merken
PLUS

Sebnitz

Wieso ist dieser Einkaufspark verwaist? 

Im Einkaufszentrum Sebnitz-Hainersdorf herrscht so etwas wie Geisterstimmung. Der Imbiss hält durch. Bei Rossmann werden die Lücken größer.

Der Einkaufspark Sebnitz-Hainersdorf am späten Donnerstagvormittag.
Der Einkaufspark Sebnitz-Hainersdorf am späten Donnerstagvormittag. © Tom Weber

Tag Eins nach dem vorläufigen Shutdown im Einkaufspark Sebnitz-Hainersdorf. Am späten Vormittag herrscht hier sonst reger Betrieb. Jetzt, fast ausgestorben, kaum Fahrzeuge, kaum Kunden. Nur Netto und Rossmann  sowie der Getränkemarkt dürfen öffnen. Auch der Imbiss Am Sebnitzbach versorgt von 10.30 Uhr bis 15 Uhr seine Kunden. Dort ist die Stimmung gedrückt. Sonst würden viele ältere Menschen kommen. Doch die blieben wegen der Risikogruppe zu Hause. Dennoch hoffe man, dass vor allem auch die Stammkunden die Treue halten und weiter in dem Imbiss ihr Essen holen. Der Blumenladen daneben hat seine Schotten dicht gemacht, obwohl er ja noch öffnen dürfte. Doch vermutlich aus Gründen der persönlichen Sicherheit. Hier werden aber Bestellungen telefonisch entgegengenommen.

Auch bei Rossmann ist um diese Zeit wenig los ist, obwohl doch jeder von Hamsterkäufen spricht. Aber die begehrtesten Waren wie WC-Papier, Küchenrollen und Papiertaschentücher sind eh ausverkauft. Nachschub ist zwar geordert. Doch da es deutschlandweit generell knapp aussieht, dürfte es auch noch eine Weile dauern, bis Nachschub kommt.  Noch in großer Auswahl vorhanden sind übrigens Windeln, Baby- und Kindernahrung.

Anzeige
Lust auf neue Kunden?

Wie Sie mit der sz-Auktion gleich doppelt gewinnen und was Sie dafür tun müssen.

Aus hygienischen Gründen bleiben bei Rossmann ab sofort auch die Fototerminals außer Betrieb. Und da sich auch die Seifenregale leeren, wird der Kunde darauf hingewiesen,  davon nur drei Produkte zu kaufen. Kerstin Winter steht kopfschüttelnd vor den sich leerenden Regalreihen. Sie ist Stammkundin bei Rossmann und hat das Ganze in den letzten Tagen verfolgt. "Noch am Dienstag sah es hier voller aus. Aber ich glaube, einer steckt den anderen mit Hamsterkäufen an. Der Handel freut sich natürlich", sagt sie. Und mit einem Blick um die Ecke verweist sie auf die beiden Bekleidungsmärkte Kik und Ernstings. Die mussten ebenfalls schließen. "Das kurbelt das Online-Geschäft nochmal so richtig an", sagt sie kopfschüttelnd.

Generell herrscht offenbar großes Unverständnis darüber, das solche Geschäfte, wo die Kunden auch sonst nicht dicht an dicht stehen, schließen mussten. Neu ist, dass die Kunden generell aufgefordert werden, lieber mit der Geldkarte zu bezahlen. Zur Sicherheit tragen die Verkäuferinnen aber Handschuhe. Das können einige Kunden wohl nicht verstehen, wie eine Seniorin. "Ich hebe doch am Monatsanfang meine Rente ab. Ich zahle nie mit Karte, sondern nur bar", schimpft sie. Auch sie wird sich wohl umstellen müssen. 

Ansonsten bleiben die Kunden aber gelassen, trotz großer Löcher in Regalen. Manche nehmen es mit Humor. "Ich komme jeden Tag vorbei, um zu sehen, welche Artikel inzwischen ausverkauft sind. Es ist schon interessant, was in den Köpfen mancher Leute so vorgeht", sagt Werner Pfeifer eher belustigt.

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Drogeriemarkt in Bad Schandau. Dort sind die Regale mit den Zellstoffprodukten am Donnerstagmittag komplett leergeräumt: Klopapier, Taschentücher, Küchenrolle – alles weg. Nur zwei Packungen mit Hämorrhoiden-Salbe baumeln einsam am Regal. Die ist dafür laut Aufschrift „dreifach wirksam“. Am nächsten Morgen soll neues Toilettenpapier kommen. „Ich kann Ihnen aber nicht sagen, wie lange das reicht“, sagt die Verkäuferin und hebt die Schultern. Der Drogeriemarkt hat die Menge schon auf eine Packung pro Einkäufer rationiert. Es hilft nichts.

„Als wär ein Krieg ausgebrochen“, sagt ein Endvierziger beim Anblick des ebenfalls leeren Mehl-Regals zu seiner Begleiterin. Sie schüttelt nur mit dem Kopf.

Im Lidl nebenan stehen die Riesaer Nudeln gleich am Eingang palettenweise. Sämtliche Regale sind prallgefüllt. Reis, Nudeln, Küchenrolle – alle Hamsterware da. Nur das Klopapier, das fehlt auch hier. Beim Legen der Einkäufe aufs Kassenband, kommt ein freundlicher Hinweis der Kassiererin: „Bitte zu ihrer eigenen Sicherheit und der der anderen die Abstände, die unten eingezeichnet sind, einhalten.“ Auf dem Fliesenboden sind Klebebandstreifen geklebt, welche die nötigen zwei Meter markieren. (mit dis)

Mehr Nachrichten aus Sebnitz lesen Sie hier.