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Shoppingtour ohne Geld

Ein Meißner kauft mit seiner EC-Karte ein. Blöd nur, dass kein Geld auf dem Konto ist. Noch etwas wird ihm zum Verhängnis.

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Von Jürgen Müller

Der Angeklagte wird schon erwartet. Seine Freundin sitzt vor dem Gerichtssaal. Sie hat den 26-Jährigen seit ein paar Wochen nicht gesehen. Seit Mitte März sitzt er im Gefängnis, brummt eine neunmonatige Haftstrafe ab. Die hätte er sich ersparen können. Denn er wurde wegen Raubes auf Bewährung verurteilt. Doch weil er die Arbeitsstunden als Bewährungsauflage nicht leistete, wurde die Bewährung widerrufen. Nun also sitzt er. Und es wird noch länger dauern. Eine „Familienzusammenführung“ vor der Verhandlung verhindert die Urkundsbeamtin.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Meißner diesmal Betrug in fünf Fällen und Diebstahl vor. Der junge Mann soll in Meißen lustig auf Shopping-Tour gewesen sein. In Supermärkten, in einem Baumarkt, in einem Modegeschäft kaufte er für insgesamt knapp 207 Euro. Bezahlt hat er mit seiner EC-Karte. Der Haken an der Sache: Auf dem Konto war kein Geld, auch einen Dispositionskredit hatte ihm die Sparkasse nicht eingeräumt.

Später wird er noch einmal bei einem Ladendiebstahl erwischt. Diesmal versucht er die Nummer mit der EC-Karte gar nicht erst, sondern kürzt die Sache ab. Er klaut Lebensmittel für knapp elf Euro.

Ein schlechtes Geschäft

Zu seinen Taten will er sich nicht äußern. Nachzuweisen ist ihm der Betrug anhand der Kontoauszüge auch so. Für den Ladendiebstahl soll der Detektiv als Zeuge geladen werden. Jetzt überlegt es sich der 26-Jährige doch noch. Er gibt zu, was ohnehin nicht zu leugnen ist. Den Betrug rechtfertigt er. „Das Konto wäre ein paar Tage später gedeckt gewesen“, sagt er. War es aber nicht. Dann nämlich hätte es wieder ALG II gegeben. Obwohl die Betrügereien schon fast zwei Jahre zurückliegen, hat der junge Mann bisher noch keine Anstrengungen unternommen, den Schaden wieder gutzumachen. Auch das sieht er anders. „Ich habe mal angerufen“, sagt er. Das war den betroffenen Firmen allerdings ein bisschen zu wenig. Die haben inzwischen Rechtsanwälte und Inkassobüros eingeschaltet. Die Summe, die der Mann nun zurückzahlen muss, dürfte ein Mehrfaches des Wertes dessen betragen, was er ergaunert hat. Ein schlechtes Geschäft für den Meißner, der Drogen nimmt und nicht weiß, wie viele Schulden er hat.

Und es wird noch schlechter, als Staatsanwältin Christine Eißmann ihr Plädoyer hält. Sie würdigt zwar sein Geständnis, weist aber dezent darauf hin, dass im Hinblick auf das jetzige Verfahren fünf weitere Strafverfahren eingestellt wurden, unter anderem wegen Diebstahls und Sachbeschädigung. Viel schwerer wiegt jedoch, dass der Angeklagte alle Taten während laufender Bewährung beging, die erste Tat gerade mal sechs Wochen nach seiner Verurteilung auf Bewährung. Eine Geldstrafe ist deshalb für die Staatsanwältin nicht mehr drin. Sie fordert ein Haftstrafe von drei Monaten. Eine erneute Bewährung verbiete sich von selbst, sagt sie. Das sieht auch Richterin Ute Wehner so. Sie verurteilt den Angeklagten zu den beantragten drei Monaten Gefängnis. „Ich sehe keine Anhaltspunkte, dass Sie sich nunmehr bewähren könnten“, sagt sie.

Noch drei Monate mehr

Insgesamt muss der Meißner also ein Jahr absitzen, wenngleich davon auszugehen ist, dass er nicht die volle Zeit wird verbüßen müssen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig, denn der Mann, der keinen Anwalt hatte, verzichtete noch im Gerichtssaal auf Rechtsmittel und nahm das Urteil an. Seine Freundin wird also noch einige Zeit auf ihn warten müssen. Wenigstens in der kurzen Zeit vor der Urteilsverkündung gewährten die Justizbeamten den beiden eine „Familienzusammenführung“. Bis zum nächsten Zusammentreffen kann es schließlich eine Weile dauern.