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Großenhain

CDU-Kreischef bekocht Leipzig

Sebastian Fischer schwingt in der Messestadt den Kochlöffel und setzt auf internationale Gerichte. Angst vor politischer Unbekömmlichkeit hat er keine.

Ein gutes Team am Herd: Die beiden Profiköche Sebastian Fischer (li.) und Christian Witte schwingen bis zum 1. März die Kochlöffel in Leipzig.
Ein gutes Team am Herd: Die beiden Profiköche Sebastian Fischer (li.) und Christian Witte schwingen bis zum 1. März die Kochlöffel in Leipzig. © Foto: privat

Großenhain/Leipzig. Durch das Telefon duftet es köstlich. Wie ein Schwall aus Gewürzen und Aromen ergießt sich die Beschreibung der indischen Currysuppe durch die Redaktionsräume der Sächsischen Zeitung in Großenhain. 

Obgleich gut anderthalb Stunden, sprich 125 Kilometer entfernt, wabert die gelbe, gerade in Leipzig frisch zubereitete Kreation durch das Zimmer. „Das ist auch tatsächlich unser absoluter Verkaufsschlager“, sagt der Mann am anderen Ende der Leitung lachend und scheppert mit der Schöpfkelle durch die Leitung.

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Es ist kurz nach 16 Uhr, und Sebastian Fischer tut ohne Zweifel das, was er seit ein paar Tagen um diese Zeit tun muss. Schließlich will der ehemalige Landtagsabgeordnete und im Dezember überraschend gewählte Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Meißen top vorbereitet sein, wenn sich in gut einer Stunde die Türen öffnen. Die Türen des Leipziger Restaurants "Gastgeber" nämlich, in dem der 39-Jährige gemeinsam mit Christian Witte seit ein paar Tagen kocht und die Besucher jeweils von 12 bis 14 und 17 bis 22 Uhr kulinarisch verwöhnt. 

Bis zum 1. März haben die beiden Profi-Köche das Lokal im Osten der gut frequentierten Innenstadt gemietet - und sind damit nicht die Ersten. "Der Gastgeber bietet die Möglichkeit, sich einfach mal auszuprobieren. Erfahrene Gastronomen, aber auch Leute, die meinen, sie haben ein tolles Konzept, können hier mal unter alltäglichen Bedingungen testen, wie es tatsächlich in der Praxis läuft", erklärt Sebastian Fischer. 

Das Restaurant mit 40 Plätzen werde vollständig ausgestattet und schlicht eingerichtet überlassen. Durch eine umsatzabhängige Beteiligung müssten die Gastgeber auf Zeit nichts selbst einbringen, könnten sich stattdessen frei entfalten und den Räumen ihre ganz eigene Atmosphäre einhauchen. 

Die beiden Männer in Kochjacke haben auch gehaucht. Sonst mit Rucksäcken auf den Rücken zuweilen gemeinsam durch die Welt reisend, wecken sie unter dem Namen "A 600" - eine Reminiszenz an Fischers zehnjährige Tätigkeit im Landtag, dessen Sitzungssaal so heißt - einen Hauch von Fernweh. 

"Wir haben eine kleine, aber feine Speisekarte zusammengestellt, die wirklich durch verschiedene Länder führt und nicht nur die einzelnen Gerichte benennt. Unsere Gäste erfahren, woher das Essen stammt und bei welchen Gelegenheiten es die Einheimischen gern zu sich nehmen", erklärt Sebastian Fischer. 

Mangosalat aus Myanmar werde ebenso kredenzt wie russischer Borschtsch mit saurer Sahne, Schweizer Käse-Fondue, französisches Kalbsgulasch, norwegischer Karottenkuchen und Omas gute deutsche Rinderroulade mit Rotkohl.

Magengrummeln, das einige Leipziger aufgrund ihrer einschlägigen Vorliebe für grüne oder linke geistige Kost dem CDU-Politiker so viel internationale Gaumenfreude übel nehmen könnten, hat der gebürtige Gävernitzer nicht. Nein, die gelbe indische Currysuppe wolle er sich nicht ideologisch versalzen lassen. 

Abgesehen davon, dass es sich bei dem Projekt um kein politisches, sondern ausschließlich um ein unternehmerisch-gastronomisches handele, habe er keinerlei Berührungsängste. Die letzten Gäste, die am Mittwochabend das Lokal verlassen hätten, seien aus Frankreich und England gewesen. 

Karten würden ohnehin stets in drei Sprachen auf den Tischen liegen - Fischer selbst spricht nach eigenem Bekunden Französisch, Englisch und Norwegisch - und dass das angebotene Bier von einem jungen Brauer aus dem als Problemstadtteil verschrienen Connewitz stamme, sei für ihn keineswegs ein Grund, den mit christlichen Werten gefüllten Kopf einzuziehen. Ganz im Gegenteil! Das Getränk schmecke ganz hervorragend und zähle ebenso zu den Rennern wie die trockenen Weine aus der Winzergenossenschaft Meißen. Nie habe er einen Hehl daraus gemacht, einerseits zwar sehr heimatverbunden zu sein und sich innerhalb seiner politischen Tätigkeit auch für Sachsen und den Landkreis stark zu machen. 

"Andererseits hat es mich selbst auch immer in die Ferne gezogen! Ich habe schon in Norwegen, der Schweiz und Frankreich gelebt und bin ein bekennender Verfechter dafür, dass es wirklich gut tun kann, den geistig-kulturellen Horizont zu erweitern", verrät der zertifizierte Küchenmeister, der als Lehrling im Dresdner Vier-Sterne-Hilton gearbeitet hat.

Nicht zuletzt deshalb sei gerade die Universitätsstadt Leipzig eine Metropole, in welcher es von Touristen und Menschen aller Nationalitäten nur so wimmele, der ideale Platz, um das entwickelte gastronomische Konzept auszuprobieren. Was daraus werden würde, könne der seit 2006 als selbstständig tätiger Koch noch nicht sagen. Spaß mache ihm das Köcheln auf jeden Fall. Es sei schließlich das, was er von der Pike auf gelernt habe, womit er nun nach Beendigung seiner Tätigkeit im sächsischen Landtag Geld verdienen könne. 

"Deshalb muss ich nun auch richtig loslegen, sonst sitzen die hungrigen Gäste nachher vor leeren Tellern", meint Sebastian Fischer entschuldigend - und verabschiedet sich wieder zurück an den Topf mit Suppe. Eine, die wie alles im Leben Geschmackssache sein wird. In Großenhain wie in Leipzig.