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Senioren ziehen in alte Görlitzer Bahnpost

Am Jahresende soll es so weit sein, nachdem die Sanierung länger gedauert hat als gedacht. Zuvor öffnen sich die Türen für alle.

In der alten Bahnpost entsteht gerade ein Seniorenzentrum, das künftig vom Pflegedienst Advita betrieben wird. In der Remise wird die Verwaltung sitzen.
In der alten Bahnpost entsteht gerade ein Seniorenzentrum, das künftig vom Pflegedienst Advita betrieben wird. In der Remise wird die Verwaltung sitzen. © Nikolai Schmidt

Bahnhof den Touristen. Der Marketingleiter des Advita-Pflegedienstes ist mit dem Fotoapparat auf der Baustelle unterwegs: Er dokumentiert den Baufortschritt. Im Erdgeschoss geben sich derzeit die Bauleute die Klinke in die Hand. Trockenbauer, Maler, Fliesenleger und Handwerker anderer Gewerke sind dabei, die alte Post in ein Seniorenzentrum umzubauen. Drei Angebote vereint der Pflegedienst künftig unter einem Dach: eine Tagespflege mit 24 Plätzen, 33 Wohnungen für betreutes Wohnen und zwölf Plätze in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz.

Die Tagespflege, ein Speiseraum sowie eine große Küche, in der das Essen frisch zubereitet wird, finden im Erdgeschoss Platz. Große Fenster lassen viel Licht in das Haus. Die Türen zur Bahnhofstraße bleiben erhalten. „Aber sie sind von außen nicht zu öffnen, nur von innen als Fluchttüren“, erklärt Uli Schuppach.

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Der Haupteingang befindet sich künftig an der langen Rückseite des Gebäudes. Dort im Foyer erinnern zwei alte Telefonzellen an die ehemalige Funktion des Hauses. Die hölzernen Zellen werden originalgetreu aufgearbeitet. Einen funktionierenden Fernsprechautomaten findet man dort aber nicht mehr. Überhaupt hat der Bauherr, ein Unternehmen, bei dem Advita das Haus mietet, nach Forderung vom Denkmalschutz vieles erhalten müssen. Die Decke des ehemaligen Haupteingangs zierte Stuck. Teilweise war er zerstört. 

Der Bauherr hat das dokumentiert, der Stuck bleibt und verschwindet unter einer abgehängten Decke. Im Obergeschoss gibt es zwei restaurierte Türen, die nur Zierde sind. Zahlreiche Fenster wurden aufgearbeitet, neue originalgetreu angefertigt. Im Obergeschoss ist der Baufortschritt am deutlichsten zu sehen. Dort soll in der nächsten Woche in mehreren Wohnungen gründlich gereinigt werden.

Aktuell gibt es Bauverzug

„Das ist eine Vorbereitung auf unseren Tag der offenen Baustelle am 10. August“, informiert der Marketingleiter. Dann können sich Neugierige ein Bild von der Einrichtung machen. Bis dahin wird nicht alles fertig und vieles noch Baustelle sein. Es gibt Bauverzug. „Der resultiert aus vielen Gründen“, sagt Bauleiter Steffen Böhme. „Es gab keine Bauunterlagen von der alten Post, sodass wir erst einmal viel prüfen mussten, vor allem die Statik“, erklärt er. Das war aufwendig und brauchte Zeit. 

Dabei ist zum Beispiel festgestellt worden, dass die Decke zwischen Ober- und Dachgeschoss aus Ziegeln auf Stahlträgern besteht. Die Träger hatten ungewöhnliche Maße, was Flansch und Stegbreite betraf. „Die sind wohl rein für Postbauten angefertigt worden, denn in einem Advita-Haus in Köthen, das gerade auch saniert wird und ehemals eine Post war, gab es das gleiche Problem“, schildert der Bauleiter. Es wurde gelöst, indem die Deckenlast verringert wurde. Schlacke als Dämmstoff wurde entfernt und durch leichtes Material und leichteren Fußboden ersetzt. Teilweise wurden Decken erneuert.

Marketingleiter Uli Schuppach und die Görlitzer Advita-Niederlassungsleiterin Anne Krems stehen auf einem von zwei historischen Balkonen, die künftig von Mietern der Wohnungen genutzt werden können.  
Marketingleiter Uli Schuppach und die Görlitzer Advita-Niederlassungsleiterin Anne Krems stehen auf einem von zwei historischen Balkonen, die künftig von Mietern der Wohnungen genutzt werden können.   © Nikolai Schmidt

Der Winter hatte ebenso zum Bauverzug beigetragen wie die angespannte Situation auf dem Bau. Die Kapazitäten der Baufirmen sind nahezu erschöpft. Deutlichen Bauverzug hat die Remise, ein Gebäude auf dem Gelände parallel zu den Bahngleisen, die oberhalb des Grundstückes verlaufen. Dort zieht die Verwaltung des Pflegedienstes ein. Wenn alles glatt geht, ist die Sanierung der Post im Spätherbst fertig. „Voraussichtlich im Dezember können die ersten Mieter ins betreute Wohnen einziehen“, sagt Uli Schuppach. 

Alles ist barrierefrei. Dafür sorgt unter anderem ein Fahrstuhl. Über Mietpreise kann Schuppach derzeit nichts sagen, zum Tag der offenen Baustelle im August sollen sie feststehen. Bis dahin wird sich auch im Dachgeschoss viel getan haben. Dort entstehen weitere Wohnungen für ein oder zwei Personen. Aktuell werden die Trockenbauwände aufgestellt.

Etwa die Hälfte aller Wohnungen hat einen Balkon. Diese sind neu und befinden sich an der Längsseite des Gebäudes. Zwei Mieter können an der Seite zur Bahnhofstraße jeweils einen Balkon nutzen, die ursprünglich schon zum Haus gehörten und einen Blick zum Bahnhofsvorplatz und die künftige Senckenberg-Forschungsstätte gewähren. Jede Wohnung hat ein Bad und eine Küchenzeile. Die Möbel bringen die Mieter nach eigenen Wünschen mit. „Der einzige Unterschied zur herkömmlichen Wohnung besteht darin, dass Hilfe im Notfall rund um die Uhr verfügbar ist“, erklärt Uli Schuppach. 

Pflegerische und hauswirtschaftliche Unterstützung können die Mieter dazu buchen. „Oder eben nicht, jeder bestimmt das selbst, eine Heimordnung gibt es nicht“, bestätigt der Marketingleiter und nimmt noch ein Bild von der Außenanlage auf. Hier bewegt ein Mobilbagger gerade Sand. Schon bald wird dort eine Grünanlage die Bewohner einladen.

Tag der offenen Baustelle am 10. August, 11 bis 15 Uhr in der alten Post am Bahnhof Görlitz

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