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Großenhain

Damit Mama arbeiten kann

Die Seniorenresidenz Pro Civitate in Großenhain wartete erst gar nicht den Ernstfall ab. Seit Wochenbeginn werden die Kinder der Pflegekräfte betreut.

Die Kinder der Mitarbeiter in der Seniorenresidenz Pro Civitate werden jetzt separat von Ergotherapeutin Sabine Hanneck im eigenen Haus betreut. Leon, Lisa, Eddie und Bruno fühlen sich wohl.
Die Kinder der Mitarbeiter in der Seniorenresidenz Pro Civitate werden jetzt separat von Ergotherapeutin Sabine Hanneck im eigenen Haus betreut. Leon, Lisa, Eddie und Bruno fühlen sich wohl. ©  Kristin Richter

Großenhain. Eddi hat Heimvorteil - im wahrsten Sinne des Wortes. Der niedliche Rotschopf sitzt scheinbar souverän am Tisch, während alle anderen Kinder noch ein wenig scheu dreinblicken. Kein Wunder auch! Es ist erst Tag drei einer neuen Zeitrechnung. 

Auch in Großenhain ticken die Uhren im Coronavirus und dieser hat Leon, Lisa, Bruno und den kleinen Eddi im Nebengebäude der Seniorenresidenz von Pro Civitate zusammengebracht. Ist der 15 Monate alte Sohn von Pflegedienstleiterin Diana Strach-Brosig gewissermaßen hier größer geworden - die Röderstädterin durfte ihn nach Ende des Mutterschutzes mit zur Arbeit nehmen - müssen sich die anderen Kinder erst ein wenig eingewöhnen.

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Immerhin: Freiwillig sind weder die zwei Grundschüler noch der zwei Jahre alte Knirps Bruno hier. „Meine Schule am Bobersberg hat wegen diesem Coronavirus schließen müssen“, erklärt Lisa mit tragendem Unterton und nickt mit ernstem Kindergesichtchen. Ja, das achtjährige Mädchen weiß eindeutig Bescheid. Mama habe mit ihr über die schlimme Krankheit gesprochen, die gerade das ganze Land in einen Ausnahmezustand versetzt. 

Doch Mama könne deshalb trotzdem nicht zuhause bleiben. Denn ihre Mama werde bei all den alten Omas und Opas im anderen Haus gebraucht. So wie eben auch die Mama von Leon, Eddi und Bruno. Und deshalb seien sie jetzt eben alle hier. Hier bei Sabine Hanneck, die im coranafreien Leben sonst das Team der Ergotherapie verstärkt und nun die Betreuung der Mitarbeiterkinder übernommen hat.

Mit Spielmatte, Bausteinen und kleinen Autos

„Wir haben uns bereits in der vergangenen Woche darüber Gedanken gemacht, was wir im Fall der Fälle tun können“, bekennt Heimleiterassistent Daniel Zschau. Um die optimale Versorgung aller 68 Bewohner der Residenz weiter in der gewohnten Qualität gewährleisten zu können, wolle man auch auf keinen der Mitarbeiter verzichten. Ähnlich anderer Unternehmen, habe man deshalb nach einer Variante gesucht, die es den Frauen und Männern ermöglicht, beruhigt ihrer Arbeit nachgehen zu dürfen, auch wenn seit Mittwoch Sachsens Kindergärten und Schulen geschlossen sind.

 „Nachdem die Landesregierung am Freitag signalisiert hat, dass das Szenario wirklich eintreten wird, haben wir Zimmer im Erdgeschoss des Gebäudes, in welchem sich im oberen Teil das betreute Wohnen befindet, frei geräumt und mit allen notwendigen Utensilien bestückt“, verrät Daniel Zschau. 

Eine bequeme Spielmatte liegt nun auf dem Boden neben den alten Nussbaummöbeln, die ein Residenzbewohner seinerzeit Pro Civitate überlassen hat. Daneben türmen sich Bausteine, kleine Autos, ein Bagger und verschiedene Spiele. Wenn ab Ende der Woche noch mehr Mitarbeiter das Angebot ihres Arbeitgebers in Anspruch nehmen, wolle man schließlich vorbereitet sein. 

Auch Sabine Hanneck, in der Vergangenheit selbst als Tagesmutti tätig gewesen, ist nicht einfach so in ihre neue Aufgabe hineingestolpert. Auch und gerade weil die üblichen Abläufe der Kinder jäh unterbrochen worden sind, wäre es wichtig, ihnen einen geregelten Ablauf zu bieten. Praktisch bedeute das: Ab um sechs können die Mädchen und Jungen - je nach Arbeitsbeginn ihrer Eltern - abgegeben werden. Gegen um neun werde gemeinsam gefrühstückt, danach ginge man raus an die frische Luft, erledige Aufgaben für die Schule oder spiele zusammen. Selbstverständlich gebe es Mittagessen und auch ein Schläfchen für die Kleinen sei bedacht. 

Nicht zu verfehlen: Ein Schild an der Haustür des Nebengebäudes weist darauf hin, dass hier die Kinder der Mitarbeiter betreut werden.
Nicht zu verfehlen: Ein Schild an der Haustür des Nebengebäudes weist darauf hin, dass hier die Kinder der Mitarbeiter betreut werden. ©  Kristin Richter

Mit Sabine Hanneck scheinen dabei alle Beteiligten das große Los gezogen zu haben. Lisa und die Jungs fühlen sich sichtlich wohl bei der liebevoll agierenden 50-Jährigen, die Eltern der Kinder sind erleichtert, in dieser unerwarteten Situation Unterstützung zu erfahren - und bei Pro Civitate selbst gibt es keine personellen Vakanzen. Wichtig gerade jetzt, daraus macht Daniel Zschau keinen Hehl. 

Zwar gebe es in der Einrichtung selbst keinen Grund zur Besorgnis. Die älteren Herrschaften wären über die hochansteckende Krankheit und das Tagesgeschehen informiert, seien keineswegs verängstigt oder übermäßig beunruhigt. Auch darüber, dass Angehörige die Häuser in Meißen und Großenhain ab Donnerstag nun nicht mehr betreten dürfen. 

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Bedingungen, die umso mehr nach Stabilität in der Versorgung verlangten. Und diese sei glücklicherweise durch die Form der Kinderbetreuung gegeben. Kinder, die jetzt allerdings endlich Mittagessen wollen. Lisa, Bruno, Leon - und Eddi. Jener niedliche Rotschopf, der endlich bekommen hat, was er schon immer wollte: Spielgefährten an jenem Ort, wo er sich sowieso am wohlsten fühlt. 

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