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Segler müssen mehr Rücksicht auf Vögel nehmen

In diesem Sommer wird das Segelrevier auf dem Berzdorfer See eingeschränkt. Schuld ist eine Ente.

Von Sebastian Beutler

Sie gehören zu den Entenarten, sind ziemlich verbreitet, brüten aber selten, in Sachsen gibt es lediglich 15 Brutpaare. Und sie stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten: die Gänsesäger. Am Berzdorfer See, so haben Vogelkundler beobachtet, fühlen sich diese Tiere aber wohl. Bis zu 100 dieser Enten halten sich hier auf. Zwischen Juli und September peilen sie das Westufer des Sees an, um hier zu mausern. Damit sie das in aller Ruhe tun können, werden die Segler in diesem Jahr auf ein Sechstel ihres Reviers verzichten müssen. Ihnen stehen dann noch knapp 500 Hektar zum Bootfahren zur Verfügung.

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© dpa

Als diese Information am Montagabend im Planungsverband bekannt wurde, war die Aufregung bei den Seglern groß. Manfred Dahms von den Lausitzer Wassersportfreunden findet die vergrößerte Schutzzone „übertrieben“. Seit zwei Monaten seien die Segler mit den Vogelkundlern im Gespräch. Und dann lege die Untere Naturschutzbehörde einfach fest. Matthias Fiebig von den Seglern des Schönauer Sportvereins war genauso überrascht von dem neu festgelegten Segelrevier. „Dann kann niemand mehr am Schiffsanleger Kleinneundorfer Weingarten festmachen, und die Blaue Lagune ist auch abgeschnitten für Boote und Segler“, sagt er. Doch der Geschäftsführer des Planungsverbandes, Andreas Schaaf, sieht kaum noch Möglichkeiten, „an der Sache etwas zu rütteln.“

Was Schaaf in der öffentlichen Sitzung des Planungsverbandes verschwieg: Mit der Festlegung für die Segler in diesem Jahr wird der Verband beauftragt, ein Vogel-Monitoring durchzuführen. Das bestätigt Peter Müller, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis, der SZ. Für ihn ist 2014 ein Übergangsjahr. Deshalb entschied sich die Behörde für einen doppelten Kompromiss. „Zum einen hatten die Naturschützer eine weitaus größere Schutzzone gefordert als wir sie festlegen wollen“, sagt Müller. „Zum anderen erwarten wir uns von dem Monitoring Erkenntnisse, wie die Wasservögel über das Jahr am See leben.“ Diese Daten werden mit der Schutzzone verglichen und dann wird sich zeigen, ob die Maßnahme nötig ist. Dadurch können Entscheidungen für die kommenden Jahre mit größerer Gewissheit getroffen werden. Ähnlich geht die Naturschutzbehörde auch am Bärwalder See vor. Der Kreis nimmt damit auf die Tatsache Rücksicht, dass sich der Wasservogelbestand am Berzdorfer See in den vergangenen drei, vier Jahren „dramatisch positiv entwickelt“ hat. Der See ist sachsenweit mittlerweile ein bedeutender Brut- und Rastplatz, an dem Tausende Gänse auch den Winter überstehen. Dass die Tiere den See für sich entdeckt haben, liegt an der beschaulichen Entwicklung des Terrains. „Der See ist ein extrem beruhigtes Gewässer“, sagt Müller. „Das ist attraktiv.“

Bei all der Aufregung um die Größe des Segelreviers ist die gute Nachricht auch gleich noch mit untergegangen: Die Genehmigung für die Segler wird pünktlich zum geplanten Start am 18. April vorliegen. Genau dieser Zeitplan war im vergangenen Jahr zum Problem geworden.