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Sich dem Schicksal ergeben

Marco L. aus Dresden war 1999 beschieden worden, seinem damals zehn Jahre alten Kind monatlich 260 Mark zukommen zu lassen. Dem kam er nach, bis ihn sein Arbeitgeber in Hannover anfang 2001 fristlos kündigte.

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Von Klaus Heyde

Marco L. aus Dresden war 1999 beschieden worden, seinem damals zehn Jahre alten Kind monatlich 260 Mark zukommen zu lassen. Dem kam er nach, bis ihn sein Arbeitgeber in Hannover anfang 2001 fristlos kündigte. Formaler Grund: In der Annahme, dass man ihn erst ab der zweiten Arbeitswoche wieder braucht, war er zu Jahresbeginn mit einigen Tagen Verspätung am Arbeitsort erschienen. Als in den ersten drei Monaten kein Geld bei ihm einging, lebte er von einem „Bausparer“.

Er erkrankte in dieser Zeit schwer, musste wegen Lungen-Tbc für ein Viereljahr ins Krankenhaus. Und damit nicht genug, er griff immer öfter zur Flasche und wurde alkoholabhängig. Das Schicksal hatte es in diesem Jahr nicht gut mit ihm gemeint. Eigenes Fehlverhalten kam hinzu, für ihn war eine Welt zusammengebrochen.

Aus der Beweisaufnahme zu seinen Lebens- und Finanzverhältnissen ging indes hervor, dass der 35-Jährige damnals in der Lage gewesen war, seinen Verpflichtungen zumindest teilweise nachzukommen. Über dieses „teilweise“ hätte er sich mit der Mutter seines Kindes verständigen müssen. Die Kommunikation blieb indes aus. Bei ihm eingehende Post von der Kindesmutter aus Sebnitz landete ungelesen im Papierkorb, er steckte den Kopf in den Sand.

Mit Auskünften über sein Leben hielt er sich auch vor Gericht weitestgehend zurück. So war dann mehr zu vermuten als dass es klar ausgesprochen wurde: Hauptursache für seine Zahlungsunwilligkeit ab 2001 könnte eine neue Frauenbekanntschaft gewesen sein. In seinem Schlusswort blieb der Angeklagte gleichfalls wortkarg, es lautete: „Ich sage nischt mehr.“ Ein richtiger Schlussstrich war das also nicht. Besser hätte es allemal geklungen, wenn er zum Ausdruck gebracht hätte, wie er auf die Beine kommen will.

Ein erster Schritt wird eine Alkohol-Entziehungskur im Schwarzwald sein, die ihm vom Arzt angeraten wurde. Dem zweiten Schritt – und seinen Unterhaltsverpflichtungen nachzukommen – sollte mit dem Urteil des Gerichts Nachdruck verliehen werden: Richter Peter Kehr sprach eine bedingte Haftstrafe von drei Monaten aus. Darüber hinaus muss Marco L. 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Für die nächsten drei Jahre wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite stehen.