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Dippoldiswalde

Selectrona ist raus aus der Insolvenz 

Vor anderthalb Jahren hatte das Unternehmen ein Sorgenkind, das ihn in Schwierigkeiten gebracht hat. Davon hat es sich jetzt befreit.

Herbert Bender und Walte Gebert sind für die Geschicke der Selectrona GmbH in Dippoldiswalde verantwortlich.
Herbert Bender und Walte Gebert sind für die Geschicke der Selectrona GmbH in Dippoldiswalde verantwortlich. © Karl-Ludwig Oberthuer

Herbert Bender, der technische Leiter der Selectrona GmbH im Gewerbegebiet Reinholdshain in Dippoldiswalde, dreht einen schwarzen Zylinder aus Kunststoff in seinen Händen. Kleine Kupferlaschen ragen heraus, Metallstege blinken. Das Teil hat doppelt Bedeutung für das Unternehmen. Es ist Hightech, die als Kontrolleinheit in einen Automotor eingebaut wird, und zeigt die Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Es hat aber mit Anlaufschwierigkeiten zu Beginn seiner Produktion das Unternehmen Selectrona in die Insolvenz getrieben. Das war vor anderthalb Jahren. Inzwischen läuft die Produktion der Kontrolleinheit rund, und auch die Selectrona kann wieder befreit in die Zukunft gehen.

Das Insolvenzverfahren wird beendet, das hat das Amtsgericht Dresden im Januar entschieden. Das Unternehmen läuft weiter, und mit Walter Gebert ist ein neuer Mann an die Spitze gerückt. Er und der technische Leiter Herbert Bender erklären im Gespräch mit sächsische.de die Zukunftsaussichten von Selectrona.

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Der neue Kopf an der Spitze

Der 55-jährige Walter Gebert hat Wirtschaftsingenieur studiert, ist gebürtiger Bayer und kennt die Automobilzulieferbranche und im Speziellen die Kunststoffverarbeitung seit vielen Jahren. Seit 2005 arbeitet er schon für den Unternehmensverbund der „Söhner Group“, aus der auch die Selectrona hervorgegangen ist. Erst leitete er deren Standort in den USA, wechselte 2008 an den Söhner-Stammsitz nach Schwaigern bei Heilbronn und ist seit 2016 für die Selectrona tätig. Er arbeitete erst im Hintergrund und war für das Controlling zuständig. Mit Beginn des Insolvenzverfahrens wurde er auch operativ tätig und übernahm diesen Januar die Geschäftsführung zusammen mit dem Fachanwalt Jörg Spies aus Dresden. Helmuth Rauscher, der im Herbst als Geschäftsführer antrat, ist von dieser Funktion wieder abberufen worden.

Die Selectrona ist jetzt auch wieder näher an die Söhner Group herangerückt. Eigentümer des Unternehmens ist die Walter Söhner Technologieberatung, die dem Vater von Steffen Söhner gehört. Dieser, der frühere Gesellschafter und Geschäftsführer, ist bei der Selectrona nur noch im Beirat vertreten.

„Wir haben uns wieder auf unsere eigenen Stärken mit unserer qualifizierten Belegschaft besonnen“, sagt Bender. Wenn Selectrona ein Teil wie die Kontrolleinheit in die Produktion nimmt, baut das Unternehmen zusammen mit Maschinenbaufirmen dafür eine eigene kleine Fabrik, in der mehrere Arbeitsgänge automatisch laufen und ineinander greifen. Bender zählt auf, welche Technologien nötig sind, damit die Kontrolleinheit entsteht. „Stanzen, Widerstandsschweißen, Stromführung, Kunststoffspritzen. Die Komplexität dieses Bauteils wurde am Anfang unterschätzt, auch vom Hersteller der Anlage. Inzwischen haben wir das aber in den Griff bekommen.“

Die Maschine läuft jetzt zufriedenstellend und bringt auch Geld ein. So hat Selectrona trotz Insolvenz im vergangenen Jahr den Umsatz des Vorjahres gehalten, rund 75 Millionen Euro.

Nun will Selectrona einige Aufgaben aufarbeiten, für die während der Insolvenz keine Zeit war. „Wir wollen das Thema Ausbildung und Qualifizierung unserer Mitarbeiter wieder mehr in den Vordergrund stellen“, sagt Walter Gebert. Derzeit sind von den 400 Mitarbeiter gut 40 Auszubildende. Diese Zahl soll wieder steigen.

Dann sucht das Unternehmen nach Lösungen für Auslaufprodukte, die in früheren Jahren in großen Stückzahlen hergestellt wurden. Heute können sie die großen automatischen Anlagen, die einst speziell für sie aufgestellt wurden, nicht mehr auslasten. „Die sind dann nur noch einen Tag in Betrieb“, sagt Gebert. So sind Produkte, die einst für die Dieseltechnik ins Programm genommen wurden, von der Nachfrage her stark eingebrochen. Weiter ist geplant, Aufgaben, die früher aus dem Unternehmen ausgelagert wurden, wieder ins Haus zu holen.

Die zwei Seiten der Autoindustrie

Rund 90 Prozent des Umsatzes kommen bei der Selectrona aus der Automobilindustrie. Das bedeutet einerseits eine starke Abhängigkeit von dieser Branche. Das würde die neue Geschäftsleitung mit Blick auf den Umbruch in der Fahrzeugherstellung gerne ändern. „70 Prozent Automotive wären gut“, sagt Gebert. Andererseits ist gerade dort das technische Können der Selectrona-Mitarbeiter gefragt. Die Verbindung von Metall und Kunststoff, wie sie in elektronischen Bauteilen der Fahrzeugindustrie gebraucht wird, ist eine Spezialität des Betriebs. Bender ist zuversichtlich, dass die Selectrona auch bei der Entwicklung weg vom Verbrennungsmotor ihre Stelle behält. Teile für Elektromotoren machen einen erheblichen Anteil der Produktion aus. Und die werden auch in Autos ohne Verbrennungsmotor gebraucht.

An ihren drei Standorten hält die Selectrona fest. Der Hauptsitz mit der automatisierten Produktion, Verwaltung, Werkzeugbau und Ausbildung bleibt Reinholdshain. Im Werk in Schlottwitz werden Produkte mit einem gewissen Anteil an Handarbeit hergestellt und im tschechischen Košt'any nahe Teplice steht die Handarbeit im Vordergrund.  "Pläne, ein Zweigwerk in Vietnam zu errichten, sind komplett eingestellt“, sagt Gebert. Er ist nun zuversichtlich, ohne die Bürde der Insolvenz die Selectrona wieder zu dem erfolgreichen Unternehmen zu machen, das es in früheren Jahren schon einmal war. 

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