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Seelenwaschtag

Wir sind reinliche Menschen. Wir waschen unsere Autos und bringen sie regelmäßig zum TÜV, damit sie funktionieren. Ab und zu entrümpeln wir Boden, Keller oder Abstellkammer. Zähneputzen und Körperhygiene wird uns schon im Kleinkindalter beigebracht und wir geben dies an unsere Kinder weiter.

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Wir sind reinliche Menschen. Wir waschen unsere Autos und bringen sie regelmäßig zum TÜV, damit sie funktionieren. Ab und zu entrümpeln wir Boden, Keller oder Abstellkammer. Zähneputzen und Körperhygiene wird uns schon im Kleinkindalter beigebracht und wir geben dies an unsere Kinder weiter. Funktioniert unser Körper nicht richtig, gibt es für jeden Bereich einen Profi, der sich des Problems annimmt. Unser Äußeres ist uns wichtig, weil es deutlich wahrnehmbar ist. Wie sieht es aus mit unserem „Inneren“? Tagtäglich werden wir konfrontiert mit Meldungen, die unsere Anteilnahme erreichen wollen. Wir sehen und hören Belastendes. Manchmal erfahren wir Ablehnung und möchten uns zur Wehr setzen – wir sind verletzlich. Andererseits wissen wir um unseren eigenen „inneren Schweinehund“, der manchmal schwer zu bändigen ist. Es gibt Spannungen in der Beziehung zwischen Menschen, die sich eigentlich mögen. Da kann sich viel ansammeln. Wie werden wir das los? Wie können wir sicherstellen, dass unsere Seele weiterhin und dauerhaft „funktioniert“ und den Belastungen standhält? Ersatzteile dafür gibt es nicht. Also wäre doch gerade hier eine regelmäßige Pflege angebracht! Im jüdischen Glauben gibt es den Versöhnungstag. Menschen ziehen sich zurück und überdenken ihr Inneres. Im alten Israel wurden die Verfehlungen des ganzen Volkes in einem Ritual symbolisch einem „Sündenbock“ aufgeladen; Der wurde dann damit „in die Wüste geschickt“. Wir feiern nächste Woche den Buß- und Bettag. Vielleicht wissen viele mit dieser Bezeichnung nichts mehr anzufangen. Eine Hilfe wäre, ihn zu verstehen als eine Gelegenheit der Einkehr bei sich selbst: Um dort einmal zu entrümpeln, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Es ist ein Tag zur Besinnung. Für diesen „Seelenwaschtag“ haben wir sogar frei.