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Senioren-Residenz statt Arbeiterwohnungen

An der Eichendorffstraße wird ein historisches Haus saniert. Das bringt auch den Älteren in der Stadt Vorteile.

Von Romy Kühr

Hier ist der Schwamm drin. Diese Nachricht brachte die Sanierungspläne für das Gebäude an der Eichendorffstraße/Ecke August-Bebel-Straße ins Wanken. Doch jetzt besteht wieder Hoffnung für das Eck-Gebäude mit dem niedlichen Türmchen. Der Eigentümer, die Palm-Stiftung aus Baden-Württemberg, will es sanieren und barrierefreie Wohnungen einrichten. Vor einigen Wochen war Schwamm entdeckt worden. Eine Prüfung hat ergeben, dass die Sanierung aufgrund der Schäden etwa 1,4 Millionen Euro kosten würde.

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Die Stiftung will es trotzdem angehen und das historische Haus retten. Auch, weil sie nun Fördermittel bekommen kann. Jahrelang hatte sie sich vergeblich um finanzielle Unterstützung bemüht, berichtet Monika Seckler von der Palm-Stiftung. Nun hat der Stadtrat von Ebersbach-Neugersdorf zugestimmt, das Vorhaben mit Geld aus dem Städtebau-Programm zu unterstützen. Aus dem Fördertopf bekommt die Stadt Geld zur Verfügung gestellt, das sie wiederum an Bauherren vor Ort verteilen kann. Die müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen: So müssen die Bauvorhaben in einem festgelegten Sanierungsgebiet liegen. Immer wieder beantragen Private bei einer Sanierung kleinere Summen, schließlich müssen sie auch den entsprechenden Eigenanteil aufbringen. 30 000 Euro bekommt nun die Palm-Stiftung von der Stadt als Finanzspritze für das Bauvorhaben. Zusätzlich unterstützen Bund und Land die Sanierung mit 300 000 Euro.

Damit kann jetzt nicht nur ein weiteres Gebäude vor dem Verfall gerettet werden. Gleichzeitig entsteht neuer Wohnraum für Senioren. Und der ist sehr gefragt in Neugersdorf. Das bestätigt Sabine Strauß, Geschäftsführerin des Kreisverbandes Bautzen der Volkssolidarität. Dieser betreibt auf dem Nachbargrundstück in einer ehemaligen Fabrik seit zehn Jahren eine Wohnanlage für ältere Menschen. „Wir haben immer wieder Nachfragen“, sagt Frau Strauß. Die Wohnanlage ist aber zurzeit voll ausgelastet und kann keine neuen Bewohner mehr aufnehmen.

Der Verband der Volkssolidarität sehe daher durchaus in der Stadt Bedarf an zusätzlichen Wohnungen, die älteren Menschen gerecht werden: zum Beispiel mit einem Aufzug im Haus, ohne Schwellen, mit ebenerdigen Duschen und ähnlicher Ausstattung – und vor allem einem Pflegenotruf. „Wir können uns deshalb als Verband durchaus vorstellen, unsere zusätzlichen Leistungsangebote auch für die künftigen Mieter im Nebenhaus anzubieten“, so Frau Strauß von der Volkssolidarität.

Zu diesen Angeboten gehören zum Beispiel ausgebildete Pfleger, die sich bei Bedarf um die Bewohner kümmern, und Betreuung rund um die Uhr für Pflegebedürftige. Man könne die neuen Mieter auch in die kulturellen Angebote mit einbeziehen, wenn sie das wollen, berichtet Sabine Strauß. In der Wohnanlage der Volkssolidarität gibt es regelmäßig gemeinsame Nachmittage mit Spielen und Musik oder sogar Ausflüge.

Bürgermeisterin Verena Hergenröder (parteilos) begrüßt die Sanierungspläne ebenfalls – auch aus städtebaulicher Sicht. „Es ist eines der wenigen Häuser in dem Straßenzug, die nicht saniert sind“, sagt sie. Nach dem Abriss des Weißen Riesen steht es außerdem genau in der Sichtachse vom Thälmannplatz aus gesehen. „Es wäre begrüßenswert, wenn dort ein schön saniertes Haus steht.“ Das Gebäude ist auch ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte. Es ist als Wohnstätte für Arbeiter des benachbarten Textilbetriebes an der Ernst-Thälmann-Straße gebaut worden.

Das zeige, dass der Fabrikant eine soziale Einstellung hatte und sich um seine Arbeiter kümmerte, so die Bürgermeisterin. Mit einer Seniorenwohnanlage würde das Haus bald wieder einem sozialen Zweck gerecht werden.