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Sechs Stürmer sind zwei zu viel

Monatelang hat Dynamo Dresden gesucht. Jetzt gibt es ein Überangebot, Wechselgerüchte – und eine klare Ansage des Trainers.

Von oben links: Alexander Jeremejeff, Moussa Koné, Osman Atilgan, Lucas Röser, Vasil Kusej und Luka Stor.
Von oben links: Alexander Jeremejeff, Moussa Koné, Osman Atilgan, Lucas Röser, Vasil Kusej und Luka Stor. © Robert Michael

Die Chefs reagieren überrascht, als sie auf den nächsten Transfer angesprochen werden. Gerade erst haben sie doch zwei Wechsel innerhalb eines Tages festgezurrt und damit Dynamos Personalplanungen abgeschlossen. Verspätet zwar, aber offenbar sehr erfolgreich, wie das vergangene Wochenende zeigt. 2:1 hat Dynamo gegen Heidenheim gewonnen, der erste Sieg der Saison ist eingefahren – und die beiden Neuzugängen hatten ihren Anteil daran.

Alexander Jeremejeff erzielte nach fünf vergebenen Chancen im sechsten Versuch das entscheidende 2:0, und der kurz vor Ende eingewechselte Luka Stor deutete auch gleich an, dass er nicht gewillt ist, sich lange mit der Reservistenrolle abzufinden.

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Doch damit tun sich nun ganz neue Personalprobleme auf. Sechs Stürmer im Aufgebot einer Mannschaft, die vorrangig mit einem Angreifer spielt, sind mindestens einer, vermutlich sogar zwei zu viel. Auch das hat die Partie gegen Heidenheim gezeigt. Lucas Röser saß während der 90 Minuten auf der Bank. Und mit Moussa Koné fehlte Dynamos gefährlichster Stürmer der vergangenen anderthalb Jahre sogar gänzlich im Kader, ebenso wie die aufstrebenden Nachwuchsspieler Osman Atilgan und Vasil Kusej.

Trainer Cristian Fiel machte dafür ausschließlich sportliche Gründe verantwortlich, kündigte an, dass die Konstellation am Freitag im Spiel in Darmstadt schon wieder eine andere sein könnte, und stellte zufrieden fest: „Jetzt haben wir den Konkurrenzkampf, den wir haben wollen.“ Die Frage ist nur, wie die einzelnen Spieler damit umgehen, insbesondere einer wie Koné, der eine unausgesprochene Stammplatzgarantie innehatte.

Resignieren geht gar nicht

Auch diesbezüglich hat Fiel klare Vorstellungen. Was angesichts der jüngsten Entwicklungen vor allem für Koné gelten könnte, hat der Trainer im Zuge der Neuverpflichtungen in Richtung der Nachwuchsspieler gesagt: „Wenn ich auch nur annähernd ein Zeichen von Resignation sehe, würde ich ausrasten. Denn das kann ich nicht akzeptieren. Resignieren als junger Spieler – keine Chance. Dann ist es besser, du hörst ganz auf. Konkurrenzkampf gehört dazu, wir sind keine Jugendmannschaft mehr, das ist Profifußball. Du musst gegen deine Konkurrenten arbeiten, das ist einfach so.“

Diese Resignation, das betonte er auch, habe er bislang nicht festgestellt. An der personellen Überbesetzung, die alles andere als zufällig ist, ändert das aber nichts. Offen ist nur, welches Kalkül dahintersteckt. Will Dynamo vorbereitet sein, falls der auf dem Transfermarkt durchaus begehrte Koné doch wechselt oder, auch der Gedanke ist inzwischen naheliegend, sich die überaus talentierten Atilgan und Kusej in Liga zwei im Moment noch nicht durchsetzen können?

Entwicklungen laufen nicht immer linear – der Satz von Sportchef Minge gilt unverändert. Ausreißer nach oben sind bei Atilgan und Kusej nach aktuellem Stand der Dinge nicht zu erwarten, eher liegen beide unterm Soll. Nach den Eindrücken vom Sonntag ist schwer vorstellbar, wie sich beide zumindest einen Platz im Spieltagskader sichern sollen.

Der umfasst zwar seit dieser Saison 20 statt 18 Profis, aber mehr als drei, allerhöchstens vier Angreifer wird Fiel nie nominieren – selbst wenn er sein Spielsystem mal auf zwei Spitzen umstellt.

Die Transferfrist in diesem Sommer endet am 2. September, und bis dahin begleitet alle Beteiligten die Frage, was für wen in dieser jetzt neuen Konstellation vor allem perspektivisch das sportlich Beste und vielleicht auch finanziell Lukrativste ist.

Schnellebiges Stürmer-Geschäft

Möglich ist: die Ausleihe der Talente an Dritt- oder Viertligisten, um wichtige Spielpraxis zu sammeln, der Wechsel von Dauerreservist Röser, den er für sich in der Sommerpause noch ausgeschlossen hatte, und auch der Abgang von Koné. Dessen Vertrag bei Dynamo läuft noch bis 2022. Rund 2,5 Millionen Euro Ablöse hat der Verein im Januar 2018 an den FC Zürich gezahlt, die Summe sollte ein vorfristiger Transfer allein schon aus kaufmännischer Sicht mindestens einbringen. Der Marktwert des Senegalesen wird auf etwa 3,5 Millionen Euro taxiert.

Dynamos Schmerzgrenze dürfte in diesem Bereich liegen, vermeintliche Angebote in der Sommerpause sind mit Summen von vier, fünf Millionen Euro kolportiert worden. Zur Einordnung: Robert Glatzel, bis zuletzt Stürmer von Konkurrent Heidenheim und ehrlicherweise nur Liga-Experten bekannt, wechselte dem Vernehmen nach für sechs Millionen Euro in die zweite englische Liga zu Cardiff City.

Den Wechselgerüchten in diesem Sommer hat Koné selbst immer widersprochen. Im Interview mit sächsische.de betonte der 22-Jährige: „Ich habe das auch gehört, aber das ist nicht wichtig für mich. Ich bin hier, und ich will arbeiten.“ Zur vollständigen Wahrheit gehört auch, dass Koné in der Rückrunde der Vorsaison seiner Fitness, dann der Form hinterherlief – und nur noch einen Treffer erzielte. Und dass ihn Fiel wegen einer Disziplinlosigkeit für eine Partie aus dem Kader strich.

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Wie schnelllebig das Geschäft ist, beweist das Beispiel Haris Duljevic, der am Sonntag nach dem Sieg seine Ex-Mitspieler in der Kabine besuchte. Gerade als sich der Bosnier in Dresden eingelebt zu haben schien, wechselte er in die erste französische Liga – für rund drei Millionen Euro.

Wirklich alles scheint derzeit also möglich zu sein. Nur überrascht sein muss man nicht, wenn Dynamo in den nächsten Tagen doch noch einen Transfer abwickelt. Spannend ist allein, wie der Abgang heißt.

Alexander Jeremejeff: Den schwedischen Nationalspieler hat Dynamo vor einer Woche verpflichtet – dem Vernehmen nach für eine Million Euro Ablöse. Der 25-Jährige, der einen Vertrag bis 2022 unterschrieb, traf gleich im ersten Spiel.
Alexander Jeremejeff: Den schwedischen Nationalspieler hat Dynamo vor einer Woche verpflichtet – dem Vernehmen nach für eine Million Euro Ablöse. Der 25-Jährige, der einen Vertrag bis 2022 unterschrieb, traf gleich im ersten Spiel. © Robert Michael/dpa
Moussa Koné: Sein Transfer im Januar 2018 sorgte für Aufsehen. Ablöse zahlt Dynamo ungern, Summen über zwei Millionen Euro vorher noch nie. Erhielt einen Vertrag bis 2022 – und erfüllte zunächst die hohen Erwartungen.
Moussa Koné: Sein Transfer im Januar 2018 sorgte für Aufsehen. Ablöse zahlt Dynamo ungern, Summen über zwei Millionen Euro vorher noch nie. Erhielt einen Vertrag bis 2022 – und erfüllte zunächst die hohen Erwartungen. © Robert Michael/dpa
Osman Atilgan: Der 20-Jährige war im Wintertrainingslager der Vorsaison die Entdeckung des damaligen Trainers Maik Walpurgis – und erzielte im ersten Zweitligaspiel gleich sein erstes Tor. Sein Vertrag ist bis 2021 datiert.
Osman Atilgan: Der 20-Jährige war im Wintertrainingslager der Vorsaison die Entdeckung des damaligen Trainers Maik Walpurgis – und erzielte im ersten Zweitligaspiel gleich sein erstes Tor. Sein Vertrag ist bis 2021 datiert. © Robert Michael/dpa
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Lucas Röser: Er ist der Edelreservist. Spielt selten bis nie, trifft aber doch sehr häufig – wenn er dann mal spielen darf. Der Vertrag des 25-Jährigen läuft am Saisonende aus. Angebote von Drittligisten hat er bislang abgeblockt. © Robert Michael/dpa
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Vasil Kusej: Gilt als das Versprechen auf eine große Zukunft, allerdings nun auch schon seit ein paar Jahren. Das Profidebüt des 19-jährigen Tschechen mit Vertrag bis 2022 lässt auf sich warten, sein Durchbruch erst recht. © Robert Michael/dpa
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Luka Stor: Auch er kam vor einer Woche – und hat einen Vertrag bis 2023 unterschrieben. Dass Dynamo für den slowenischen U-21-Nationalspieler eine Ablöse zahlte, darf als Beleg für seine Qualität gelten.   © Robert Michael/dpa

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