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Zum Abschied ein Gruß an Dynamos Jeansjackenträger

Ralf Minge hat heute seinen letzten Arbeitstag als Dynamo-Sportchef. Die Mannschaft bedankt sich mit einer besonderen Aktion.

Dynamos Co-Trainer Heiko Scholz und die Spieler Patrick Schmidt, Marco Hartmann, Rene Klingenburg und Jannis Nikolaou tragen die Minge-Kultjacke.
Dynamos Co-Trainer Heiko Scholz und die Spieler Patrick Schmidt, Marco Hartmann, Rene Klingenburg und Jannis Nikolaou tragen die Minge-Kultjacke. © dpa/Robert Michael

Dresden. Ralf Minge dürfte am Sonntag ein leichtes Lächeln über das Gesicht gehuscht sein, zumindest als er die Profis von Dynamo Dresden beim Aufwärmen beobachtete. Vorm letzten Saisonspiel gegen Osnabrück betrat die Mannschaft in Jeansjacken das Spielfeld - auf der Rückseite das Konterfei von Minge, Dresdens vermutlich bekanntestem Jeansjackenträger. Darunter stand: "Danke für alles Mingus." 

Die Spieler verabschiedeten sich damit auf ihre Art vom scheidenden Sportgeschäftsführer. Es war ein leiser Abschied, ohne Geschenke und ohne Reden - aber mit großer Geste. Nach sechs Jahren wurde Minges auslaufender Vertrag nicht verlängert. Der Aufsichtsrat war nicht mehr überzeugt, "den bisherigen Weg in der bestehenden Form gemeinsam fortsetzen zu wollen." Stattdessen wird Ralf Becker am 1. Juli nun Minges Nachfolge antreten.

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Marco Hartmann hängt vor dem Spiel gegen Osnabrück die Minge-Jeansjacken an den Zaun des K-Blocks. Einige Exemplare sollen für einen guten Zweck versteigert werden.
Marco Hartmann hängt vor dem Spiel gegen Osnabrück die Minge-Jeansjacken an den Zaun des K-Blocks. Einige Exemplare sollen für einen guten Zweck versteigert werden. © Robert Michael/dpa

Dynamos vorerst letztes Zweitligaspiel war damit so etwas wie Minges letzte öffentliche Amtshandlung. "Als feststand, dass Ralf geht, war für uns als Mannschaft klar, dass wir etwas machen wollen. Viele haben über Jahre hinweg mit ihm zusammen gearbeitet", erklärt Marco Hartmann, Dynamos dienstältester Spieler, die Aktion. 

Bis auf Hartmann, seit 2013 im Verein, hat Minge alle im Kader stehenden Spieler nach Dresden geholt, einige sind mittlerweile eng mit ihm befreundet. Nur ein T-Shirt, Spruchband und ein paar warme Worte zum Abschied seien der Mannschaft deshalb zu wenig gewesen. "Ein T-Shirt ist so der Klassiker. Der Wiege (Patrick Wiegers, Anm. d. Red.) hatte die klasse Idee, 'komm lass uns doch eine Jeansjacke nehmen und die beflocken'", sagte Hartmann. "Zum Glück haben wir hier Leute im Fanshop, die super Ideen haben und Dinge umsetzen können, so wie wir uns das vorgestellt haben", meinte der Ex-Kapitän.

Die Jeansjacke ist Minges Markenzeichen. Obwohl Ehefrau Cornelia als Mode-Expertin und Inhaberin einer eigenen Boutique in Dresden das Tragen der Jacke seit Jahren verboten hatte, zog "Mingus", so sein Spitzname, das Jeans-Outfit immer wieder an. Bekannt wurde sie vor allem durch Dynamos Aufstiegsspiel 2016 beim 1. FC Magdeburg. 

Minge reiste an jenem Nachmittag in löchriger Jeansjacke und mit Dynamo-Kapuzenpullover mit den Dresdner Anhängern in einem Sonderzug nach Magdeburg. Als es zu Ausschreitungen im Stadion kam,  wurde er in der Fankluft von Magdeburger Sicherheitskräften nicht erkannt und vorübergehend abgeführt. "Dass ich im Stadion festgenommen werde, ist mir auch noch nicht passiert", sagte er damals mit einem Lächeln. Nicht zuletzt diese Aktion machte den 59-Jährigen inzwischen zu Dresdens bekanntestem Jeansjackenträger. 

Da war die Dynamo-Welt noch in Ordnung: 2016 feierte Dynamos Sportdirektor Ralf Minge in Jeansjacke gemeinsam mit dem damaligen Trainer Uwe Neuhaus den Aufstieg in die 2. Bundesliga.
Da war die Dynamo-Welt noch in Ordnung: 2016 feierte Dynamos Sportdirektor Ralf Minge in Jeansjacke gemeinsam mit dem damaligen Trainer Uwe Neuhaus den Aufstieg in die 2. Bundesliga. © dpa/Jens Wolf

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Am Sonntag bei seinem letzten Spiel trug der Ex-Dynamo-Torjäger und DDR-Nationalspieler übrigens ein schwarzes Hemd. Es passte zur Situation. Auch Minge dürfte sich einen schöneren Abschied, als den Abstieg in die Drittklassigkeit gewünscht haben. "Es ist natürlich nicht schön, wenn du absteigst, aber für jemanden, der so viel geleistet hat für den Verein, gehört es sich vernünftig danke zu sagen", betonte Hartmann. "Das war authentisch und das war ehrlich und genau das sollte die Aktion bringen. Und ich glaube, es kam bei Ralf an." Die Minge-Jeansjacke sollen nun für einen guten Zweck versteigert werden. Im Dynamo-Fanshop, die Anfragen gibt es bereits, wird es sie nicht zu kaufen geben. 

Starke linke Seite - die Noten zum Osnabrück-Spiel:

Tim Boss: Feiert am 27. Geburtstag auch sein Pflichtspiel-Debüt. Reagiert einmal stark. Bei beiden Gegentoren machtlos. Note 3

Linus Wahlqvist: Unauffälliger Auftritt des Schweden ohne nennenswerte Szenen, wie so oft in den vergangen zwei Jahren. Note 4

Florian Ballas: Seine Stärke ist sein Kopfballspiel. Räumt hinten alles weg und wird auch vorn bei Standards gefährlich. Note 3

Jannis Nikolaou: Lautstärker als Nebenmann Ballas, und einer der Besten in dieser Saison. Spielt trotz des Abstiegs ein gutes Jahr. Note 2

Niklas Kreuzer: Ersetzt den rotgesperrten Löwe, hält dabei nicht nur Donyoh den Rücken frei, schaltet sich auch offensiv ein. Note 2

Josef Husbauer: Geht viele Wege und bereitet so auch das 2:0 von Schmidt vor, dem er uneigennützig auflegt. Note 3

Ondrej Petrak: Dresdens Laufstärkster. Räumt nicht nur vor der Viererkette auf, baut im zweiten Durchgang aber ab. Note 3

Ransford Yeboah-Königsdörffer: Dynamos Talent soll noch einmal Zweitligaluft schnuppern, kommt aber nicht ins Spiel. Note 4

Marco Terrazzino: Die Leihgabe aus Freiburg verabschiedet sich mit viel Einsatz und dem Führungstor, seinem zweiten und vermutlich letzten für Dynamo. Note 2

Godsway Donyoh: Viel läuft speziell in der ersten Hälfte über den Ghanaer, auch wenn es ihm noch an Ruhe fehlt. Seine Vorlage zum 1:0 passt dafür perfekt. Note 2

Patrick Schmidt: Dynamos einzige Spitze ist überall auf dem Feld zu finden. Seine Abschlüsse wirken oft unglücklich. Das 2:0 macht er dann ganz überlegt. Note 2

Sascha Horvath: Ersetzt Königsdörffer, fällt aber nicht auf. Note 3

Marco Hartmann: Soll nach seiner Einwechslung den Sieg mit über die Zeit retten, kann aber auch beide Gegentore nicht verhindern. Note 3

Ohne Note: Jannik Müller, René Klingenburg, Maximilian Großer. (JM)

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