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Vorurteile und erzwungener Sex

Eine Prager Studie zeigt einige bedenkliche Zahlen. Das passt nicht in das grundsätzlich positive Selbstbild der Nachbarn.

Von Steffen Neumann

Er ist der Sexatlas Tschechiens. Alle fünf Jahre gibt das Prager Institut für Sexualwissenschaft seit 1993 Einblick in die sexuellen Gepflogenheiten des tschechischen Volkes. Was hat sich seitdem verändert?

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Kurz gesagt sind die Tschechen verantwortungsbewusster und liberaler geworden. Gleichzeitig werden sie für ihr erstes Mal immer jünger. In der aktuellen Umfrage sank das Alter erstmals unter 18 Jahre. Tschechinnen haben ihren ersten Geschlechtsverkehr im Schnitt bereits nach dem 17. Geburtstag, Jungen zwischen dem 17. und 18. Lebensjahr. Dabei verwenden erfreuliche 42 Prozent schon beim ersten Mal ein Kondom, zwei Drittel mehr als vor fünf Jahren.

Die Zahl der Sexualpartner im Verlauf des Lebens ist seit der letzten Untersuchung angestiegen. Männer brüsten sich mit durchschnittlich zehn Partnerinnen, Frauen mit sechs Männern. Weiss erklärte den Anstieg bei Frauen übrigens damit, dass diese „offensichtlich weniger lügen“.

Einen klaren Trend gibt es bei der Meinung zur Homosexualität. 19 Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen sehen sie zwar weiterhin als Krankheit an. 1993 waren es aber noch 33 beziehungsweise 41 Prozent. Dagegen halten sie 36 Prozent der Männer und 41 Prozent der Frauen für ganz natürlich. Vor zwanzig Jahren waren das nur jeweils 22 Prozent. Zur Liberalität gehört, dass 54 Prozent der Männer und 60 Prozent der Frauen den Schwangerschaftsabbruch als freie Entscheidung der Frau ansehen. Aus der Studie geht außerdem hervor, dass jede zehnte Frau in Tschechien im vergangenen Jahr zum Sex gezwungen wurde, in 72 Prozent der Fälle vom Partner. „2008 waren das 62 Prozent“, so Weiss. Sieben Prozent der Frauen sagen, dass sie mindestens einmal vergewaltigt wurden.