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Schwindelfrei für Tharandts Burg

Die Burgruine wird weiter saniert. Die Steine dafür kommen aus Klipphausen.

Von Verena Weiß

Schon beim Blick über die Schulter werden die Knie butterweich. Festhalten, und bloß keinen Schritt daneben setzen. Was Reportern Schweißperlen auf die Stirn treibt, scheint Jens Bergholz nicht weiter zu beeindrucken, auch nicht, wenn das Gerüst unter seinen Füßen 25 Meter über dem Boden wackelt. Lässig pappt er den Mörtel an die Wand und setzt den Stein passgenau ins Mauerwerk. Eine mühevolle Puzzlearbeit, für die es nicht nur viel Fingerspitzengefühl und Augenmaß braucht, sondern auch absolute Schwindelfreiheit.

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Hier, hoch über den Häusern, am Wahrzeichen der Stadt Tharandt, ist zurzeit der Arbeitsplatz von Jens Bergholz und seinen Kollegen. Ihre Mission: Die imposante Nordwand instand zu setzen. Seit einigen Wochen ist der Teil der Burgruine vom Baugerüst umhüllt. Es wird gehämmert, gespachtelt und verfugt, was die Manneskraft hergibt. Und die konnte Zeit aufholen. Obwohl die Arbeiten zum zweiten Bauabschnitt dieses Frühjahr etwas später starteten als geplant, liegen die Arbeiter wieder im Zeitplan. Bis Anfang Juli soll die Nordwand der Burgruine fertig sein.

Der Startschuss für die Sanierung der Tharandter Burgruine fiel im vergangenen August, als die Stadt den Fördermittelbescheid erhielt. Das erste Teilstück der Nordmauer haben die Mitarbeiter der Firma Trinitz Bausanierung GmbH schon im Herbst vorigen Jahres in Angriff genommen. Dabei wurden die Strebepfeiler der Nordwand erneuert. Nun, im zweiten Bauabschnitt, werden alle losen und brüchigen Mauerteile der Nordwand abgetragen und wieder aufgebaut – allerhand Schutt kommt dabei zusammen.

Nur wenige der abgetragenen Gesteinsteile können wiederverwendet werden. „Wo es geht, machen wir es“, sagt Bauunternehmer Uwe Trinitz. Aber das meiste Gestein ist durch die Witterung über die Jahrhunderte völlig porös und instabil geworden. „Eigentlich ist es ein Wunder, dass hier kein riesiger Mauerhaufen liegt“, sagt Bauleiter Gunter Tiehbold. Wenn das Tharandter Wahrzeichen fertig saniert ist, dürfte das zumindest so schnell nicht passieren. Für den perfekten Halt inmitten des fast anderthalb Meter dicken Mauerwerkes sorgen zudem sogenannte Edelstahlnadeln. Etwa 40 bis 50 Jahre, so die Bauexperten sollte es schon halten. Gut aussehen werde es ohnehin. Dafür sorgt einheitlicher Mörtel als Spritzverfugung. Um die Burgruine wieder sicher und hübsch zu machen, greifen die Fachmänner nicht zu teuren, sondern auch ortstypischen Materialien. Der neue Stein, der die Reste der Burg für die nächsten Jahrzehnte zusammenhalten soll, kommt aus Kleinschönberg bei Klipphausen.

Um die Reste des einstigen Wohnsitzes der Sidonie von Böhmen zu erhalten, sind erhebliche Summen nötig: Allein die ersten beiden Bauabschnitte an der Burgruine werden von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Ostsächsischen Sparkasse Dresden mit knapp 151 000 Euro gefördert. Fertig saniert ist das Denkmal damit aber noch lange nicht.

Insgesamt sechs weitere Bauabschnitte sind geplant, die nächsten zwei sollen – insofern die Finanzierung steht – 2016 in Angriff genommen werden. Insgesamt 813 000 Euro, so die Kostenschätzung der Stadt, wird die Rundum-Sanierung beanspruchen. Um auch die West- und Südfront der Burgruine sanieren zu können, ist die Stadt Tharandt schon jetzt wieder auf der Suche nach Förderern. Die Finanzierung der Toilettenanlage auf dem Burgberg ist bereits gesichert: Eine ältere Dame und großzügige Gönnerin aus Tharandt spendete der Stadt dafür 20 000 Euro. Mit einer endgültigen Fertigstellung der Baumaßnahme rechnet man im Tharandter Rathaus aber nicht vor 2022.

Abgesehen von Führungen hinauf zum Burgberg und Feiern im Rahmen des Tharandter Stadtfestes werden bis dahin kaum Veranstaltungen auf der Burgruine möglich sein. Dazu müssten zunächst alle dafür notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, heißt es aus dem Rathaus. Aufgrund der engen Platzverhältnisse sei künftig ohnehin nur Kleinkunst mit bis zu 200 Besuchern möglich, also für Theatergruppen, Lesungen oder kleinere Konzerte.