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Pirna

Sechs Kandidaten im Kreuzverhör

Vor der Landtagswahl diskutieren in Pirna die Bewerber von CDU, AfD, SPD, Linke, Grüne und FDP. Eine erste SZ-Analyse zum Wahlforum am Dienstag.

In Schnellabstimmungs-Runden mussten sich die Kandidaten auf eine Meinung festlegen. Hier ging es darum, ob Straßenbau vor ÖPNV Vorrang haben sollte.
In Schnellabstimmungs-Runden mussten sich die Kandidaten auf eine Meinung festlegen. Hier ging es darum, ob Straßenbau vor ÖPNV Vorrang haben sollte. © Dirk Zschiedrich

Verkehr, innere Sicherheit und Bildung: Das waren die Hauptthemen des Wahlforums am Dienstagabend in der Pirnaer Herderhalle, wohin die Landeszentrale für politische Bildung und die Sächsische Zeitung als Medienpartner einluden, Ziemlich genau zwei Stunden lang diskutierten die Landtagskandidaten Jan Zwerg (AfD), Oliver Wehner (CDU), Ralf Wätzig (SPD), Lutz Richter (Linke), Martin Kusic (Grüne) und Norbert Bläsner (FDP) unter der Moderation von Andreas Tietze von der Pirnaer Aktion Zivilcourage miteinander. Auch wenn scharfe Wortwechsel vor den rund 300 Zuschauern eher die Ausnahme blieben, sind die unterschiedlichen Positionen der Direktkandidaten im Wahlkreis Pirna, Heidenau und Ostergebirgsvorland doch klar geworden.

So sprach sich der Grüne Martin Kusic dafür aus, erneuerbare Energien konsequent zu fördern, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Das Thema sei mittlerweile in den Herzen und Köpfen angekommen. Jan Zwerg von der AfD wagte dagegen die Prognose, die Grundlast bei der Energieversorgung könne im Industrieland Deutschland niemals mit Windkraft und Solarenergie abgedeckt werden. Um das zu garantieren, sei ihm sogar ein Atomkraftwerk in Sachsen recht. Nach dem Standort gefragt, antwortete er aber ausweichend.

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Die Zahl der Drogendelikte ist im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge angestiegen. Auch wenn das etwas mit dem härteren Kontrolldruck durch die Polizei zusammenhängt, das Drogenproblem ist ein reales in der Region. Oliver Wehner von der (CDU) meinte, Crystal sei sogar günstiger als das Bier im örtlichen Brauhaus in Pirna. Darauf könne man aber nicht einfach pauschal mit mehr Polizisten reagieren; vielmehr empfahl Wehner eine Dreichfach-Strategie aus Prävention, Kriminalitätsbekämpfung und Resozialisierung. So einfach ließ ihm das aber Ralf Wätzig (SPD) nicht durchgehen. Er verwies darauf, dass der Landkreis bei der Suchthilfe ein denkbar schlechtes Beispiel sei nach all der Rotstiftpolitik der letzten Jahre. Für mehr Polizisten waren aber zum Schluss alle Kandidaten.

Kritik musste die CDU auch in Sachen Bildungspolitik einstecken. Lutz Richter etwa ärgerte sich, dass die Union bei der Aufstockung des Lehrerpersonals genau das macht, was die Linke schon lange gefordert hatte. Norbert Bläsner (FDP) mahnte an, auch die schulischen Inhalte und die Digitalisierung nicht zu vernachlässigen. Bei letzterem Thema hinke Sachsen bereits zehn Jahre hinterher. Außerdem sollten Schüler weniger auswendig lernen und dafür mehr Kompetenzen trainieren.

Sächsische.de berichtet am Mittwoch im Laufe des Tages ausführlich über das Wahlforum.

Hier eine knappe Einschätzung der Kandidaten:

Jan Zwerg (AfD): Hielt sich mit provokanten Thesen zurück, appellierte an die Vernunft der Wähler, war aber stellenweise arrogant.

Oliver Wehner (CDU): Kompetent und allen Vorhaltungen an die Adresse seiner Partei zum Trotz souverän, wirkte jedoch bisweilen als emotionslos.

Ralf Wätzig (SPD): Trat mit Leidenschaft für die Themen seiner Partei ein, seine Erfahrung in der Lokalpolitik machte ihn authentisch; stellenweise verzettelte er sich aber.

Lutz Richter (Linke): Spielte gekonnt die Rolle der Opposition und attackierte mit Hingabe die CDU, vertrat passabel die Positionen seiner Partei, konnte jedoch kaum eigene Akzente setzen.

Martin Kusic (Grüne): Blieb blass und frei von Charisma, das Programm der Grünen trug er aber zuverlässig vor, auch wenn er stellenweise einen unsicheren Eindruck machte.

Norbert Bläsner (FDP): Fiel mit selbstkritischen Tönen auf hinsichtlich der Regierungsbeteiligung seiner Partei bis 2014 in Sachsen, punktete mit seinem kommunalem Fachwissen. 

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