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Görlitzer gesteht Sex mit minderjährigen Mädchen

Der Mann hatte über einen Kinderchat im Internet Kontakt zu den Mädchen aufgenommen. Vor Gericht räumt er alles ein, bis auf einen schweren Vorwurf.

Der junge Mann am Mittwoch vor dem Landgericht Görlitz.
Der junge Mann am Mittwoch vor dem Landgericht Görlitz. © Danilo Dittrich

Dieser Angeklagte im Landgericht Görlitz wirkt, als könne er keiner Fliege etwas zuleide tun. Dabei sind die Taten, wegen der er sich vor dem Landgericht Görlitz zu verantworten hat, alles andere als geringfügig. Ihm wird schwerer sexueller Missbrauch von Minderjährigen vorgeworfen, in zwei Fällen davon soll er laut Anklage Gewalt ausgeübt haben, was die beiden Taten zu Vergewaltigungen machen würde. Ihm droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe. 

Seit Ende 2019 sitzt der 37-Jährige in Untersuchungshaft. Er ist inzwischen einschlägig vorbestraft, die Untersuchungshaft durch eine Freiheitsstrafe (zwei Jahre und drei Monate) abgelöst. Große Zweifel an seiner Schuld sollte angesichts des vielen Materials auf seinem Computer, einer Festplatte und seinem Handy nicht bestehen. Das alles wurde bei einer Durchsuchung seiner Wohnung nach einer ersten Verurteilung gefunden. Und so scheint die Strategie, die Taten einzuräumen, nur allzu logisch. Zwar konnten sich Verteidiger und Staatsanwalt vor dem Verfahren nicht auf eine Verständigung  - vollumfängliches Geständnis gegen vorabgesprochenen Strafrahmen -  einigen, aber eine deutlich geringere Strafe winkt dem Angeklagten Görlitzer schon, sollte er mit seiner Aussage den vier zum Tatzeitpunkt 13-jährigen Mädchen eine Aussage vor Gericht ersparen. 

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Vier 13-jährige Mädchen "verführt"

Und so erzählt der Görlitzer, immer wieder auch Nachfragen beantwortend, von seinen Taten. Der 37-Jährige, ein "Babyface", eher schmächtig und sehr viel jünger wirkend, hat über die Internet-Chatseite "Knuddels.de" Kontakt zu Mädchen aufgenommen. Auf dieser Seite, die mehrere Millionen Mitglieder hat und sich eigentlich an Personen ab 14 Jahre richtet, treffen sich offensichtlich auch viele Kinder unter 14 Jahre. Der Angeklagte gibt zu, diese Internetseite benutzt zu haben, um Kontakt zu Mädchen zu knüpfen, mit denen er später vielleicht Sex haben könnte. 

Bei mindestens vier Mädchen gelang ihm das. Dazu gab sich der Görlitzer als deutlich jünger aus: 18 Jahre, manchmal auch erst 15. Wenn er die Handynummer des Mädchens hatte, wurden unzählige Whatsapp ausgetauscht. Natürlich kam das Thema auch auf Sexuelles, erste Fotos wurden ausgetauscht, die schnell alles andere als unschuldig waren.  Mit vier 13-jährigen Mädchen – aus Görlitz, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen,  so lautet die Anklage, kam es anschließend zu sieben Treffen und sexuellen Handlungen. Sechsmal davon zu einem schweren sexuellen Missbrauch, der mit einem Eindringen in den Körper des Mädchens verbunden ist. Es habe Oralverkehr gegeben, beim Geschlechtsverkehr habe er immer ein Kondom benutzt. All das gesteht der Angeklagte in vollem Umfang. Der Sex habe in seinem Auto, in einem Fall im Kinderzimmer des Mädchens oder mit der Görlitzerin in seiner Wohnung stattgefunden. Alles sei einvernehmlich erfolgt, Gewaltanwendung habe es nie gegeben, das sei auch nicht seine Art", sagt er vor Gericht.

Chatverlauf spricht gegen Gewaltanwendung

Das widerspricht der Anklage in Bezug auf eines der Opfer. Das Mädchen aus Bad Saarow hatte gegenüber der Polizei geschildert, dass er mit ihr in einen Wald gefahren sei, sie dort auf dem Waldboden festgehalten habe und sie dann zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe, mit seiner körperlichen Überlegenheit, beim zweiten Mal auch mit der Drohung, sonst intime Bilder von ihr zu veröffentlichen. Intime Bilder, auch von sexuellen Handlungen, wurden beim Angeklagten tatsächlich gefunden. Gegen diese Schilderung des 13-jährigen Opfers bei der Polizei sprechen die kalte Jahreszeit - die Taten sollen im Januar und Februar 2019 geschehen sein -  und vor allem der aufwändig rekonstruierte Chatverlauf des Mädchens mit dem Angeklagten, in dem sie sich euphorisch über das Erlebte äußert. Und der Angeklagte bleibt bei seiner Schilderung: "Das hat sich alles auf der Rückbank meines Autos abgespielt, und sie wollte das auch." Seine Vermutung und die seines Verteidigers: Das Mädchen habe vielleicht unter einem gewissen Rechtfertigungsdruck gegenüber ihren Eltern gestanden, die bei der Polizeivernehmung dabei waren.

Was nach diesem ersten Verhandlungstag aber bleibt, sind diese sechs Fälle schweren sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen, auch wenn keines der Mädchen von sich aus zur Polizei ging und sie sich selbst wohl auch weniger als Opfer sehen – zumindest noch nicht. Ein weiterer Fall kommt hinzu. Wegen eines ähnlich gelagerten Geschehens ist der Görlitzer im November 2019 inzwischen rechtskräftig von einem Gericht in Hohenstein-Ernsthal zu zwei Jahren und drei Monaten Freiheitsentzug verurteilt worden. Dieses Urteil könnte in eine Gesamtstrafenbildung für dieses Verfahren mit eingehen. 

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Das Gericht unter Vorsitz von Dr. Hauke Hinrichs muss nun unter anderem entscheiden, ob es die betroffenen Mädchen noch der Belastung einer Zeugenaussage aussetzt. Insgesamt sind weitere vier Verhandlungstage angesetzt, der nächste Anfang Juli.

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