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Es gibt schon Pilze

Die Pilzberater starten in die Saison. Die beginnt in diesem Jahr etwas früher – damit aber auch die Gefahren.

Pilzberater Hoeflich kniet im Naturkundemuseum neben einer Vitrine mit Pilzen. /// Foto: Nikolai Schmidt
Foto: Nikolai Schmidt / nikolaischmidt.de / nikolaischmidt.de
Pilzberater Hoeflich kniet im Naturkundemuseum neben einer Vitrine mit Pilzen. /// Foto: Nikolai Schmidt Foto: Nikolai Schmidt / nikolaischmidt.de / nikolaischmidt.de © nikolaischmidt.de

Die vermeintlichen Champignons waren in Wirklichkeit gar keine. Kleinere Schirmlinge hatte das ältere Ehepaar gefunden. Und die eignen sich keinesfalls für den Kochtopf. Einige Schirmlingsarten sind stark giftig. Dietmar Grünwald, Leiter vom Arbeitskreis der Pilzsachverständigen im Landkreis Görlitz berichtet, dass die Pilzfinder absolut richtig handelten. Denn ihre Fundstücke mit den hellen Kappen landeten kürzlich beim Pilzberater auf dem Tisch. Die haben in dieser Saison schon mehr zu tun, als in den letzten Jahren. In der Vergangenheit kamen die Pilzsammler aufgrund der Dürreperioden kaum auf ihre Kosten. 

„Das ist aktuell anders“, sagt der Görlitzer Dietmar Grünwald. Besonders zeitig zeigten sich die ersten Sommersteinpilze. Schon im Juni wurden Exemplare in den hiesigen Wäldern entdeckt. Üblich sei der Pilzstart bei den Sommersteinpilzen einen Monat später. Bei der jüngsten Pilzexkursion des Arbeitskreises in Herrnhut und Großschweidnitz fanden die Experten seltene Arten wie Milchbrätlinge, Bronzeröhrling und Netzstieligen Hexenröhrling.

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Lieber stehen lassen: der Grünling - ein Pilz der laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zum Tod führen kann.
Lieber stehen lassen: der Grünling - ein Pilz der laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zum Tod führen kann. © Archiv/dpa

„Obwohl es im Wald immer noch sehr trocken ist, gab es 2020 mehr Regen und damit Feuchtigkeit“, begründet Grünwald. Ideale Bedingungen, damit sich die Fruchtkörper aus dem Pilzmyzel entwickeln. Ergiebige Pilzreviere gebe es unter anderem rund um Neißeaue – Kahle Meile und auf den Halden am Berzdorfer See. „Da wurde viel aufgeforstet“, sagt Dietmar Grünwald.

Waldpilze brauchen in der Regel einen Symbiosebaum. „Der Baum versorgt den Pilz“, erklärt der 56-Jährige. Da, wo der Borkenkäfer Fichtenbeständen stark zusetzte und die Nadelbäume abgeholzt werden mussten, sucht man die Schwammerln aktuell vergebens.In den Königshainer Wäldern beispielsweise gibt es solche Kahlflächen, auf denen Marone, Steinpilz, Pfifferling und Co. keine Chance mehr haben. Wobei auch noch ein anderer Faktor dafür sorgen kann, dass der Pilzbestand an einigen Stellen schwächelt. Übereifrige Sammler schneiden selbst die winzigsten Fruchtkörper ab. Dadurch bekommen die Pilze gar nicht erst die Möglichkeit, ihre Sporen zu verteilen und damit für Nachwuchs zu sorgen. „Bedroht ist dadurch unter anderem der Pfifferling“, so Dietmar Grünwald.

Pilzberater Bernd Müller ist für die Sammler einer von drei Ansprechpartnern in der Region.
Pilzberater Bernd Müller ist für die Sammler einer von drei Ansprechpartnern in der Region. © Archivfoto: Constanze Junghanß

Einige beliebte Speisepilze stehen zudem auf der Bundesartenschutzliste. Da ist Sammeln in Maßen statt in Massen angesagt. „Ein Kilogramm pro Tag und Person sind erlaubt“, so der Experte. So oder so gelten Pilze als schwer verdaulich, speichern Schwermetalle und manche Menschen reagieren auf ein gutes Pilzgericht sogar allergisch. Der Safranschirmpilz kann unter anderem Bauchschmerzen verursachen. „Den verträgt nicht jeder“, so der Experte, der deshalb vom Verzehr abrät. Beim Grünling – bis vor 20 Jahren noch als Speisepilz geschätzt – „gab es sogar schon Todesfälle“, warnt Dietmar Grünwald. Auch der Kahle Krempling wurde früher oft gesammelt. Beide Pilze gelten mittlerweile als giftig. 

Pilzfreunde sollten von ihnen die Finger lassen, auch wenn diesen Arten in alten Pilzbüchern noch eine Essbarkeit bescheinigt wird. Deshalb sind die zwölf Pilzberater im Kreisgebiet die richtigen Ansprechpartner für alle diejenigen, die sich über ihre Fundstücke aus dem Wald genauer informieren wollen oder die unsicher sind, was in ihren Körben landete. 

Kleine Bauernwäldchen - der Geheimtipp

Die Markersdorfer Pilzberater Bernd Müller und Wolfgang Henkel gingen jetzt zusammen mit den Kindern vom Waldhort Zodel auf Pilzpirsch. Die Ausbeute war eher mager: „Drei Täublinge haben wir gefunden“, sagt Bernd Müller. Das hat aber noch nichts zu sagen. Denn wie sich die Saison entwickelt, wird sich erst zeigen. Die Hauptsammelzeit der Pilze reicht – je nach Witterung und Art – bis in den Oktober. Einen Tipp hat Müller parat: Gerade die eher kleinen Bauernwäldchen in der Region könnten manchmal ergiebiges Pilzterritorium sein.

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Auch die Pilzberatung im Görlitzer Naturkundemuseum startet jetzt. Ab dem 28. Juli bietet Stefan Hoeflich jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr eine Pilzberatung im Senckenbergmuseum an. Sie ist kostenlos. Die Beratung wendet sich an Sammler, die sich über die Essbarkeit ihrer Funde unsicher sind oder neue Arten kennenlernen möchten. Steffen Hoeflich rät, nur einzelne, typische Pilze zur Pilzberatung mitzubringen und darauf zu achten, dass auch der Pilzfuß dabei ist. Bis zur Beratung sollten die Pilze im Kühlschrank aufbewahrt werden.

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