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Shakespeare und kein Ende

Kinder spielen wieder Klassik in der Lessingstadt Kamenz. Am Dienstagabend gab es die wundervolle Premiere von „Romeo und Julia“.

© René Plaul

Von Ina Förster

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Kamenz. Gold, Silber und viel Schwarz – das sind die Farben im neu inszenierten Klassiker der Theaterwerkstatt Kamenz. Die zwölf jungen Darsteller hüllen sich in solcherlei Kostüme. In dezentes Licht getaucht, bewegen sich die Figuren oft fast schemenhaft über die Bretter. Es ist kein Stück der großen Gesten. Dafür dominieren stimmliche Ausdruckskraft und wunderbare Musik. Venezianische Masken und prächtige Perücken bilden einen schimmernden Kontrast zum schlichten Bühnenbild. Dieses besteht aus ein paar roten Torbögen, angedeuteten Brücken. Und doch fühlt man sich sofort nach Verona versetzt. Im fünften Jahr gibt es die Theaterwerkstatt Kamenz „Romeo und Julia“. Damit kommt wieder einmal ein echter Shakespeare-Hit auf die Bühne des Stadttheaters. Doch halt: Der nette Shakespeare hat das Ganze eigentlich nur geklaut. Vom unbekannteren italienischen Autor Luigi da Porto zum Beispiel. Oder von einem gewissen Arthur Brooks. Von diesem Landsmann soll Shakespeare gleich mehrere Seiten eins zu eins kopiert haben. Egal – die tragische Liebesgeschichte ist bekannt. Beliebt. Viel gespielt. Und auch immer wieder euphorisch beklatscht worden. Wie gestern Abend …

Generalprobe schon gut besucht

Das Regie-Duo Reinhardt Schuchart und Silke Führich hat sich nach Lessing und Goethe in den letzten Jahren erneut an seinen – wie es doch scheint – verehrten Lieblingsautoren gewagt. Das Kamenzer Publikum konnte von dem seit 2011 bereits Macbeth, Die Hexen von Birnham und Hamlet sehen. Jede Inszenierung wurde hochgelobt und frenetisch gefeiert. Am Dienstag Vormittag nahm das Liebesdrama von Romeo und Julia Fahrt auf. Da lief nämlich um 11 Uhr die öffentliche Generalprobe. Vor gut gefülltem Saal übrigens. Die Theaterwerkstatt holt sich dafür gern Publikum ins Haus. Auch um vorher zu schauen, wie das Stück letztendlich ankommt. Gegen Mittag stand fest: Die jungen Spieler haben die Zuschauer gepackt. 65 Minuten Drama auf klassische Art und Weise – wo bekommt man das sonst von Gleichaltrigen geboten? Das Stück ist wie immer gekürzt und großzügig bearbeitet. Sechs Stunden den verfeindeten Capulets und Montagues zuzuschauen, wäre sonst etwas anstrengend. Mit viel Spielfreude machen die zehn jungen Damen und zwei Herren die Bühne zu ihrem Refugium. Da kommt über eine Stunde niemand und nichts dazwischen. Auch diesmal sind die Rollen wieder gut vergeben – die Figur der Julia teilen sich abermals drei Schauspielerinnen, der Romeo ist zweigeteilt.

Zur ausverkauften Premiere am Abend wurde mitgezittert und -gelitten. Das tragische Liebespaar überschreitet die rote Linie zwischen den verfeindeten Familien sehr eindringlich. Nach dem Schlusswort „wenn man im Krieg nichts nützen kann, wird man alsbald geopfert dann“, herrschte beklemmende Stille. Egal ob geklaut oder nicht – Shakespeare legt den Finger in die Wunde . Sehenswert!

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