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Seenland könnte Gewinner der Krise sein

Beim Tourismusverband ist man sehr optimistisch, gleichzeitig drücken bekannte und neue Sorgen.

Alles neu: Faltkarte, Malheft, Ansichtskarten und Untersetzer.
Alles neu: Faltkarte, Malheft, Ansichtskarten und Untersetzer. © Foto: Uwe Schulz

Lausitzer Seenland. Urlaub in Deutschland ist die Urlaubsempfehlung des Jahres 2020. Fernziele sind momentan unerreichbar, Nordlandfahrer und Großbritannien-Touristen sind ebenfalls betroffen. Und der Trip in den europäischen Süden ist je nach Ort und Situation zumindest risikobehaftet. Kann man letztlich überhaupt reisen, ploppt irgendwo der nächste Tönnies-Fall auf?

Der länderübergreifende Tourismusverband Lausitzer Seenland hat auf der Autobahn der Destinationen jedenfalls gerade links geblinkt und setzt zum Überholen an. Marcus Heberle, Vize-Geschäftsführer des in Senftenberg ansässigen Verbandes, übt sich erst gar nicht in Bescheidenheit: „Langfristig kann das Lausitzer Seenland ein Gewinner der Corona-Krise sein.“

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Die Mitarbeiter des Verbandes haben dramatische Wochen hinter sich. Kurzarbeit, Homeoffice, Weiterbildungen, Pflege von Datenbanken, gleichzeitig nicht enden wollende Anfragen, Stornierungen, Umbuchungen, Rücknahmen von Stornierungen, verschiedene Coronaregelungen in fünf Landkreisen und zwei Bundesländern beachten. Und jetzt wieder voll durchstarten. In Brandenburg sind schon Ferien, Sachsen ist erst spät im Juli dran. Und in ganz Deutschland suchen die Menschen nach Urlaubszielen. Gern doch mit Wasser.

Zunehmendes Medieninteresse

Bei den Anfragen merken die Touristiker jetzt: „Das Thema Corona ist seit zwei Wochen durch. Die Leute wollen jetzt Urlaub machen“. Es geht um Aktivtourismus und um Camper, vor allem Wohnmobil-Besitzer. Also versucht man zu lenken. Und man bedient die zahlreichen Medienanfragen. Große Sender wie die ARD und andere kommen für Reportagen ebenso vorbei, wie Blogger und Journalisten von Printmedien. Europas größte künstliche Seenlandschaft lockt. Endlose asphaltierte Radwege, herrliche Wasserflächen, zumal wenn sie so türkisfarben sind wie derzeit der Partwitzer See – das passt alles wunderbar.

Und man kann auf wenigen Kilometer Entfernung zwischen dem aktiven Tagebau Welzow und den Seen die Dramatik des Wandels in der Lausitz sehen, begreifen, erleben. Deshalb setzt der Tourismusverband nicht nur auf den Slogan „Hier taucht Glück auf“, sondern erzählt auch die Geschichte „Vom Bergmann zum Seemann“. Damit will man nicht zuletzt auch die Lausitzer ermuntern, die Angebote in ihrer Heimat zu nutzen. „Das ist unsere authentische Geschichte“, sagt Heberle.

Aus Mitteln des Lausitzbeauftragten des Landes Brandenburg wurden mehrere Merchandising-Produkte entwickelt. Die Motive sind schwarze Strichzeichnungen auf weißem Grund, perfekt zum Ausmalen und doch nicht so holzschnittartig wie man das von früheren Kinderausmalheften kennt. Man sieht Bergbaumotive und erkennt die markanten Bauwerke des Seenlandes. Szenen von Aktivurlaubern wechseln sich mit Naturmotiven ab. Die Krabat-Sage kommt ebenso vor wie die Gartenstadt Marga. Ein Ausmalheft, Ansichtskarten zum Verschicken oder Behalten und Bierdeckel wurden gedruckt. Letztere sollen an Gastronomen an den touristischen Hotspots verteilt werden, sagte Marcus Heberle vor den Mitgliedern des Zweckverbands Lausitzer Seenland Sachsen dieser Tage. Und man weiß, dass man ordentliche Stückzahlen wird nachdrucken müssen.

Die Malbücher sollen Gaststätten für die kleinen Gäste zur Verfügung gestellt und auch an Schulen verteilt werden. Im Landkreis Bautzen sollen es die Dritt- und Viertklässler bekommen, im Landkreis Görlitz ist man noch im Gespräch. Und die Motive finden sich auch noch andernorts, zum Beispiel auf der Plane eines privaten Autoanhängers und an einer Wand des oberen Parkdecks des Parkhauses in der Senftenberger Innenstadt.

Der Einzugsbereich des Tourismusverbandes ist groß. Sehr gut ist das auf der neuen Urlaubskarte zu sehen, die im letzten Winter entwickelt und gedruckt wurde. Von Lauchhammer im Westen bis nach Bad Muskau im Osten, vom Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft im Süden bis nach Guben im Norden reicht mittlerweile das Gebiet. Es umfasst die Seenkette nördlich von Hoyerswerda ebenso wie die Neiße bei Forst. Die Energieroute Lausitzer Industriekultur mit elf Originalschauplätzen ist ebenso vermerkt, wie die großen Radwanderwege Niederlausitzer Bergbautour, Spreeradweg und Oder-Neiße-Radweg. Etliche Ziele wie die Jakubzburg Mortka, das Besucherbergwerk F60, die Steinitzer Treppe, diverse Schlösser und Museen sind ebenso rot markiert wie lohnende Aussichtspunkte.

Es fehlt an Unterkünften

Alles eitel Sonnenschein? Nein. Das Lausitzer Seenland hat jetzt schon zu wenig Unterkünfte und Ganzjahresangebote. Insofern beobachten die Touristiker sehr aufmerksam, dass die Interessenbekundungen für das geplante Ferienhausgebiet am Sedlitzer See so toll läuft. Auch wenn das natürlich erst etwas für die nächsten Jahre ist, der See frühestens 2023 fertiggestellt ist. Laut Heberle habe auch gute Karten, wer sich etwas einfallen lässt, um Gäste auch in der kühlen Jahreszeit anzuziehen. Insbesondere nannte er dabei den „Leuchtturm“ in Geierswalde. Doch die größten Sorgen bereitet die Gastronomie. Marcus Heberle weiß: „Unseren Gastronomen ging es in der Coronaphase nicht gut und ich meine, es geht ihnen auch jetzt noch nicht gut.“ Gleichzeitig hofft er, dass möglichst viele diese schweren Zeiten durchhalten.

Mitarbeiter sind das höchste Gut

Es ist nicht neu, dass gastronomische Angebote hier und da fehlen, andererseits existierende Betriebe zu kämpfen haben. Man hört von Personalmangel. Besser gesagt, mangelt es an Personal, das gut geschult und mit Seele dabei ist. Der Tourismusverband bekam den Hinweis, sich des Themas Nachwuchsförderung anzunehmen. Es gehe aber auch um konkurrenzfähige Entlohnung und attraktivere Rahmenbedingungen. Bautzens Landrat Michael Harig, Vorsitzender des Zweckverbandes LSS, betonte, dass die Mitarbeiter das höchste Gut sind, das Firmen haben und man auf ausländische Kräfte angewiesen ist. Gleichzeitig appellierte er an die Allgemeinheit: Wo vor allem geklagt und gejammert werde, da gehe keiner gerne hin. „Wir sind gehalten, offen und transparent zu sein. Wenn man jetzt sonntags an der B 96 Reichskriegsflaggen sieht, dann greifen sich viele Menschen nur an den Kopf. So etwas schadet uns, gerade im Dreiländereck.“

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