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Sehnsucht nach dem Happy End

Dynamo punktet – die Konkurrenz im Abstiegskampf aber auch. Trotzdem ist Dresden weiter beseelt vom Glauben.

© Robert Michael

Von Tino Meyer

Das Unentschieden vom Freitag ist doch eine gute Sache. Dass es am Ende 0:0 hieß, widerspiegelt zwar weder die wenigen, dafür guten Chancen für Energie Cottbus und erst recht nicht Dynamo Dresdens immensen Aufwand sowie den unbedingten Siegeswillen. Weil das eine das andere aber in etwa aufwiegt, kann man das torlose Remis im Ostduell gewiss als gerecht bezeichnen. „Mit dem Ergebnis können beide Mannschaften ...“, sagt Energie-Trainer Jörg Böhme, stockt kurz – und korrigiert sich: „... müssen beide Mannschaften leben.“

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Wirklich geholfen hat das 0:0 nur den Cottbusern. In der Lausitz wissen sie jetzt endgültig, woran sie sind. Nämlich, und Torhüter René Renno kann die Situation mit drei Worten ausdrücken: „im Prinzip abgeschrieben.“ Energie habe keiner mehr auf dem Zettel, sagt Renno – und lächelt.

Aufgeben, soll die Mimik wohl heißen, wird hier trotzdem niemand freiwillig. Mittelfeldspieler Stiven Rivic spricht von starken Charakteren im Team, Angreifer Mathias Fetsch vom intakten Glauben. Doch Präsident Ulrich Lepsch ahnt angesichts der enttäuschenden Leistung sowie des Vier-Punkte-Rückstands auf Dynamo und damit den Relegationsrang, wie die nächsten Wochen verlaufen: „Es sind immer weniger Spiele, immer weniger Chancen. Und irgendwann ist es vorbei.“

Schwerer hat es Fußball-Dresden. Was soll man nun anfangen mit dem sage und schreibe 25. Nicht-Sieg in 29 Spielen? Robert Koch zuckt mit den Schultern. Doch verzweifelt ist er nicht, wie der zurück in die Anfangself rotierte Dynamo-Stürmer nach dem 16. Remis insgesamt und dem vierten hintereinander betont.

„Enttäuscht ist das richtige Wort. Wir haben gekämpft, haben uns Chancen erarbeitet, waren die bessere Mannschaft. Doch das ganze Gerede von Woche zu Woche nervt langsam“, sagt er und entwickelt in der schweren Stunde so etwas wie Mitgefühl für Journalisten. „Ihr wisst nicht mehr, was ihr fragen sollt. Und wir wissen nicht, was wir noch antworten können.“ Dabei stellt sich nur die eine Frage, die inzwischen offenbar selbst Daueroptimisten wie Olaf Janßen rätseln lässt.

Regelmäßig lässt er Toreschießen üben, regelmäßig „zappelt der Ball im Netz“, wie der Trainer sagt. Wieso das mit dem Treffen im Spiel aber nicht funktioniert? Allgemeine Ratlosigkeit. „Es muss uns jetzt einfach gelingen, das Tor zu erzwingen. Denn meine Meinung ist: Wir kommen nur mit Siegen da unten raus“, beendet Koch die Diskussionen. Nicht quatschen, sondern machen – das ist das Gebot der Stunde. Und vor allem nicht verzagen.

„Das Leben“, meint nämlich Sport-Vorstand Ralf Minge fast schon philosophisch, „belohnt immer zeitverzögert“. Die guten Taten, und solche habe er nicht erst in Cottbus genügend gesehen, werden eben nicht sofort honoriert. Vom Klassenerhalt sind sie bei Dynamo jedenfalls nach wie vor restlos überzeugt. Kapitän Romain Bregerie hat sicherheitshalber nachgerechnet. „Wir glauben immer daran. Auch mit Mathematik ist der direkte Klassenerhalt noch möglich“, sagt er in Bezug auf die fünf letzten Spieltage.

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Tatsächlich ist Platz 15, den Verteidiger Thorsten Schulz mit der Sehnsucht nach dem Happy End beschreibt, realistisch. Dass am Wochenende bis auf Bielefeld und Frankfurt alle Konkurrenten gepunktet haben, ist dabei nebensächlich. Ausschlaggebend sind die drei Heimspiele. Die müssen gewonnen werden. Und dazu benötigt Dynamo einen Sieg in der Fremde, egal ob in Aue oder Kaiserslautern. Wenn es dann trotzdem nicht reichen sollte, meint Bregerie, „dann spielen wir eben doch Relegation und schaffen es wie letztes Jahr.“