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Seniorenhäuser statt Sportplatz

Die Humorturnhalle am Stadt Zittau wird abgerissen. Sie macht Platz für ein ungewöhnliches Bauvorhaben.

Von Romy Kühr

Ein historisches Gebäude wird abgerissen – das ist in Neugersdorf beinahe schon an der Tagesordnung. Viele alte Häuser mit mehr oder weniger spannender Geschichte sind in den vergangenen Jahren dem Abrissbagger zum Opfer gefallen. Das steht jetzt auch der historischen Humorturnhalle an der Breitscheidstraße hinter Stadt Zittau bevor. Bis Ende Juni soll die Halle verschwunden sein, berichtet Ernst Lieb, Eigentümer des Geschäfts- und Veranstaltungshauses Stadt Zittau.

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Mit dem Abriss soll es jetzt schnell gehen, denn der Neugersdorfer Unternehmer hat bereits neue Pläne mit der Abrissfläche. Hier wird nicht, wie auf vielen anderen Brachflächen, eine grüne Wiese entstehen. Ernst Lieb plant stattdessen den Bau von seniorengerechten Wohnhäusern. 22 solcher Häuser sollen auf der Fläche mitten im Stadtzentrum entstehen – dort, wo früher Sport getrieben wurde. Dafür sieht der Investor großen Bedarf im Oberland. „Viele ältere Menschen sind bis ins hohe Alter noch einigermaßen fit und wollen nicht gleich ins Pflegeheim oder Betreute Wohnen ziehen“, sagt Ernst Lieb. Für die Pflege eines Eigenheims mit Garten reichen die Kräfte aber oft doch nicht mehr. „Die meisten Hausbesitzer hier in der Gegend haben eben sehr große Grundstücke, 1 500 Quadratmeter Garten sind keine Seltenheit. Das bewältigt man aber als älterer Mensch nicht mehr“, hat Lieb, der gleichzeitig Chef der Neugersdorfer Maschinenbaufirma MBN ist, beobachtet. Viele wollen dennoch gern ihre eigenen vier Wände haben.

Die will Lieb in seinem kleinen Seniorenwohnpark bieten. Er plant Häuser mit einer überschaubaren Wohnfläche von etwa 85 Quadratmetern und jeweils einem kleinen Garten dazu. So bliebe die Freiheit der eigenen vier Wände erhalten, mit dem nötigen Komfort, der im Alter wichtig ist, sagt der Investor. Derzeit laufen die Planungen für das Projekt, berichtet er. Nächstes Jahr will er mit dem Bau beginnen. Für den Abriss der Turnhalle bekommt der Bauherr vom Freistaat Geld aus dem Förderprogramm zur städtebaulichen Entwicklung. Hoher Staatsbesuch hat den Fördermittelbescheid kürzlich nach Neugersdorf gebracht. Polizeipräsident Rainer Kann kam in Vertretung des sächsischen Innenministers. Damit steht dem Abbruch nun nichts mehr im Weg. Noch vor einem reichlichen Jahr gab es ganz andere Pläne mit dem Gebäude. Ein Interessent wollte die Humorturnhalle sogar wieder nutzen. Eine Spielhalle sollte hier entstehen. Dafür gab es zwar schon eine Genehmigung. Die Detail-Planungen zeigten aber: Der Umbau wäre zu teuer. Etwa 400 000 Euro hätten in die marode Halle investiert werden müssen, um sie wieder nutzbar zu machen. Stadträte und Verwaltung fürchteten außerdem Lärmbelästigung der Anwohner, da ringsum Wohnhäuser stehen. Mit dem Abriss macht das historische Gebäude nun Platz für ein ganz neues Bild im Stadtzentrum.

Auch dem Vorplatz von Stadt Zittau hat Ernst Lieb schon ein neues Aussehen verpasst. Voriges Jahr kaufte der Unternehmer ein verfallenes Haus direkt gegenüber des Geschäfts- und Veranstaltungshauses und ließ es abreißen. Hier entstand eine schöne parkähnliche Anlage mit Pflanzen, Blumen und Sitzgelegenheiten.