzungen zum Beispiel, unser Kapitän Marco Hartmann ist hier an erster Stelle zu nennen, ist niemand gefeit. Die Liga war so eng wie noch nie, und es wird wohl niemand widersprechen, wenn ich sage, dass es mit unserer Mannschaft möglich gewesen wäre, zwei, drei Siege mehr einzufahren. Dann hätten wir ganz anders dagestanden.

Noch mal zur kaufmännischen Bilanz: Wie hoch ist der Gewinn?

Ich möchte nicht vorgreifen, die Zahl geben wir auf der Mitgliederversammlung bekannt. Aber der Gewinn wird wieder im siebenstelligen Bereich liegen.

Nach Marvin Stefaniak, der 2017 für mehr als zwei Millionen Euro nach Wolfsburg gewechselt ist, wurde nun Niklas Hauptmann für drei Millionen an den 1. FC Köln abgegeben. Wofür gibt der Verein diese Summen aus?

Wir gehen mit diesen Einnahmen verantwortungsbewusst um. Auf der einen Seite investieren wir, was ganz wichtig ist, in die Mannschaft, um solche Abgänge möglichst gut zu kompensieren. Auf der anderen Seite stemmen wir mit dem Neubau des Trainingszentrums ein großes Projekt, das mit einem finanziellen Risiko verbunden ist. Zu den geplanten 15 Millionen Euro ist durch die Maßnahmen für die Baugenehmigung schon jetzt gut eine Million hinzugekommen, und weitere Baukostensteigerungen sind zu erwarten.

Sie haben von Investitionen in die Mannschaft gesprochen: Kann sich Dynamo weitere Neuzugänge bis zum Ende der Transferperiode leisten?

Wir sind komplett handlungsfähig, weil wir nicht nur die Transfererlöse haben, sondern auch im Sponsoring zugelegt haben. Die Vermarktungsprognose konnte um einen siebenstelligen Bereich angepasst werden, weil wir mit dem neuen Hauptsponsor und dem neuen Ausrüster sehr gute Ergebnisse erzielt haben.

Was Fans diskutieren: War Feldschlösschen als Brustsponsor Dynamo nicht mehr gut genug?

Da muss ich energisch widersprechen. Feldschlösschen ist ja nicht raus, sondern langfristig unser exklusiver Bier-Partner, hat sein Engagement auf dieser Partnerebene sogar ausgebaut. Das war kein einfacher Prozess, aber er ist sehr gut gelungen. Wir wissen, dass wir dem Unternehmen viel zu verdanken haben, dass es in einer schwierigen Situation an unserer Seite war und weiter bleibt.

Es lag aber am Geld?

Wenn es nur ein Bruchteil mehr gewesen wäre, hätten wir uns wegen der engen Beziehung zu Feldschlösschen überlegen müssen, ob es richtig ist. So eine Entscheidung treffe ich nicht wegen 50 000 Euro mehr. Durch all-inkl.com steht eine Summe im Raum, auf die wir als Verein stolz sein können. Und wir sind froh, dass es ein Partner aus der Region ist.

Wenn man Sie hört, könnte man meinen, Dynamo schwimmt im Geld …

(lacht) Das kann man so auf keinen Fall sagen. Wir haben weiterhin eine sehr hohe Stadionmiete. Außerdem müssen wir unsere Konkurrenz betrachten. Wir sind zwar in der Tabelle der Fernsehgelder durch den Abstieg von Kaiserslautern und Braunschweig ein paar Plätze geklettert, bewegen uns aber nach wie vor im unteren Bereich. Vereine wie Köln und Hamburg bekommen die dreifache Summe wie wir.

Sie vergleichen Dynamo mit den Schwergewichten der zweiten Liga?

Nein, der Vergleich mag tatsächlich hinken. Wir stehen aber auch gegenüber Vereinen wie Ingolstadt oder Union Berlin finanziell erheblich schlechter da. Deshalb hatten wir bei Spielern wie Stefan Kutschke und Akaki Gogia im vorigen Jahr keine Chance, sie zu halten, weil Ingolstadt neun und Union fünf Millionen Euro mehr Fernsehgeld bekommen hat. Diese Summen haben wir durch unsere neuen Sponsorenverträge nicht aufgeholt.

Trotzdem: Braucht Dynamo, wenn es um die Stadionmiete geht, noch Zuschüsse aus Steuergeldern?

Man sollte nicht den Fehler machen und mit den Transfererlösen rechnen, die wir zuletzt erzielen konnten. Auch andere Einmal-Effekte haben zum guten Ergebnis beigetragen. Man muss das normale operative Geschäft zum Maßstab nehmen, denn der Verein braucht Planungssicherheit. Und man muss auch betrachten, wie wir im Vergleich zu anderen Vereinen stehen.

Wie ist der Stand der Verhandlungen über den Nutzungsvertrag fürs Stadion?

Wir sind in sehr guten Gesprächen sowohl mit der Stadt als auch mit der Projektgesellschaft. Ich möchte aber keine Wasserstandsmeldungen abgeben. Wir sind gemeinsam auf einem absolut richtigen Weg.

Gibt es für Sie bei der Miete eine Obergrenze für den Verein?

Wenn wir in solche Verhandlungen gehen, haben wir natürlich unsere Vorstellungen.

Es standen mal 500 000 Euro pro Jahr zur Diskussion …

Ich möchte keine Zahlen kommentieren. Das Stadion verursacht Kosten. Man muss also realistisch bleiben auch mit dem, was man fordert.

Zuletzt gab es Aufregung, weil mit Martin Börner der langjährige Teammanager hingeschmissen hat. Ein Indiz für innerbetriebliche Spannungen?

Zu der Personalie sagen wir nichts, weil das privat ist. Grundsätzlich, glaube ich, gibt es in jedem Unternehmen unterschiedliche Meinungen, unterschiedliche Charaktere, unterschiedliche Ansätze. Solche Spannungen können positiv sein, wenn man um den besten Weg streitet. Wenn sich alle in den Armen liegen, ist das keine Atmosphäre, mit der man weiterkommt.

Wie wird diese Baustelle geschlossen?

Uns ist bewusst, dass eine große Lücke entstanden ist. Kristian Walter ist dabei, Lösungen zu finden, wie wir das rund um die Mannschaft perfekt organisieren.

Wird die Stelle neu ausgeschrieben oder intern besetzt?

Das prüfen wir. Dabei geht es auch um die Assistenz für Ralf Minge. Wir werden sehen, welche Form man findet.

Können Sie sagen, wie es Ralf Minge geht und wann er als Geschäftsführer Sport zurückkehrt?

Dazu sage ich sehr gerne etwas, denn: Es ist absehbar, sogar sehr kurzfristig, dass Ralf wieder da sein wird. Die Zeit ohne ihn seit Mitte Februar war auch für mich nicht einfach, deshalb freue ich mich unheimlich, wenn er wieder zurück ist.

Das Gespräch führte Sven Geisler.