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Seetragik als Abschiedsgruß

Andreas Herrmann über die aktuelle Theaterwoche.

Mit Dea Loher zum Abschied: Vermutlich ist „Am schwarzen See“ die letzte Regiearbeit von Stephan Bestier am Zittauer Theater. Der gebürtige Wolgaster des Jahrgangs 1983 kam 2009 als Schauspieler ins Eck und brilliert derzeit vor allem als Cabaret-Conferencier. Nun geht er im Sommer freiwillig – ein normaler Akt an deutschen Wanderbühnen – verbunden mit der seltsamen Attitüde, dass stets genau dort immer neu mentale Eingewöhnung geübt werden muss, wo eigentlich sensible Aufklärung der Volksseele nottäte. Auch stete öffentliche Wiederholung machen den Spruch, dass jeder ersetzbar sei, nicht wahrer.

So schmerzt Bestiers Abgang den Oberlausitzer Theaterfreund ähnlich wie der Weggang von Publikumsliebling Stefan Sieh – auch wegen seiner Regiearbeiten (jüngst: „Eine Sommernacht“) mit etlichen Kooperationen zwischen Ensemble und Jugendclub. Zum Abschied serviert er am Freitag auf der Hinterbühne eine sechs Jahre frische Tragödie von Schuld und Sühne, erzählt am Treffen von zwei Ehepaaren, die eine finstere Nacht samt Unglück vor vier Jahren verbindet.

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Am Sonnabend erlebt das Görlitzer Apollo hingegen eine echte Musicalpremiere mit dem packenden Titel: „Die letzten fünf Jahre“. Dabei geht es aber nur um Liebe im Theaterumfeld, der Schriftsteller Jamie hat als Muse bei Muße seine Schauspielerin Cathy. Der Scherz beim Liebesliederabend in Regie von Beatrice Müller: Er erinnert sich rein chronologisch, sie nur rückwärtsgewandt. Mal sehen, ob sie sich treffen.

Und sonst so? Gregor kommt ins Senftenberger Theater. Aber nicht Kafkas Samsa, sondern jener Gysi, der seinen linken Kampf per Autobiografie drohend verarbeitet hat: „Ein Leben ist zu wenig“.

Damit rockt er am Mittwoch per Lesung plus Gespräch mit Intendant Manuel Soubeyrand die Neue Bühne – und weil der Saal schon lange rappelvoll ist, verkauft das Theater für die Liveübertragung in die Studiobühne noch Karten (für 4,50 als halben Livepreis). Warum das hier erwähnt wird? Es ist ein urst zukunftsträchtiges Format – also, liebe Lausitzer Dramaturgen, kümmert Euch!