merken
PLUS Meißen

Sich selbst ans Messer geliefert

Eine Frau verursacht einen Unfall auf der Autobahn. Zum Glück wird niemand verletzt. Ihre Ehrlichkeit bringt sie vor Gericht.

Großer Schreck nach Sekundenschlaf. wie in dieser nachgestellten Szene Bei einem Unfall auf der Autobahn hat die Angeklagte einen Schutzengel.
Großer Schreck nach Sekundenschlaf. wie in dieser nachgestellten Szene Bei einem Unfall auf der Autobahn hat die Angeklagte einen Schutzengel. © Symbolfoto: Imago stock&people

Meißen. Es war bis dahin eine entspannte Autobahnabfahrt für die 41-jährige Leipzigerin drei Tage vor Weihnachten. Gemeinsam mit einer Bekannten und drei Kindern ist sie  auf der Autobahn unterwegs von Leipzig nach Dresden. Es herrscht mäßiger Verkehr, die Frau fährt mit ihrem Auto mit etwa 110 Kilometern pro Stunde auf der rechten Spur. Doch plötzlich nahe am Abzweig Nossen-Nord gibt es einen mächtigen Knall.  Mit Mühe kann die Frau das Fahrzeug in der Spur halten. Eine andere Autofahrerin ist ihr mit ihrem Fahrzeug in die linke Seite gekracht. Sie hatte wohl mehrere Schutzengel. Zwar entsteht Sachschaden von mehr als 9.000 Euro, doch niemand wird verletzt. Die drei Kinder sind voller Glassplitter von einer berstenden Seitenscheibe, kommen aber nicht zu Schaden.  

"Ich bin eingeschlafen"

Die Leipzigerin fährt auf den nächsten Parkplatz, kurz danach kommt auch die Unfallverursacherin. "Es tut mir furchtbar leid, ich bin eingeschlafen", sagt die Frau aus Halle an der Saale.  Dies sagt sie mehrfach zu verschiedenen Personen, auch zu den Polizisten. Es ist verhängnisvoll, denn damit beschuldigt sie sich selbst. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr nun vor, nicht fahrtauglich gewesen zu sein. Wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs sitzt die 55-Jährige  vor dem Meißner Amtsgericht, jetzt allerdings mit einem Anwalt an ihrer Seite. Von Einschlafen spricht sie nicht mehr. Vielmehr habe sie auf die Toilette gewollt. Wegen des vielen, dichten  Verkehrs  sei es ihr aber nicht gelungen, von der linken auf die rechte Spur zu wechseln.  Deshalb habe sie die Ausfahrt verpasst. Kurze Zeit später knallt es. "Ich war wohl in Gedanken", sagt sie jetzt und beteuert: "Ich war nicht todmüde". 

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Staatsanwalt Lorenz Hasse glaubt ihr das nicht. Die Angeklagte habe mehrfach geäußert, dass sie sehr müde war. "Sie hätten schon viel früher von der Autobahn abfahren und sich ausruhen  müssen. Ich verstehe nicht, warum sie mit 130 Kilometern pro Stunde auf der linken Spur gefahren sind, wenn Sie so müde waren", wirft er der Angeklagten vor.  Dass sie die Abfahrt verpasste, habe nichts mit zu dichtem Verkehr zu tun gehabt. Es sei genügend Platz zum Einordnen vorhanden gewesen. Das hatte zuvor die Geschädigte ausgesagt. Er fordert wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs eine Geldstrafe von  1.750 Euro. Die Fahrerlaubnis soll entzogen, der Führerschein, der seit drei Wochen vorläufig entzogen wurde,  eingezogen und nicht vor Ablauf von acht Monaten wieder erteilt werden, fordert er.

Der Verteidiger plädiert auf eine Geldstrafe in gleicher Höhe wie vom Staatsanwalt gefordert, will aber den Führerschein retten. "Meine Mandantin hat sich mit ihrer Aussage selbst ans Messer geliefert. Ansonsten würden wir jetzt nicht hier sitzen", sagt er. Ein Entzug der Fahrerlaubnis sei daher unangebracht, ein dreimonatiges Fahrverbot ausreichend.

Die Ausnahme von der Regel

Richterin Ute Wehner urteilt salomonisch. Zwar verurteilt sie die Angeklagte zu der geforderten Geldstrafe, spricht aber nur ein Fahrverbot von fünf Monaten aus. "Es liegt zwar ein Regelfall für die Entziehung der Fahrerlaubnis vor, doch es gibt auch Ausnahmen von der Regel", sagt sie. Für die Ausnahme spreche  vor allem das Geständnis der Angeklagten. Ansonsten hätte der Tatvorwurf gar nicht erhoben werden können, begründet sie ihre Entscheidung.

Für die Angeklagte hat dieses Urteil freilich noch andere Folgen. Wird es rechtskräftig, gibt es drei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei. Es werden nicht die ersten sein. Weil sie mit dem Fahrrad über eine rote Ampel fuhr, hat sie schon eine Eintragung. "Es war nachts  auf einer völlig leeren Straße", sagt sie. Ganz leer war die Straße aber nicht. Hinter ihr fuhr ein Auto. Ein Polizeiauto. 

Mehr zum Thema Meißen