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Sebnitz

Trauer um Sebnitzer Urgestein

Die drei Brüder Gunter, Jochen und Volker Seifert sind in Sebnitz stadtbekannt. Jetzt heißt es von einem von ihnen Abschied nehmen.

So wie ihn die Sebnitzer kannten, immer lächelnd mit einem Spruch auf den Lippen.
So wie ihn die Sebnitzer kannten, immer lächelnd mit einem Spruch auf den Lippen. © Archivfoto: Frank Baldauf

Es gibt sicherlich nur wenige Sebnitzer, die Jochen Seifert nicht gekannt haben. Er ist vor wenigen Tagen im Alter von 72 Jahren verstorben nur fast drei Monate nach seiner Frau Marzella. Mit ihr bewirtschaftete er unter anderem anfangs das Freibad in Hertigswalde. Jochen Seifert bewahrte die Herti, wie das Bad bei den Sebnitzern heißt, 1994 vor dem Aus. Das Bad wurde zunächst noch von der Stadt betrieben. Es hieß, es ist zu unwirtschaftlich. Zudem stand gerade das damalige Stadtbad gerade vor dem Umbau. Die Überlebenschance für Hertigswalde sank. "Wo aber sollten die Leute hin, wenn hier kein Bad mehr ist?", fragte sich Seifert damals. 

Er pachtete kurzerhand das Badgelände von der Stadt und betrieb es auf eigene Kappe. Wenig später entschloss sich das Rathaus, das Hertigswalder Bad gänzlich abzustoßen. Jochen Seifert hatte zu diesem Zeitpunkt schon viel Geld in die Anlage gesteckt, auch gab es viele Ideen, das Gelände auszubauen. Schließlich kaufte der Hertigswalder 1997 das Bad, er konnte nun sicher investieren. Im Laufe der Jahre formte er daraus ein Touristikzentrum mit vielen Angeboten. 

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Zwischenzeitlich verpachtete er die Anlage, betrieb sie aber letztlich dann doch wieder selbst weiter. Er wollte die Herti den Sebnitzern auf jeden Fall erhalten. Vor allem seine Arbeit beim Deutschen Roten Kreuz, als langjähriger Leiter der Bergwacht Sebnitz brachte ihm Anerkennung. Jochen Seifert wusste zu improvisieren. Als die Bergwacht im Jahr 2014 ihr 60-jähriges Jubiläum feierte, gab er dazu eine Anekdote preis:  "Geld hatten wir keins, aber Ideen", erzählte Jochen Seifert. Den Barkas hatte er vom Deutschen Roten Kreuz organisiert. Dort gab es beim Krankentransport immer mal wieder beschädigte Autos. Seifert hakte beim damaligen Kreisvorsitzenden nach, ob die Bergretter nicht einen solchen Unfallwagen bekommen könnten. Die zerbeulte Karosserie brachten die Kletterfreunde selbst in Schuss. Hinten bauten sie eine Sitzkiste fürs Material ein und Seitenbänke zum Hochklappen. So konnte der Barkas variabel als Transportfahrzeug oder Mannschaftswagen genutzt werden.

Jochen Seifert verbrachte sein ganzes Leben in Sebnitz-Hertigswalde, seine Heimat, an der er sehr hing. Schon früh ging er wandern, klettern und im Winter Ski fahren, war Mitglied der BSG Sebnitz und des Sächsischen Bergsteigerbundes. 

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