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Kommt Schloss Seußlitz untern Hammer?

Gegen den Besitzer Stephan Braunfels wurde ein Insolvenzverfahren eingeleitet. Gibt es bald einen neuen Schlossherrn?

Von außen und mit etwas Abstand sieht das Seußlitzer Schloss noch gut aus. Finden sich Interessenten, wenn es vielleicht noch in diesem Jahr möglicherweise versteigert werden soll?
Von außen und mit etwas Abstand sieht das Seußlitzer Schloss noch gut aus. Finden sich Interessenten, wenn es vielleicht noch in diesem Jahr möglicherweise versteigert werden soll? © Jörg Richter

Berlin/Nünchritz. Der Münchner Star-Architekt Stephan Braunfels ist zahlungsunfähig. Das berichtet der Tagesspiegel und beruft sich dabei auf eine Information des Amtsgerichtes Berlin-Charlottenburg. Das habe das "Insolvenzverfahren über das Vermögen des Schuldners Professor Stephan Maria Braunfels wegen Zahlungsunfähigkeit - Geschäftszweig: Architekt" eröffnet.   

Der Architekt, der sich unter anderem mit den Entwürfen der Pinakothek der Moderne in München und mehreren Regierungsgebäuden in Berlin einen Namen gemacht hat, habe sein großes Büro an der Rudi-Dutschke-Straße aufgelöst. Ein kleineres Studio in der Uhlandstraße sei ihm geblieben, will der Tagesspiegel erfahren haben. Hier arbeitet er mit ein paar slowakischen Architekten und Zeichnern, die aber wegen der Corona-Krise in ihre Heimat zurückgekehrt seien. 

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Das Blatt zitiert Braunfels, der die Zahlungsunfähigkeit dementiert, mit den Worten: "Ich bin nicht insolvent." Das Finanzamt habe das Verfahren eingeleitet, weil sein Steuerberater ab 2014 keine Bilanzen vorgelegt habe. Der Fiskus habe wenig zu erwarten, "weil ich seit zehn Jahren nur Verluste mache."    

Architekt Stephan Braunfels feiert am 1. August seinen 70. Geburtstag. Dieses Bild wurde bereits vor neun Jahren aufgenommen.
Architekt Stephan Braunfels feiert am 1. August seinen 70. Geburtstag. Dieses Bild wurde bereits vor neun Jahren aufgenommen. © dpa-Zentralbild

Nach SZ-Recherchen wurde das Insolvenzverfahren bereits am 1. April dieses Jahres eröffnet. Das Amtsgericht Charlottenburg hatte den Berliner Rechtsanwalt Thomas Wulsten zum Insolvenzverwalter bestellt. Bis Ende Mai wurden alle Gläubiger aufgefordert, ihre Forderungen schriftlich anzumelden. 

So erfuhr auch der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) vom Insolvenzverfahren gegen Braunfels. Denn sowohl die Gemeinde Nünchritz als auch der Abwasserzweckverband "Elbe-Floßkanal", dem Barthold vorsteht, wurden angefragt, ob der berühmte Architekt bei ihnen noch offene Rechnungen habe. Ob es so ist, darüber schweigt der Bürgermeister mit Hinweis auf den Datenschutz.

Die Nachricht von den Schreiben des Insolvenzverwalters macht allerdings in Diesbar-Seußlitz die Runde. Seitdem geht im staatlich anerkannten Erholungsort das Gerücht von einer möglichen Zwangsversteigerung des Schlosses um.

Schloss gehört zur Insolvenzmasse

Wie die SZ von der Kanzlei Wulsten erfuhr, gehört das Barockschloss in Diesbar-Seußlitz, das Braunfels am 8. Juli 2000 bei einer Auktion in Leipzig ersteigerte, tatsächlich zur Insolvenzmasse. Ein Gutachten bezifferte damals den Wert des Schlosses samt Nebengebäuden und Park auf 3,9 Millionen DM. Braunfels bot 715.000 DM (rund 360.000 Euro) und erhielt den Zuschlag. 

Nur sechs Jahre später bestätigte Braunfels damaliger Assistent Berthold Pesch, dass der Architekt darüber nachdenkt, das Schloss wieder zu verkaufen. Eine Summe nannte er nicht. Wie die SZ damals erfuhr, wolle er angeblich 1,5 Millionen Euro dafür haben. Ein paar Jahre später war sogar von 1,8 Millionen Euro die Rede. Bestätigt sind diese Summen aber nicht. 

Ein Manneken Pis gibt es nicht nur in Brüssel, sondern auch vorm Schloss in Diesbar-Seußlitz.
Ein Manneken Pis gibt es nicht nur in Brüssel, sondern auch vorm Schloss in Diesbar-Seußlitz. © Jörg Richter

Bei der möglichen Zwangsversteigerung spielen die Wünsche des Architekten allerdings keine Rolle. Im aus seiner Sicht schlimmsten Fall muss er damit rechnen, dass das Barockschloss sogar für weniger als den ursprünglichen Kaufpreis den Besitzer wechselt. 

Vielleicht kommen dann auch die ehemaligen Schlossherrn, das einstige Adelsgeschlecht Derer von Bünau, wieder ins Gespräch. Kurz vor der Versteigerung 2000 hatten die Bünaus der damaligen Gemeinde Diesbar-Seußlitz ihr Kaufinteresse bekundet und 400.000 Mark (205.000 Euro) geboten. Doch die Versteigerung war schon beschlossene Sache, so dass es nicht dazu kam.

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Bürgermeister Barthold würde es begrüßen, wenn die ehemaligen Schlossbesitzer bei einer möglichen Zwangsversteigerung mitbieten würden. "Das wäre nicht schlecht, denn zu den Bünaus hatten wir bisher immer einen guten Draht", sagt er. Familien-Oberhaupt Rudolf von Bünau war in den letzten Jahren schon zu Besuch in Diesbar-Seußlitz und hält Kontakt zum hiesigen Tourismusverein.

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