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Seifhennersdorfer Schule droht das Aus

Für eine fünfte Klasse liegen nur sechs Anmeldungen vor. An anderen Einrichtungen wird wegen zu viel Zuspruchs gelost.

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© dpa

Von Matthias Klaus

Die Eltern im alten Kreis Löbau-Zittau haben sich entschieden, die Anmeldezahlen für die öffentlichen Oberschulen und Gymnasien liegen vor. Die Überraschungen halten sich in Grenzen. Für die Seifhennersdorfer Oberschule allerdings sieht es düster aus – zumindest nach derzeitigem Stand der Dinge. Im vergangenen Jahr meldeten noch elf Eltern ihre Sprösslinge für eine fünfte Klasse an, dieses Jahr sind es nur sechs. „Aus jetziger Sicht kann keine fünfte Klasse gebildet werden“, so Michaela Bausch, Sprecherin der Sächsischen Bildungsagentur in Chemnitz. In den nächsten Tagen werde deshalb eine „Anhörung zum Mitwirkungsentzug“ durch das Kultusministerium versendet. Das heißt etwa, keine Unterstützung durch Lehrkräfte seitens des Freistaates.

Karin Berndt Bürgermeisterin Seifhennersdorf
Karin Berndt Bürgermeisterin Seifhennersdorf

Karin Berndt, parteilose Bürgermeisterin von Seifhennersdorf, hat Verständnis für die Eltern, die ihre Kinder nicht an der Oberschule anmelden. „Es gibt einfach noch keine Rechtssicherheit“, ärgert sie sich. Laut den jüngsten Entscheidungen aus Karlsruhe müsse der Sächsische Rechtsweg zum Thema Schulnetzplan ausgeschöpft werden. „Solange es da noch keine Entscheidung gibt ...“ Frau Berndt zuckt mit den Schultern. Die Bürgermeisterin sieht die neuen Zahlen aber weder als Aus für eine staatliche noch für eine Freie Schule in der Oberlandstadt. „Es steht mir natürlich nicht zu, ein Gericht zur Eile zu mahnen“, sagt sie. Dennoch, sobald es rechtliche Sicherheit zugunsten Seifhennersdorfs gebe, ist Frau Berndt überzeugt, würden sich auch die Anmeldezahlen ganz anders darstellen. „Die Schule wäre wieder belebt. Ich befürworte immer noch eine Gemeinschaftsschule mit dem Gymnasium“, sagt Karin Berndt. Am Standort Seifhennersdorf gebe es dafür beste Voraussetzungen. Während es an der Oberschule Seifhennersdorf eben wegen der unsicheren Situation an Anmeldezahlen mangelt, können sich die Nachbarn ringsum nicht beklagen. Die Oberschulen Oderwitz und Ebersbach beispielsweise verzeichnen kräftige Zuwächse. Zumindest in Oderwitz möchte dies Schulleiter Bernd Runge gegenüber der SZ aber nicht kommentieren. Er verweist auf die Bildungsagentur.

Neben einer staatlichen Schule ist in Seifhennersdorf inzwischen eine Freie im Gespräch. „Die Unterlagen liegen bei der Bildungsagentur“, sagt Elternsprecherin Andrea Urban. Der zugehörige Verein dürfe derweil keine Anmeldungen von Eltern für Schüler einer künftigen Klasse annehmen. „Das geht nur bei einer genehmigten Schule“, so Andrea Urban. Das Genehmigungsverfahren für eine Freie Schule in Seifhennersdorf laufe, sagt sie. „Die Antragsformulare zur Gründung einer Freien Mittelschule wurden am 28. Februar bei der Sächsischen Bildungsagentur abgegeben“, bestätigt Behördensprecherin Michaela Bausch. Allerdings gebe es einen Haken: Die Unterlagen seien immer noch unvollständig. Deshalb habe die Bildungsagentur die Frist zur Abgabe bis Ende März verlängert.

Während die Oberschule in Seifhennersdorf zu wenige Anmeldezahlen verzeichnet, kann sich das Löbauer Geschwister-Scholl-Gymnasium über Interesse nicht beklagen. 127 Anmeldungen liegen vor – das ist der Spitzenplatz in der Oberlausitz. Schulleiter Dr. Dietmar Stephan macht dafür vor allem die Zweigleisigkeit der Ausbildung verantwortlich. „Der Regelschulplan auf der einen Seite und die mathematisch-naturwissenschaftliche Vertiefung auf der anderen“, sagt er. Dies gebe es ansonsten nicht in der Region, erst wieder in Dresden, Chemnitz, Leipzig. Am Löbauer Gymnasium lernen daher nicht nur Schüler aus der unmittelbaren Umgebung, sondern auch aus Zittau, Bautzen, Görlitz. „Natürlich spielt auch die zentrale Lage Löbaus eine Rolle, die guten verkehrstechnischen Anbindungen“, sagt Dietmar Stephan. Dennoch, ohne den speziellen Lehrplan, das engagierte Kollegium, den guten baulichen Zustand stünde die Einrichtung wohl nicht da, wo sie heute ist. Der vertiefte mathematisch-naturwissenschaftliche Unterricht, so Stephan, bereite die Abiturienten gezielt auf Studiengänge in den Ingenieurwissenschaften vor. „Und damit werden sie danach auch gefragte Fachkräfte“, sagt er. Pläne für das Gymnasium hat der Schulleiter auch noch in der Tasche: eine neue Sporthalle. „Wir hoffen, dass der Fördermittelbescheid noch in diesem oder Anfang des nächsten Jahres kommt. Dann geht es los“, sagt Stephan.

In der Stadt Zittau muss inzwischen wieder einmal der Lostopf über die Plätze an den drei Oberschulen entscheiden. Die Parkschule, direkt am Stadtring gelegen, verzeichnet die meisten Anmeldungen – wieder einmal. Dies war auch in den vergangenen Jahren der Fall. „Deshalb wird es mit Sicherheit wieder ein Losverfahren geben“, sagt Volker Beer. Er ist der Leiter des Referates Schulen, Sport, Kinder und Jugend in der Zittauer Stadtverwaltung. Das große Interesse an der Parkschule liege nicht daran, dass die beiden anderen Oberschulen schlechter arbeiten, betont er. Es gebe mehrere Ursachen.

„Beispielsweise ist da natürlich die sehr günstige Verkehrsanbindung der Parkschule“, so der Referatsleiter. Zentrumsnah und mit Bushaltestellen quasi vor der Haustür geht es fast nicht besser. Mit Blick vor allem auf die Weinauschule habe es bereits Gespräche zum Thema Verkehr mit dem Landkreis gegeben. „Bislang gibt es aber noch kein Ergebnis“, bedauert Volker Beer. Dennoch, auch die beiden anderen Oberschulen sind mit den Anmeldezahlen zufrieden, weiß der Mitarbeiter in der Zittauer Stadtverwaltung.