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Sebnitz zeigt sich tolerant und weltoffen

Bevor Rechtsextreme marschieren, setzt Sebnitz mit Gesprächsrunde, Friedensgebet und Menschenkette ein Zeichen.

Von Anja Weber

Der Veranstalter der Demonstration in Sebnitz am Donnerstagabend gibt sich nicht die Mühe, seine Identität zu verbergen. Es ist Hartmut Gliemann, NPD-Stadtrat in Sebnitz. Er hat die Demonstration beim Landratsamt angemeldet. Angekündigt wurde der Aufmarsch bereits am 19. Januar, als sich erstmals ein Zug durch die Innenstadt formierte und hinter dem NPD-Stadtrat Sympathisanten unter anderem aus Pirna und dem Landkreis Bautzen mitmarschierten. Auch Sebnitzer beteiligten sich daran. Viele Einwohner finden die geplante Demonstration nicht gut.

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Deshalb lädt die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde mit Pfarrer Joachim Rasch bereits für den morgigen Mittwoch, ab 19.30 Uhr, zu einer offenen Gesprächsrunde in das Diakonat ein. Dort können sich alle diejenigen treffen, die etwas wissen, erfahren und auch mitdiskutieren wollen. Es geht um einen Dialog, darum, sich die Sorgen und Probleme der Anwesenden anzuhören und ihre Fragen nach Möglichkeit zu beantworten, so die Initiatoren. Eingeladen sind nicht nur Sebnitzer, sondern auch Bürger aus der Umgebung.

Zuhören ist Voraussetzung

„Die verstärkte Zuwanderung von Menschen, die in unserem Land Schutz vor Verfolgung, Hunger, Krieg und Perspektivlosigkeit suchen, wirft viele Fragen auf. Viele fragen, wohin diese Entwicklung führt und suchen nach Antworten“, heißt es in der Einladung der Kirche.

Es sei dringend nötig, miteinander zu reden und im Gespräch zu bleiben, so der Tenor. Man wolle damit ein Zeichen setzen, dass Sorgen, Ängste aber auch Neugier und Verunsicherung nicht nur zu Hause, sondern öffentlich diskutiert werden können. Pfarrer Joachim Rasch hat aber auch Grenzen gesetzt. Voraussetzungen für das Gespräch seien die Bereitschaft, einander zuzuhören, und gegenseitiger Respekt.

Für den Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU), einer der Gesprächspartner an diesem Abend, steht fest: „Der Dialog muss gefunden werden. Ich bin jederzeit für ein Gespräch offen. Ich kann aber nur alle zur Besonnenheit aufrufen.“

Bei einer Gesprächsrunde soll es aber nicht bleiben. Unter dem Thema „Sebnitz ist tolerant und weltoffen. Wir sind das Volk“ gibt es am Donnerstag, 29. Januar, ab 19.30 Uhr, auch die Möglichkeit zu einem Friedensgebet in der evangelischen Stadtkirche in Sebnitz, zu dem die evangelische und die katholische Gemeinde gemeinsam einladen. „Wir beten um Frieden in unserer Welt. Und wir beten für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen in unserer Stadt“, sagt Pfarrer Joachim Rasch. Im Anschluss daran haben die Stadtratsfraktionen der CDU, Mitsprache in Stadt und Land und die Linke zu einer Menschenkette aufgerufen. Die soll von der Kirche zum Rathaus und weiter bis zum Marktplatz reichen. „Mit Kerzen in den Händen wollen wir zeigen, dass wir zusammenstehen für eine tolerante und offene Stadt, in der Fremde willkommen sind. Wir alle sind das Volk“, sagt Pfarrer Rasch.

Sebnitz unter Beobachtung

Nicht zuletzt soll damit auch ein Zeichen gegen die gesetzt werden, die beim Aufmarsch am 19. Januar gemeinsam mit der NPD ebenfalls Kerzen am Marktbrunnen abgestellt hatten.

Auch von außerhalb wird auf Sebnitz geschaut. Sebastian Reißig von der Aktion Zivilcourage in Pirna beispielsweise findet es wichtig, dass die Sebnitzer die Möglichkeit haben, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Ich finde es gut, dass sich Sebnitz auf den Weg gemacht hat. Außerdem sollte man sich genau ansehen, mit wem man demonstriert“, sagt Reißig.

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