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Neuanfang in Seifersdorf

Das Leben ihrer Familie war völlig aus den Fugen. Dennoch hat Susanne Beger 1945 eine schöne Schuleinführung erlebt. Sie erzählt.

Susanne Beger erinnert sich an ihre Schuleinführung 1945 in Seifersdorf, eine Zeit, die man sich heute kaum noch vorstellen kann..
Susanne Beger erinnert sich an ihre Schuleinführung 1945 in Seifersdorf, eine Zeit, die man sich heute kaum noch vorstellen kann.. © Karl-Ludwig Oberthuer

Zwei Wochen dauern die Schulferien noch. Die Familien der Abc-Schützen sind jetzt schon dabei, die Feste zum Schulanfang vorzubereiten, meist sind es herrliche Familienfeiern. Eine Schuleinführung ganz anderer Art hat Susanne Beger im Dippoldiswalder Ortsteil Seifersdorf erlebt, als sie 1945 zur Schule kam. Sie muss sich konzentrieren, aber kann sich durchaus noch erinnern.

Das Leben ihrer Familie war damals völlig aus den Fugen, wobei sich ihre Mutter alle Mühe gegeben hat, ihrer Tochter dennoch einen schönen Schulanfang zu bereiten. „Sie war Friseurin und hat mir eine wunderschöne Frisur gemacht“, erzählt Susanne Beger. Zur Schuleinführung gab es eine Feier in der Kirche und anschließend hat der damalige Schulleiter Walter Geißler in der Schule eine Ansprache gehalten. „Das Wichtigste war mir aber die Zuckertüte“, sagt Frau Beger. Auch hier hatte die Mutti viel organisiert. Es war ja in der damaligen Notzeit nicht einfach, Süßigkeiten zu besorgen. Und eine eindrucksvolle Größe hatte die Tüte ja, wie ein Erinnerungsfoto beweist.

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Das war aber alles nicht selbstverständlich. Die Eltern von Susanne Beger haben bis zum Krieg in Breslau (Wroclaw) gelebt. Der Vater hatte eine Bäckerei, die Mutter hat in einem Friseurgeschäft gearbeitet. Nachdem der Krieg begonnen hatte, wurde ihr Vater zur Wehrmacht eingezogen, worauf die Bäckerei geschlossen wurde. Dann erlitt der Vater eine Kriegsverletzung und kam nach Seifersdorf ins Lazarett, dort, wo heute das Pflegeheim ist.

Die Bombennacht in Dresden miterlebt

Mutter und Tochter haben ihn von Breslau aus besucht. So kam das kleine Mädchen zum ersten Mal in das Dorf, das ihr später zur Heimat wurde. „Wir haben damals im Gasthof Erbgericht gewohnt, der im vergangenen Jahr zusammengefallen ist“, erzählt Frau Beger. Und sie haben bei diesem Besuch eine Frau kennengelernt. „Tante Else habe ich sie immer genannt. Die stammte auch aus dem Schlesischen.“ Wie wichtig die für sie noch werden sollte, ahnte die Familie noch nicht, als sie nach Schlesien zurückkehrte.

Denn als sie 1945 aus Breslau vertrieben wurden, stand für sie schnell fest, dass sie wieder nach Seifersdorf gehen. Zuerst hatten sie noch Station in Dresden gemacht, wo sie die Bombennacht des 13. Februar miterleben mussten. „Das hat sich mir ins Herz eingebrannt“, sagt Susanne Beger. In dem Durcheinander danach haben sie  von Milch-Martin erfahren, der aus Seifersdorf täglich Milch nach Dresden geliefert hat. Mit seinem Fahrzeug konnten sie dann mitfahren, aus der Stadt heraus. Und in Seifersdorf sind sie wieder bei Tante Else gelandet.

Auch wenn die Umstände 1945 äußerst schwierig waren, hat ihre Mutti Susanne Beger für den Schulanfang hübsch herausgeputzt und eine große Zuckertüte organisiert. .
Auch wenn die Umstände 1945 äußerst schwierig waren, hat ihre Mutti Susanne Beger für den Schulanfang hübsch herausgeputzt und eine große Zuckertüte organisiert. . © Archiv Familie Beger

Seifersdorfer waren sehr hilfsbereit

Der Vater war noch im Krieg. „Wir haben anfangs auf Strohsäcken geschlafen, hier einen Topf bekommen und da etwas anderes. Die Seifersdorfer waren sehr hilfsbereit“, erinnert sich Susanne Beger. Sie zeigt auf die Pendeluhr an der Wand. Auch die haben sie damals bekommen. Ihre Mutter hat sich mit Arbeiten als Friseurin im Dorf etwas verdient. Als ihr Vater aus dem Krieg zurückkam, musste er erst im Bergbau arbeiten. „Wir haben ihn damals jede Woche zum Zug gebracht.“ Später hat er eine Bäckerei in Karsdorf übernommen.

Kleidung hat ihre Mutter selbst genäht, und wenn der kleinen Susanne die Strümpfe zu kurz wurden, hat die Mutti oben etwas angestückelt. So ist auch das Kleid zum Schulanfang entstanden. Die Mutter hatte sogar einen Lederschulranzen aufgetrieben. In dem war die Schiefertafel untergebracht und an der Seite hingen ein Schwamm und ein Lappen herunter, um die Tafel abzuwischen.

Die Schüler saßen damals in Seifersdorf noch ein Vierreihen in Bänken. „Ich war aber ein sehr lebhaftes Kind. Einmal weiß ich noch, dass ich über die Bänke gegangen bin und der Lehrer hinterher. Da gab es dann auch Schläge“, erinnert sich Susanne Beger. Auch ihre Mutter war streng. Sie bestand darauf, dass ihre Susi erst einmal das Geschirr abtrocknete, obwohl von draußen schon die anderen Kinder riefen: Komm, spielen!

Sie war eine mittelmäßige Schülerin. Deswegen ist sie auch nach der 8. Klasse aus der Schule gegangen. Das hätte sie nicht gemusst. Denn 1953 wurden gerade die 9. und 10. Klasse eingeführt. Aber sie hat lieber im Krankenhaus in Dippoldiswalde eine Ausbildung als Hilfsschwester angefangen. Später hat sie ihren Mann Christoph geheiratet, selbst eine Tochter und einen Sohn geboren und inzwischen auch erwachsene Enkel. Schuleinführung steht in der Familie momentan aber keine in Aussicht. 

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