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Sehnen nach Witz und Gefühl

Erik Schneider ist begeistert. Seit Monaten lässt der Ansturm der Besucher auf sein Kino nicht nach. „Die Leute sind nach dem Hochwasser wie ausgehungert“, schildert der Leiter des Filmpalastes Pirna. Besonders am Wochenende bildeten sich an der Kasse lange Schlangen enthusiastischer Filmfans.

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Von Torsten Loschke

Erik Schneider ist begeistert. Seit Monaten lässt der Ansturm der Besucher auf sein Kino nicht nach. „Die Leute sind nach dem Hochwasser wie ausgehungert“, schildert der Leiter des Filmpalastes Pirna. Besonders am Wochenende bildeten sich an der Kasse lange Schlangen enthusiastischer Filmfans. Viele wollten Verpasstes endlich nachholen. Denn im vom Hochwasser stark getroffenen Kino auf der Gartenstraße war ein Spielbetrieb lange Zeit unmöglich. In drei Sälen stand das Wasser, auch die technische Einrichtung wurde zerstört. „Alles war weg. Die weitere Existenz des Kinos hing an einem seidenen Faden“, erinnert sich Schneider. Nachdem er das Filmtheater zuletzt 1993 umgestaltet habe, sei es frustrierend gewesen, schon wieder von vorn anzufangen. Doch dank der Unterstützung der Stadt und vieler freiwilliger Helfer wagten Schneider und sein Team den Wiederaufbau. Schon am 14. November 2002 konnte Wiedereröffnung gefeiert werden. Dank des guten Filmangebots in der Weihnachtszeit gelang den Kinoleuten nach der Hochwasserkatastrophe ein guter Neustart. Die Fantasyklassiker „Harry Potter 2“ und „Der Herr der Ringe 2“ ließen die Kinokasse wochenlang kräftig klingeln.

Inzwischen ist von den Schäden der Flut nichts mehr zu sehen. Der Filmpalast Pirna erstrahlt in frischen Farben. Besonders stolz ist Erik Schneider auf den neugestalteten Eingangsbereich. „Er ist viel freizügiger geworden und kommt gut bei den Besuchern an.“ Für eine zweite Kasse, die den Besucherandrang abfedern könnte, sei leider kein Platz mehr gewesen. Bis auf einige Restarbeiten sei die Renovierung des Filmpalastes nun abgeschlossen.

Für eine große Überraschung sorgte der Mitte Februar angelaufene Film „Good bye, Lenin“. Seinetwegen drängen sich in diesen Tagen noch mehr Besucher am Eingang des Pirnaer Kinos. Erik Schneider ist völlig überwältigt von dem Zuspruch, den die Komödie erfahren hat. Das Faszinierende sei für ihn, dass der Film alle Altersstufen anspricht. „Besonders ältere Leute, die seit Jahren nicht mehr im Kino waren, kommen jetzt in Scharen“, freut er sich. Und sieht eine in vielen Jahren Kinoarbeit gewachsene Einschätzung bestätigt: „Wenn ein Film gut läuft, dann spricht sich das rum. Das ist viel effektiver als teure Werbung.“

Wie aber erklärt sich der Kinofachmann den großen Erfolg von „Good bye, Lenin“ bei den Pirnaern? „Der Film trifft den Nerv der Zeit. Er hat den notwendigen Anstand und ist seriös gemacht. 13 Jahre nach der Wende haben die Menschen genug Abstand gewonnen, um befreit darüber lachen zu können.“ Vor ein paar Jahren wäre er nicht so gut gelaufen, ist sich Erik Schneider sicher. Einen deutlichen Trend sieht er darin, dass die Pirnaer derzeit im Kino vor allem Witz und große Gefühle sehen wollen. Daher auch der Andrang zu Filmen wie „Good bye, Lenin“ oder der Hochstaplerkomödie „Catch me, if you can“. Primitive Action sei beim hiesigen Publikum dagegen nicht angesagt.

Mit zahlreichen Angeboten versucht das Pirnaer Kino derweil den Zuschauerstrom nicht abreißen zu lassen. Als Teil der Cinestar-Kette eröffnen sich ihm dabei ganz neue Werbemöglichkeiten. Zurzeit seien die 40 000 verteilten Flyer mit Gutscheinen der absolute Renner. Welche Filme des Jahres 2003 das Zeug zum Kassenschlager haben, wagt Erik Schneider nicht vorherzusagen. Die Vorlaufzeit seines Kinos sei einfach zu kurz. Nur so viel ist für ihn sicher: „Den richtigen Riecher hat immer das Publikum.“