merken
PLUS

Sebnitz

Sebnitz will neuen Straßenbelag testen

Ein Gitterplattensystem für unbefestigte Wege ist billiger als Asphalt und zudem besser für die Umwelt. Sebnitz will das jetzt testen.

Die Straße "Horn" in Sebnitz. Nicht nur im Winter macht der unbefestigte Weg Probleme.
Die Straße "Horn" in Sebnitz. Nicht nur im Winter macht der unbefestigte Weg Probleme. © Steffen Unger

Gerade auf dem Land gibt es vielerorts noch Straßen und Wege, die nicht asphaltiert sind. Immer wieder macht das Probleme, weil Schlaglöcher entstehen oder der Regen tiefe Rinnen in die Schotterdecke spült. Diese Straßen zu asphaltieren ist nicht nur teuer, es führt auch dazu, dass noch mehr Oberflächen versiegelt werden. Das Wasser kann nicht mehr versickern, was wiederum die Gefahr von Überschwemmungen erhöht. 

Das Tiefbauamt der Stadt Sebnitz hat jetzt eine neue Bauweise für solche unbefestigten Wege aufgetan: ein Gitterplattensystem namens TTE des bayrischen Herstellers Hübner-Lee. Die wabenförmigen Kunststoffplatten können wahlweise mit Betonpflaster, Schotter oder Rasen befüllt werden. Der besondere Vorteil des Systems: Es ist komplett durchlässig, das anfallende Regenwasser versickert zu hundert Prozent, wie Mathias Krahl vom Sebnitzer Tiefbauamt erklärt. 

Anzeige
Wie leben Familien in Sachsen?

Die große Umfrage zur Familienzufriedenheit geht in eine neue Runde. Jede Antwort zählt!

Eine Siedlungsstraße mit dem TTE-System, die Kunststoffgitter sind mit Betonpflastersteinen gefüllt. 
Eine Siedlungsstraße mit dem TTE-System, die Kunststoffgitter sind mit Betonpflastersteinen gefüllt.  © Hübner-Lee

Die Wabengitter sind so fest miteinander verhakt, dass eine tragfähige Oberfläche entsteht, die auch schwere Lkws aushält. Mathias Krahl war im vergangenen Jahr in Wittenberg, wo schon 2013 mehrere Straßen mit den Kunststoffplatten befestigt wurden. Die Fahrbahn sei auch heute noch eben, es  hätten sich keine Spurrillen gebildet, berichtete er kürzlich im Sebnitzer Stadtrat. Auch die Anwohner, mit denen er gesprochen hat, seien von der Konstruktion überzeugt.

Ein weiterer Vorzug ist die geringe Aufbauhöhe. Während beim Bau einer Asphaltstraße bis zu 75 Zentimeter des vorhandenen Bodens zunächst abgetragen werden müssen, um einen stabilen Untergrund aufzubauen, bleibt die obere Bodenschicht bei dem Plattensystem erhalten. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, weil der Boden mit allem, was darin kreucht und fleucht, weitgehend intakt bleibt, es ist auch deutlich billiger. 

Für eine grundhaft ausgebaute Asphaltstraße setzt des Sebnitzer Tiefbauamt zwischen 180 Euro und 300 Euro pro Quadratmeter an. Bei dem Kunststoffplattensystem betragen die Kosten zwischen 70 Euro und 90 Euro, also etwa ein Drittel. Mitentscheidend ist, dass zusätzlich Entwässerungsanlagen, die bei einer Asphaltstraße nötig sind, bei dem durchlässigen Plattensystem wegfallen. Zudem geht der Bau schneller vonstatten. 

Auch Rasen oder Schotter sind möglich. Hier ein Parkplatz mit unterschiedlichen Oberflächen. 
Auch Rasen oder Schotter sind möglich. Hier ein Parkplatz mit unterschiedlichen Oberflächen.  © Hübner-Lee

Der Hersteller verweist zudem auf den Grundwasserschutz. Da der Regen gleichmäßig versickern kann, komme das dem Grundwasserspiegel und dem Wasserhaushalt des Bodens zugute. Die Kunststoffplatten selbst werden aus recycelten Kunststoffen aus den Gelben Säcken hergestellt. 

Gänzlich ohne Nachteile ist das System nicht. In der Version mit Betonpflaster entstehen beim Befahren Geräusche. Die seien bei 50 km/h aber nicht lauter als bei herkömmlichem Natursteinpflaster auch, erklärt Mathias Krahl. Ungeeignet ist das Gitterplattensystem für Wege mit großer Steigung oder wenn der Untergrund aus Lehm, Ton oder Felsgestein besteht, dann würde sich das Wasser aufstauen.  

In Sebnitz kommen nach einer ersten Einschätzung des Tiefbauamts der Siedlerweg in Hertigswalde, die Straße Horn, der Fichtenweg oder die Nordstraße für diese Bauweise infrage. Konkrete Pläne für einen Ausbau dieser bislang unbefestigten Wege gibt es aber noch nicht. Bis es so weit ist, müsste noch die Frage nach den Straßenausbaubeiträgen geklärt werden, die Sebnitz erhebt. In der entsprechenden Satzung ist die neuartige Bauweise bislang noch nicht vorgesehen.   

Mehr Nachrichten aus Sebnitz lesen Sie hier.