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Selbst Geschaffenes wertschätzt man mehr

Der Steinitzer Jugendklub ist dank der Initiative „Hoch vom Sofa“ von Grund auf renoviert worden.

Von Andreas Kirschke
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Viel Eigeninitiative regte sich im Steinitzer Jugendklub. Antje Dolzmann (19) vom Jugendklub und Steffen Münster (44) vom Dachverein Steinitzer Jugend e. V. freuen sich unter anderem über die neue Küche.
Viel Eigeninitiative regte sich im Steinitzer Jugendklub. Antje Dolzmann (19) vom Jugendklub und Steffen Münster (44) vom Dachverein Steinitzer Jugend e. V. freuen sich unter anderem über die neue Küche. © Foto: Andreas Kirschke

Steinitz. Licht flutet den großen Raum. Die Wände im Steinitzer Jugendklub muten einladend, hell und freundlich an. Die Küche ist nagelneu eingebaut. Fußboden, Wände und Ausstattung sind erneuert, ebenso die Elektroleitungen und die Heizkörper. „Wir haben schon die ersten Pizza-Abende in der neuen Küche erlebt“, freut sich Antje Dolz-mann (19), Verantwortliche des Steinitzer Jugendklubs, über die fertige Grundsanierung. Die Idee kam von Steffen Münster. Der 44-Jährige ging früher selbst im Jugendklub ein und aus. Seit der Gründung 2004 des Dachvereins Steinitzer Jugend e. V. ist er dessen Vorsitzender.

Nach über 20 Jahren war’s mal fällig

„Mitte April 2019 las ich von der Aktion «Hoch vom Sofa». Start des Projekts war am 17. April. Es ist eine Initiative der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung in Kooperation mit dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz“, erläutert er. Das Programm „Hoch vom Sofa“ soll Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren ermuntern, sich einzumischen – im Dorf, in der Stadt oder im Viertel. Gefragt sind Ideen, mit denen vor der eigenen Haustür etwas verändert und gestaltet werden kann. Unterstützt von lokalen Partnern setzen dabei Jugendliche eigene Projekte um und prägen ihre Nachbarschaft mit. Die Erfahrung, selbst etwas in ihrer Umgebung zu verändern, stärkt das Selbstvertrauen der Jugendlichen und eröffnet ihnen neue Freiräume.

Durch einen Flyer, der im Gemeindeamt Lohsa auslag, wurde Steffen Münster fündig. Der Jugendklub, so erzählt er, liegt in Steinitz seit jeher mitten im Ort. 1999 entstand an dieser Stelle am Sportplatz ein Vereinshaus. Es dient bis heute als Treff für die Fußballer und für die Jugendlichen. „Nach über 20 Jahren war eine Grundsanierung fällig – vor allem im Innenbereich. Das nahmen wir uns schon lange vor“, sagt der Vorsitzende des Jugendvereins. „Vor allem ging es uns darum, die jüngeren Jugendlichen zu motivieren. Sie sollten Verantwortung übernehmen und selbst zupacken.“

Gesagt, getan. Die Jugendlichen sorgten zunächst für die gründliche Entkernung. Sie entfernten die alte Tapete. Einwohner wie Antje Witzel-Korch, seit vielen Jahren im Jugendverein aktiv, unterstützten sie dabei. Die Jugendlichen entfernten die alte Bar. Sie räumten Tische, Stühle und Couch aus. Daraufhin folgten die Handwerker. Sie erneuerten den Fußboden. Sie sorgten für frischen Innen- und Außenputz.

Die Gemeinde Lohsa mit Bürgermeister Thomas Leberecht sowie Katrin Reinhardt und Torsten Heider unterstützten das Vorhaben begleitend. Handwerker, Helfer und Sponsoren direkt aus dem Ort brachten sich rege mit ein. „Ihnen allen gilt von Herzen Dank“, unterstreichen Antje Dolzmann und Steffen Münster. „Besonderer Dank gilt Sozialarbeiter Torsten Kluge. Er begleitete seitens der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung das Vorhaben als Projektkoordinator.“

Wie zu Hause im Wohnzimmer

Einschließlich aller Eigenleistungen flossen rund 8.000 Euro in die Sanierung des Jugendklubs. Der Verein Steinitzer Jugend brachte 1.000 Euro als Eigenanteil auf. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung steuerte 2.000 Euro bei. Von den Geldern wurden der neue Fernseher, die Küche mit Kühlschrank, der Couchtisch sowie die Innen-Ausstattung mit Lampen, Gardinen und Dekoration beschafft. Die Gemeinde Lohsa gab 2.500 Euro aus ihrem Haushalt „Bereich Jugendklubs“ für das Vorhaben dazu. Rund 2.500 Euro brachten Sponsoren und Helfer auf. Am vierten Advent, am 22. Dezember des vergangenen Jahres, feierten die Jugendlichen mit einem „Wichtel-Dankeschön“ die Wiedereinweihung des Jugendklubs. Staunen und Raunen zog durch die Räume. „Das ist ja wie zu Hause im Wohnzimmer“, staunten Steinitzer Einwohner damals anerkennend.

Im jetzigen Frühjahr anno 2020 sollen die Arbeiten weitergehen. Die Jugendlichen wollen noch die Fassade des Hauses sowie die Sitzecke mit Überdachung streichen. Dort soll ebenfalls neues Mobiliar aufgestellt werden.

Nachwuchs ist auch hier gesucht

Vielfältig kann der große Raum künftig genutzt werden. Hier können Jugendliche gemeinsam kochen und feiern. Hier können sie Spiele-Abende verleben. Hier können sie Geburtstage und Jubiläen feiern. Regelmäßig nimmt der Jugendklub Verantwortung wahr. Zum Beispiel organisiert er das Hexenbrennen im Ort. Beim jährlichen Steinitzer Pfingstfest hilft er beim Aufbau, Abbau, Ausschank, Parkplätze-Einweisen und bei weiteren Aufgaben im Gelände. Gemeinsam mit der älteren erfahrenen Steinitzer Jugend fährt der Jugendklub zum Rosenmontags-Umzug des Wittichenauer Karnevals mit. Der erste Advent im Jahr ist gesetzt. An diesem Tag lädt der Steinitzer Jugendklub die Einwohner stets zum Wichteln ein. Das kommt gut an. Der Abend stärkt die Gemeinschaft und den Zusammenhalt im Ort.

Der Abend baut Brücken zwischen Jung und Alt im Dorf. „Gerade der Jugendklub mit den Zwölf- bis 18-Jährigen ist unsere nächste Generation, die das Pfingstfest organisiert. Wir wollen sie frühzeitig und Schritt für Schritt heranführen“, sagt Steffen Münster. „Bei der jetzigen Größe und Vielfalt des Pfingstfestes brauchen wir immer wieder Nachwuchs.“

Derzeit kommen regelmäßig 13 Jugendliche in den Klub. Sie sind zwischen zwölf und 19 Jahre jung. Aus Steinitz, Koblenz, Groß Särchen, Wartha und Litschen kommen sie. Freitags, sonnabends und sonntags ab 18 Uhr treffen sie sich. Weitere tatkräftige unternehmungsfreudige Mitstreiter sind willkommen.

Beispielwirkung für Lohsa

Inzwischen findet die Grundsanierung des Steinitzer Jugendklubs Nachahmer. Denn auch der Jugendklub Lohsa hat sich beim Projekt „Hoch vom Sofa“ beworben. „Wir danken allen, die uns so zuverlässig und rege unterstützt haben“, unterstreicht Antje Dolzmann zusammenfassend.

Der Vereinsvorsitzende Steffen Münster, der unter anderem die Heizkörper sponsorte, baute mit Steffen Jank und André Lodni die neue Küche des Küchenstudios Oeser aus Groß Särchen ein. Matthias Wilke aus Lohsa sorgte für den Innen- und Außenputz und den neuen Fußboden. Elektriker Karl-Heinz Weiß aus Steinitz installierte die Leitungen und die Anschlüsse im Jugendklub. Klempner Hartmut Wuschick aus Steinitz schloss die neuen Heizkörper an und sorgte für den Wasser-Anschluss in der Küche. Malermeister Thomas Belger aus Lohsa stellte für den Klub frische Farbe bereit. Die Jugendlichen selbst kümmerten sich ums Streichen. „Das Ergebnis im Ganzen kann sich sehen lassen“, freut sich Steffen Münster mit Antje Dolzmann über das Gesamt-Ergebnis.

„Jeder kommt jetzt noch engagierter hierher. Etwas selbst Geschaffenes weckt mehr Achtung und Respekt bei den Jugendlichen. Etwas selbst Geschaffenes wertschätzen sie mehr.“