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Seltene Spielpraxis

Dynamo kann gegen Halle nicht viel ausprobieren, aber für einen war der Test besonders wichtig.

© Matthias Rietschel

Von Sven Geisler

Für einen war das Spiel tatsächlich ein Härtetest. „Keine Probleme, alles gut“, sagt Philip Heise danach. Dynamos Linksverteidiger hat beim 1:0-Sieg gegen den Halleschen FC sein Comeback gegeben. Der Muskelfaserriss im linken Oberschenkel, den er sich im Training zugezogen hatte, ist auskuriert. „Dreieinhalb Wochen Pause – das reicht. Ich freue mich einfach, wieder auf dem Platz zu stehen “, meint der 26-Jährige. „Für mich war es sehr gut, 45 Minuten lang an der Spielpraxis zu arbeiten. Das war heute das Ziel.“

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Unter diesem Gesichtspunkt hat die Partie gegen den Drittligisten ihren Zweck auch für einige andere erfüllt, die zuletzt selten bis gar nicht gespielt haben. Aus der Not, dass außer den länger Verletzten gleich neun Spieler nicht zur Verfügung standen, hat der Trainer eine Tugend gemacht. Uwe Neuhaus ließ alle mindestens 45 Minuten ran, gab den beiden 18 Jahre alten Justin Huber im Angriff und Marius Hauptmann auf der linken Seite die Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln.

Alternativen für Einsätze in der zweiten Liga sind sie noch nicht, anders als Markus Schubert. Während der Torwart vorige Saison noch mit den Junioren in der Bundesliga spielen durfte, sitzt er jetzt bei den Profis als Ersatzmann auf der Bank. Obwohl Marvin Schwäbe als Nummer eins gesetzt ist, muss der 19-Jährige jederzeit einsatzbereit sein. Einen wirklichen Aufschluss über seine Form konnte die Partie zwar nicht geben, dazu war der HFC bei allem Bemühen offensiv zu harmlos.

Einmal brachte sich Schubert selbst in Bedrängnis, als er im Spielaufbau einen Fehlpass spielte. „Das habe ich nicht gesehen“, sagt Neuhaus mit einem Augenzwinkern. „Natürlich wäre es mir lieber gewesen, er hätte das anders gelöst. Für ihn ist die Wettkampfpraxis umso wichtiger, weil er sonst wenig dazu kommt.“ Deshalb war es für Schubert eher gut, dass er nicht zur U20-Auswahl durfte. Er war für die Freundschaftsspiele gegen die Niederlande (1:0) und am Montag gegen die Schweiz auf Abruf nominiert, wäre also lediglich als dritter Torhüter geholt worden.

Neuhaus vergleicht Schuberts Situation mit der von Jerome Boateng, der nach Verletzungspause beim Spiel der Nationalelf in Nordirland einige Male ungewohnt unsicher agierte. „Man merkt das immer wieder: Es ist lange her, dass man eine solche Situation lösen musste, die Sicherheit ist noch nicht wieder da. Dafür war die Pause einfach zu lang“, erklärt Dynamos Chefcoach. „Für Schubi ist es ähnlich.“

Seinen bisher einzigen Einsatz in dieser Saison hatte Schubert im DFB-Pokal gegen den Regionalligisten TuS Koblenz, als er die Schwarz-Gelben beim 3:2 mit einem gehaltenen Elfmeter kurz vor Schluss vor der Verlängerung bewahrte. Für Spieler wie ihn war die Future League gedacht. Doch die hat zumindest den regelmäßigen Spielbetrieb nach zwei Jahren eingestellt. „Es wird keine Meisterschaft mit Hin- und Rückspiel geben, sondern eine lockere Runde“, sagt Sportvorstand Ralf Minge. „Die Vereine haben abgesprochen, dass sie bei Bedarf Spiele vereinbaren. Dadurch haben wir eine größere Flexibilität.“

Die Idee war nicht schlecht, in der Praxis aber „ein bisschen Fluch und Segen“, wie Minge meint. Wenn viele Spieler verletzt waren oder in englischen Wochen, waren die festen Termine in der Future League eher eine Belastung. Für Schubert wären diese zehn Einsätze dagegen besonders wertvoll. „Klar muss er sich noch steigern“, sagt Neuhaus, „aber das ist doch kein Problem.“ Auch wenn er selten geprüft wurde, war der Test gegen Halle für Schubert besonders wichtig.