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Sexuelle Nötigung auf der Damentoilette

Ein junger Mann vergreift sich in Riesa an einer 16-Jährigen. Die Tat bereut er nicht erst vor dem Amtsgericht.

Weil er eine 16-Jährige zum Sex nötigen wollte, wurde ein 19-Jähriger jetzt am Amtsgericht in Riesa verurteilt.
Weil er eine 16-Jährige zum Sex nötigen wollte, wurde ein 19-Jähriger jetzt am Amtsgericht in Riesa verurteilt. © Sebastian Schultz

Riesa. Ein 19-Jähriger aus Zeithain ist am Mittwoch in Riesa wegen sexueller Nötigung verurteilt worden. Dem jungen Mann war vor dem Jugendschöffengericht vorgeworfen, im September 2019 einer damals 16-Jährigen auf die Damentoilette eines Schulhauses in Riesa gefolgt zu sein. Dort drückte er sie gegen das Fensterbrett, berührte sie an Brüsten, Po und im Intimbereich. Anschließend forderte er sie dazu auf, seinen entblößten Penis zu berühren. Die 16-Jährige konnte sich nach einigen Minuten aus seinem Griff lösen und fliehen. 

Panikattacken und Schlafstörungen

Die Geschädigte kannte der junge Zeithainer, hatte auch für wenige Wochen eine Beziehung mit ihm. In dem Riesaer Schulgebäude befanden sie sich wegen einer Veranstaltung, an der beide mitwirkten. Nachdem sie mit einem Freund über den Vorfall gesprochen hatte, ging die 16-Jährige zunächst zu ihren Eltern und dann zur Polizei. Noch heute leide sie erheblich unter der Tat, habe "weiterhin Panikattacken und Schlafstörungen", erklärte ihr Anwalt Matthias Streicher. 

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Die Vernehmung des Angeklagten fand aus Gründen des Jugendschutzes unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Vorwürfe räumte der Angeklagte dabei ein. Wie genau es zu der Tat kommen konnte, kann sich auch der damals 18-Jährige offenbar nicht genau erklären. Eine Jugendgerichtshelferin erklärte im Laufe des Prozesses, der junge Mann habe sich damals in einer Ausnahmesituation befunden, zur Tatzeit habe sozusagen sein Verstand ausgesetzt. 

An der Grenze zur Jugendhaft

Bei der Geschädigten hatte sich der 19-Jährige bereits kurz nach der Tat entschuldigt. Auch ihn beschäftige die Sache noch sehr, sagte er vor Gericht. Nach Angaben der Jugendgerichtshilfe gingen er und seine Eltern sehr offen mit der Sache um und seien um Aufarbeitung bemüht. Schon vor dem Prozess habe der Auszubildende außerdem seine Bereitschaft erklärt, eine symbolische Wiedergutmachung zu zahlen. Von einer schädlichen Neigung - eine Voraussetzung für Jugendhaft - gehe sie nicht aus. 

Letztendlich verurteilte das Jugendschöffengericht um den Vorsitzenden Herbert Zapf den 19-Jährigen zu einer Zahlung von 1.500 Euro an die Geschädigte und folgte damit dem Plädoyer der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte zusätzlich eine Bewährungsstrafe gefordert. Es habe sich um einen Fall an der Grenze zur besonderen Schwere der Schuld gehandelt - und damit zur Jugendhaft, so Herbert Zapf. 

Neben dem jugendlichen Alter des Angeklagten, der Tatsache, dass die 16-Jährige nicht verletzt oder entkleidet worden war und dass die Sache nach einem sehr kurzen Zeitraum vorbei gewesen sei, führte er in erster Linie den Auftritt des Angeklagten vor Gericht als Grund für das milde Urteil ins Feld. "Er hat hier einen positiven Eindruck hinterlassen und wesentlich mehr Reue gezeigt, als wir es hier in vielen Fällen erleben." Günstig wirkte sich für ihn auch aus, dass er noch nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde. Erwachsene müssen im Fall einer Verurteilung wegen sexueller Nötigung mit einer Mindesthaftstrafe von einem Jahr rechnen. 

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