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Seestern überlebt Corona mit blauem Auge

Ferdinand Hepper hat mit seiner Bar am Olbersdorfer See eine schwere Saison. Jetzt will er sie verlängern. Auch bei anderen am See läuft nicht alles wie es soll.

Ferdinand "Heppy" Hepper in seiner Strandbar am Olbersdorfer See.
Ferdinand "Heppy" Hepper in seiner Strandbar am Olbersdorfer See. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Von Benjamin Pohl

An diesem späten Augusttag ist es ziemlich stürmisch am Olbersdorfer See. Auch der hartnäckigste Badegast schlägt da am späten Nachmittag lieber den Heimweg ein. Und Ferdinand Hepper vom Seestern sitzt ziemlich alleine in einem der Liegestühle in seiner Cocktail-Bar. Auch nebenan im Restaurant "Captain Hook" ist gerade nicht viel los. 

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War's das jetzt mit der Saison am O-See? Ferdinand Hepper zuckt mit den Schultern: "Wer sitzt bei diesem Wetter schon gern an der Bar, mietet ein Volleyballfeld oder fährt eine Runde Tretboot?" Dennoch ist der Inhaber des Seesterns wie immer gut drauf. "Heppy", wie den 35-Jährigen hier alle nennen, betreibt seine Cocktailbar an der See-Promenade schon seit acht Jahren.

In diesem Jahr fehlen ihm zwei Monate. Zwei wichtige. Von März bis Mai musste die Bar wie alle anderen auch coronabedingt geschlossen bleiben. Aber danach hat er sich um so mehr ins Zeug gelegt. "Wir hatten viel Glück mit dem Wetter", sagt er, "die vielen Touristen, die im eigenen Land geblieben sind, waren sehr sehr wichtig für uns". 

Aber sein Geschäft musste Hepper dennoch beschränken. So ließen die Corona-Regeln viel weniger Gäste als gewöhnlich zu. Auch die Vermietung von Volleyballnetzen und Tretbooten war anfangs nicht möglich. "Beim Volleyball sollten die Spieler der einzelnen Mannschaften jeweils einen Meter Abstand zum Netz halten. Kann mir mal jemand erklären, wie man da Volleyball spielen soll?"

Aller drei Stunden Toiletten desinfizieren

Die ganzen Hygienemaßnahmen senken nicht nur die Einnahmen. Dass die Toiletten aller drei Stunden desinfiziert werden müssen, kostet auch noch einmal extra. Genau wie die Spuckschutz-Scheiben an der Bar. Zudem musste der Seestern von Mehrweggläsern auf biologisch abbaubare Becher und Pappstrohhalme umstellen. 

"Das muss man ja alles mit einkalkulieren", erklärt Heppy. "Die Leute haben die Angebote trotzdem super angenommen. Wir haben im Vorhinein die Tretboote neu lackiert und die Stand-Up-Paddles aufgestockt". Und gerade die Nachfrage nach letzteren ging diesen Sommer besonders durch die Decke: "Wir hatten super viele Gäste aus allen Altersgruppen, die sich die Boards ausgeliehen haben", sagt er.

"Die zwei Monate Zwangsschließzeit sind trotzdem nicht aufzuholen, das geht einfach nicht", erklärt der junge Geschäftsmann. Bis zum 1. Juli durfte Hepper auch keine Events veranstalten. Erst danach, mit den aktualisierten Corona-Auflagen, konnte er wieder die beliebten "After-Work-Partys" anbieten. "Das war wieder ein großer Erfolg, wie in den Vorjahren, könnte man fast sagen", freut sich Heppy. Sein Dank geht auch an die Gäste, die sich an die Regeln gehalten haben.

Ebenso lobt er die gute Zusammenarbeit mit René Dreier und Steffen Roy, den Chefs des anliegenden Campingplatzes, und Ralph Grohmann, dem Leiter von Captain Hook gleich neben seinem Seestern. Auch bei Heppys "Nachbarn" lief nicht alles nach dem Lockdown wieder so, wie es soll. "Wir haben keine Feiern und auch keine Lieferungen außer Haus gehabt, es gab ja keine Familienfeiern", erklärt Grohmann. "Die vielen Touristen im Camp und allgemein im Zittauer Gebirge haben uns aber sehr geholfen." Keiner seiner Mitarbeiter habe um seinen Job fürchten müssen.

Zwei fehlende Monate sind nicht aufzuholen

Das "SeeCamping" von René Dreier und Steffen Roydas zu Sachsens beliebtestem Campingplatz gehört, hatte auch Glück im Unglück. Ab Mitte Mai strömten die Campinggäste nur so zum Olbersdorfer See. Aufgrund der Hygienemaßnahmen in den sanitären Anlagen konnte der Campingplatz aber nicht so ausgelastet werden, wie eigentlich geplant. Die Gästezahl wurde von maximal 750 Personen auf 550 begrenzt, um Staus an der Rezeption und den Toiletten zu vermeiden.

Dadurch war das Camp auch immer wieder ausgebucht. Bis zum 23. August waren alle Plätze schon reserviert. "Manche, die sich spontan für einen Urlaub in der Heimat entschieden haben, mussten wir leider weiterschicken", erzählt Dreier. "Ob die Saison gut gelaufen ist, können wir erst nach Ende Oktober sagen", erklärt er. "Die zwei fehlenden Monate sind aber nicht aufzuholen".

"Wir sind alle mit einem blauen Auge davongekommen", erklärt Heppy am Seestern, "Zwei Monate länger und das wäre für uns eine totale Katastrophe geworden". Aufgrund der beiden fehlenden Monate möchte er die Saison nach hinten raus verlängern. "Man muss sich immer wieder neu erfinden", sagt der 35-Jährige. Er habe viele Ideen im Kopf, unter anderem möchte er die Lounge verändern, um auch an kälteren Tagen die Bar betreiben zu können. Die Bar hat er auch schon ausmessen lassen, um zu schauen, was alles möglich ist. "Was genau wir machen, steht aber noch nicht fest".

Spätestens im nächsten Sommer wird es aber definitiv weitergehen. "Jeder versucht hier seit der Wiedereröffnung alles zu geben, um den Leuten was zu bieten".

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