merken

Seit 20 Jahren Vollversorger

1994 haben die Stadtwerke die Stromversorgung übernommen. Die Startbedingungen waren schlecht.

Von Jens Hoyer

Anzeige
Mit Oppacher gelassen losradeln

Eine ausgedehnte Fahrradtour ist fabelhaft – wenn sie gut vorbereitet ist.

Die Stadtwerke werden in diesem Jahr in den Hochwasserschutz investieren. Sechs Trafostationen im Stadtgebiet werden umgebaut, die Technik auf 1,50 Meter Höhe nach oben genommen. Vor 20 Jahren, als die Stadtwerke die Stromversorgung übernahmen, ging es noch um ganz andere Dimensionen.

Ganz reibungslos ist das nicht abgegangen, denn die Anlagen gehörten damals noch dem Energieversorger WESAG. Stadtwerkechef Reinhard Zerge steuerte gestern bei einer kleinen Feierstunde ein paar Anekdoten bei. Etwa die von dem Versuch, mit einer Überrumplung das Schalthaus am Umspannwerk Stockhausener Weg zu übernehmen. Zerge hatten bei einer Beratung mit Vertretern der WESAG einen Scheck über 600 000 Mark dabei, „Den habe ich auf den Tisch gepackt und gesagt, jetzt gehört das Schalthaus uns“, erzählte er grinsend. „Die Beratung hat noch eineinhalb Minuten gedauert. Das war die Zeit, bis wir wieder draußen waren.“

„Die Stimmung bei der WESAG war extrem schlecht“, sagte Zerge. Geklappt hat es am Ende trotzdem. Am 1. Februar 1994 übernahmen die Stadtwerke die Stromversorgung in Döbeln. Fünf Monate später waren dann die Netze sauber getrennt, die Umstellung des Mittelspannungsnetzes von 15 000 auf 20 000 Volt abgeschlossen und 13 Millionen Mark in die Entflechtung investiert. Die Stadtwerke waren nun „Vollversorger“. Gas und Fernwärme hatte die Firma schon seit 1991 geliefert. Der Unternehmenswert ist seitdem enorm gestiegen, sagte Zerge. Von seinerzeit etwa 25 Millionen Mark auf heute etwa 35 Millionen Euro. Im Laufe der Jahre seien etwa 60 Millionen Euro investiert worden.

Der Startbedingungen waren nicht die besten. Anfang der 90er Jahre krachten zwölf Strom-Großkunden in der Innenstadt weg, weil die Betriebe stillgelegt wurden, sagte Zerge. „Wir konnten nicht in riesigen Zuwächsen schwelgen.“ Die Gewerbegebiete entwickelten sich, wenn auch nicht so, wie gedacht. „Dort war doppelt so viel Leistung angemeldet worden, wie dann tatsächlich benötigt wurde.“

Heute setzen die Stadtwerke etwa 86 Millionen Kilowattstunden Elektroenergie pro Jahr ab. Mehr als ein Viertel, nämlich 27 Prozent, wird vor Ort erzeugt. Fast 200 Photovoltaik-Anlagen produzieren Ökostrom – etwa sechs Millionen Kilowattstunden im Jahr. Mehrere Windkraftanlagen und vor allem die Blockheizkraftwerke der Stadtwerke liefern den Großteil der selbst erzeugten Elektroenergie.

Ende 1995 hatten die Stadtwerke das Blockheizkraftwerk in Döbeln Nord in Betrieb genommen. Die Gasmotoren waren nach den Vornamen von drei Mitarbeiterinnen der Stadtwerke mit Simone eins bis drei bezeichnet. Die schweren Maschinen sollten das Wohngebiet Döbeln Nord mit Wärme versorgen. Heute dröhnen nur noch zwei kleinere „Simones“ im Maschinenhaus, denn der Wärmeverbrauch ist auf weniger als ein Drittel des Bedarfs von damals zurückgegangen „Daran sieht man, was wärmegedämmt und abgerissen wurde. Wir mussten sehen, wie wir aus diesem Geschäft noch mit einem kleinen Plus herauskommen“, sagte Zerge.

Der Ursprung der Stadtwerke liegt in Döbeln Nord. Die Dampfumformerstation für das gerade entstehende Wohngebiet war 1983 in Betrieb gegangen. Sie war als erste auf die Stadtwerke übertragen worden. Der Dampf kam seinerzeit per Fernleitung aus der Zuckerfabrik. Heute ist das Gebäude ein Heizhaus. In den vergangenen Wochen hatte der Energieversorger etwa 100 000 Euro in den Umbau gesteckt. Eine Lagerhalle wurde angebaut und der ehemalige Bürotrakt umgestaltet. Die Feierstunde gestern fand im neuen Veranstaltungsraum statt, der künftig für Versammlungen, Weiterbildungen und Kurse genutzt und dafür auch vermietet werden kann. So will sich die Wohnungsgenossenschaft Fortschritt für Bewohnertreffen und Gesundheitskurse einmieten. „Nur für Familienveranstaltungen werden wir die Räume nicht anbieten“, sagte Zerge,“

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.