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Sherlock Holmes im Appenhof

In diesem restaurierten historischen Vierseithof gibt es zum Mühlentag am Montag noch andere Überraschungen.

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Von Dieter Hanke

Im Appenhof in Rothschönberg ist ländliche Idylle. Die Hektik des Alltags verfliegt dort schnell. Denn in diesem historischen Mühlengehöft im Triebischtal gibt es vieles zu schauen und zu entdecken, was einem erfreut. Da stolziert ein prächtiger Pfau durch das Gelände. Franz heißt er. Seine Partnerin brütet gerade. Fünf Schafe der wohl kleinsten Rasse der Welt, Quessent genannt, sind neugierig, schnuppern an vielen Gegenständen. Auch sie haben Namen – Sherlock Holmes, Watson und Mabel zum Beispiel. Die Laufenten Jim Knopf und Jim Beam sowie Yvonne sind auf Schneckenjagd. Im Stall tummeln sich jetzt auch sieben junge Minischweine, die Donnerstagnacht zur Welt kamen. Zum Tierreich im Appenhof gehören noch Zwerghasen, Meerschweine, Katzen und auch Alise, die elfjährige Dalmatinerhündin, die über alles wacht.

Nicht nur ein Ort für Tiere

„Tiere sind Leben. Wir freuen uns daran“, sagt Silke Langer. Im großen Bauerngarten am Haus hat sie auf Zäunen Trichter aufgehängt und mit Holzwolle gefüllt. Diese sind nun Quartiere für Ohrenkneifer, die kleine Schädlinge im Garten vertilgen.

Doch das Mühlengehöft von 1784 ist nicht nur ein Ort für Tiere. Es ist auch eine Stätte der Ruhe, der Besinnlichkeit, des kulturellen Erlebens. Im großen Hof mit den hohen Bäumen fällt der Blick auf schöne Fachwerkgebäude. Überall stehen oder hängen originelle Dinge – alte Laternen, Plastiken, bizarre Wurzeln, Mühlräder, Vasen, Steine, Bilder. Frühlingsblumen setzen bunte Farbtupfer. Holztische und Bänke laden zum Verweilen ein. „Es macht uns Freude, diesen historischen Vierseithof zu restaurieren“, sagt Silke Langer. Zwar gebe es in dieser einstigen Wassermühle keine ursprüngliche Technik mehr. Doch das Anwesen würde Mühlengeschichte über Jahrhunderte widerspiegeln. Bereits 1203 wurde die Wetzelmühle urkundlich erwähnt.

Silke Langer ist Fachärztin für Chirurgie, arbeitet in der Notaufnahme im Diakonissenkrankenhaus in Leipzig. Sie hat Schichtdienst, an die 100 Kilometer sind es mit dem Auto bis zu ihrer Arbeitsstätte. „Auf der Heimfahrt lausche ich oft Hörspielen, vor allem Krimis, um wach zu bleiben“, sagt die 46-Jährige. Ihr Lebenspartner Peter Heilsberg stammt aus Radebeul, ist dort seit über 20 Jahren Sozialarbeiter bei der Stadt. Zur Familie gehören noch drei Töchter, die eine geht in den Kindergarten in Miltitz, die mittlere in die Burkhardswalder Grundschule, und die älteste macht jetzt ihr Abitur in Dresden.

Bibliothek in der Galerie

„Es ist vor allem auch eine Frage der Organisation, um den Alltag gut zu bewältigen und Ziele zu verwirklichen“, sagt die Ärztin, die in Chemnitz aufgewachsen ist. Ihren Lebenspartner hat sie vor sechs Jahren über das Internet kennengelernt. Zusammen haben sie 2011 den Appenhof gekauft. 4,5 Hektar umfasst das Anwesen, eine große Wiese an der Triebisch und ein Stück Wald gehören dazu. „Es war unser gemeinsamer Wunsch, hier das Bestehende zu restaurieren und Neues zu schaffen“, bemerkt der 45-jährige Peter Heilsberg. So erhielt ein Fachwerkgebäude einen neuen Lehmputz, die Balken wurden saniert. „Das Fachwerk war mit Sauerkrautplatten verdeckt. Das haben wir rückgängig gemacht“, sagt Peter Heilsberg. Vor allem wurde das Innere der Gebäude modernisiert. Mehrere Seminarräume und Zimmer entstanden. Die Galerie beherbergt jetzt auch eine Bibliothek. Denn die beiden Neu-Rothschönberger wollen den Appenhof zu einem Ort machen, der Akzente setzt für Kultur, Bildung und Geselligkeit. So fanden schon Lehrgänge, Veranstaltungen und Festlichkeiten statt. Chöre und Tanzgruppen probten, Yoga-Freunde kamen oder weitere Vereine für gesunde Lebensweise. „Auch Hochzeits-Paare feierten hier“, sagt Peter Heilsberg. Für den 1. Mai werden Kinder zu einem Märchen-Picknick eingeladen. Auch einen Weihnachtsmarkt gibt es.

Zum vierten Mal beim Mühlentag

„Wir wollen uns in der Region einbringen “, so Peter Heilsberg. Die Triebischtaler Mühlengemeinschaft sei da für sie ein guter Partner. Für den Mühlentag am Pfingstmontag ist den beiden Rothschönbergern nicht bange. „Wir haben da schon viermal mitgemacht“, sagt Silke Langer. Der Auftakt für die Feste in den Triebischtaler Mühlen wird diesmal im Appenhof stattfinden. Auch Landrat Arndt Steinbach und Bürgermeister Gerold Mann wollen kommen. Für diese hat der Appenhof etwas Besonderes ausgedacht. „Zum Spaß sollen sie ein Bauernbett aus früheren Zeiten mit frischer Bettwäsche beziehen“, sagt Silke Langer und lacht. Denn dabei dürfe es keine Falten geben. Als gelernte Krankenschwester kenne sie sich da gut aus.

„Wir wollen, dass die Familien am Mühlentag viel Freude haben und sich entspannen“, sagt Peter Heilsberg. Auf der Wiese kann Picknick gemacht werden. Ansonsten gibt es allerhand Kurzweil: Ein Sänger ist da, es gibt einen Flohmarkt für Kinder, ein Imker kommt, und ein Teezelt nach arabischer Lebenskultur ist aufgebaut.

Eine Aktion der Mühlengemeinschaft: Am kommenden Montag wird der Triebischtaler Mühlenkater Alfred im Tal der Großen und Kleinen Triebisch unterwegs sein. Wer ihn sieht, macht einfach ein Beweisfoto und schickt es per Email an: [email protected] Unter den Einsendern wird ein Überraschungspaket verlost. Infos zu Veranstaltungen in den anderen Mühlen des Triebischtals (siehe auch Grafik) gibt es im Serviceteil auf der heutigen Lokalseite 12.