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Bald noch mehr SB-Kassen in Dresden?

Bei Simmel, Rewe und Ikea gibt es sie schon. Ziehen Aldi und Lidl in Dresden bald nach?

Für Melida Böhm ist der Umgang mit den Selbstbedienungskassen im Simmel-Markt kein Problem.
Für Melida Böhm ist der Umgang mit den Selbstbedienungskassen im Simmel-Markt kein Problem. © Sven Ellger

Dresden. Es gibt sie im Simmel, im Rewe und auch bei Ikea in Dresden: Selbstbedienungskassen. Wie gut kommen sie wirklich an und welche Dresdner Läden wollen die Kassen noch einführen?

Schon seit Jahren gibt es die SB-Kassen im Simmel am Albertplatz. Wer maximal zehn Artikel im Korb hat, ist an den Automatikkassen richtig, kann man darauf lesen. Martin Fiedler, Assistent der Geschäftsleitung, bestätigt: Genau so soll das sein, denn wer zehn bis maximal 20 Artikel einkauft, ist an den Selbstbedienungskassen schneller als an einer Kasse mit einem Mitarbeiter des Geschäfts.

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Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass nicht alle Artikel eingescannt werden können. Manchmal müssen die Kunden auf einem Bildschirm suchen, was sie gekauft haben und bezahlen wollen. Das ist zum Beispiel bei Backwaren und Gemüse der Fall. 

Da will der Automat, der letztlich ein Computer ist, genau wissen, welche Sorte im Korb liegt. „Wir haben das vereinfacht und das Tableau auf das Wesentlichste beschränkt“, erklärt Fiedler, wie die Simmel-Verantwortlichen dafür sorgen wollen, dass die Kunden keine Lebensmittelexperten sein müssen, um die richtige Taste zu finden. 

Das heißt, Warengruppen wurden zusammengefasst. Jetzt gibt es dort zum Beispiel weniger Brötchen als früher, ohne dass das Angebot eingeschränkt wurde. Körnerbrötchen, Dinkelbrötchen und Roggenbrötchen haben jetzt denselben Preis, erklärt Fiedler. Und sind sie damit gleich ein bisschen teurer geworden? „Nein“, versichert der Simmel-Mitarbeiter, „wir haben eine Mischkalkulation“. Das soll heißen: Die Preise wurden angepasst, manche sind etwas gestiegen, andere gefallen. Insgesamt sei es „eher günstiger“ geworden.

Etwa die Hälfte aller Kunden bezahlt an den Selbstbedienungskassen, „Tendenz stark steigend“, beschreibt Chef Peter Simmel deren Akzeptanz. Eine Waage, auf die die eingescannten Artikel gelegt werden müssen, prüft das Gewicht und ermittelt so, ob es sich um das eben registrierte Produkt handelt. Eine Kamera hat das Geschehen stets im Fokus, zusätzlich steht ein Mitarbeiter bereit, der hilft und die Kunden ständig im Blick behält. Nein, die Zahl der Ladendiebstähle sei durch die Selbstbedienungskassen nicht gestiegen, sagt Peter Simmel.

Zahl der SB-Kassen um fast 60 Prozent erhöht

Es gibt aber auch Defizite: Wenn man beispielsweise Bier oder Wein kauft, braucht es zur Bezahlung das Okay eines Mitarbeiters, dass der Kunde volljährig ist. Gleiches gilt für reduzierte Artikel. Auch muss ein Mitarbeiter dazu kommen.

Doch es gibt längst nicht in allen Läden diese Art der Bezahlung. Aldi und Lidl plant aktuell nicht, sie in Dresden einzuführen, schreiben die Unternehmen auf SZ-Anfrage. Selbstbedienungskassen haben in Deutschland immer noch Seltenheitswert. Von den knapp eine Million Kassen im Einzelhandel waren Mitte 2019 nach einer Studie des Handelsforschungsinstituts EHI gerade einmal 4.760 SB-Kassen, an denen der Kunde selbst scannen und bezahlen konnte. Gegenüber dem Stand 2017 hat sich die Zahl der Selbstbedienungskassen damit aber um fast 60 Prozent erhöht. 

Viele Verbraucher sähen die Selbstbedienungskassen noch immer mit gemischten Gefühlen, sagte EHI-Experte Cetin Acar. Sie machten sich Sorgen, durch die Nutzung der Kassen Arbeitsplätze im Handel zu gefährden. Auch die Angst, an den modernen Kassen etwas falsch zu machen, sei weit verbreitet.

Bereits Selbstzahlerkassen eingeführt hat Netto in Dresden. Seit Sommer 2017 zogen nach eigenen Angaben des Unternehmens Expresskassen in ausgewählte Netto-Filialen ein. In Dresden gibt es sie in den Filialen Großenhainer Straße, Nürnberger Straße, Dürerstraße, Gerichtsstraße, und im Felix-Dahn-Weg. „Die Nutzung unserer Netto-Expresskassen steht ganz im Sinne der Kundenfreundlichkeit und wird von unseren Kunden sehr positiv angenommen“, beteuert das Unternehmen. Diese sollen längere Wartezeiten umgehen.

Bei Rewe gibt es in Dresden sieben Filialen mit SB-Kassen: auf der Enderstraße, Kesselsdorfer Straße, Schweriner Straße, Bautzner Straße, Straßburger Platz, Prager Straße und Wallstraße. Auf die Frage, ob noch mehr solcher Kassen geplant sind, antwortet das Unternehmen: „Wir entscheiden punktuell über die zusätzliche Installation. An hochfrequentierten Standorten gibt es oft eine hohe Nachfrage, um den Einkauf schneller bezahlen zu können“.

Bei Ikea im Elbepark gibt es die SB-Kassen seit Jahren und laut Unternehmen werden diese gut angenommen von allen Altersgruppen. Auch der Diebstahl habe nicht signifikant zugenommen: „Unsere Erfahrungen zeigen auch, dass die Kunden sehr korrekt und genau die Artikel scannen“, erklärt Ikea. Genauere Zahlen dazu lieferte das Unternehmen nicht. (mit dpa)

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