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Sicher am Seil

Die Feuerwehr Hinterhermsdorf trainiert für Einsätze in luftiger Höhe. Im Notfall ist Abseilen der letzte Ausweg.

Von Dirk Schulze

Es ist zugig hier oben in 30 Meter Höhe über dem Gipfel des Weifbergs. Der hölzerne Turm schwankt ein bisschen. Die Aussicht über die dicht bewaldeten Hügel der Hinteren Sächsischen Schweiz ist traumhaft. In der Ferne wandert die Sonne langsam über die Silhouetten von Lilienstein und Königstein hinweg gen Horizont.

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Nach dem Ausstieg gilt es, nicht ins Schwingen zu geraten.
Nach dem Ausstieg gilt es, nicht ins Schwingen zu geraten.
Robert Seifert übt fachgerechte Knoten am Seil. Die müssen blind sitzen.
Robert Seifert übt fachgerechte Knoten am Seil. Die müssen blind sitzen.

Doch die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Hinterhermsdorf haben keinen Blick für die Aussicht. Ganz oben auf dem Weifbergturm verfolgen sie aufmerksam, was ihr stellvertretender Ortswehrleiter Robert Ringel aus dem Seesack-förmigen Beutel zieht. Zwei lange Schlaufen sind dabei, Handschuhe, ein großer Karabiner, ein gutes Dutzend Bandschlingen, ein Auffanggurt und ein Sicherungstuch. Das 60 Meter lange Seil bleibt eingerollt im Sack, nur die Enden zieht Ringel heraus.

Die Ausrüstung ist der Grund, warum der Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Hinterhermsdorf an diesem Donnerstagabend hier oben auf dem Weifbergturm stattfindet und nicht unten im Gerätehaus. Die Stadt hat sie neu angeschafft, jetzt wird sie zum ersten Mal getestet. „Retten, Selbstretten und Arbeit im absturzgefährdeten Bereich“ lautet das Thema des Dienstes.

Feuerwehrmann Ralf Wittig legt den neuen Gurt als Erster um. In die rote Öse vor seiner Brust klinkt er den Karabiner mit dem Seil. Das Ende des Seils wird per Mastwurf um einen der dicken Holzbalken des Weifbergturms geschlungen. Dort macht sich auch Nicole Forker fest. Sie sichert ihren Kameraden. Der klettert nun das Geländer entlang, hält sich mit einer Hand fest, legt mit der anderen eine Schlinge nach der anderen zur eigenen Sicherung. Im Ernstfall müsste Wittig jetzt raus auf einen der freien Balken hinter dem Geländer, um dort einem Verletzten Erste Hilfe zu leisten. „Wichtig ist, sich eine bequeme Arbeitsposition zu schaffen, in der man die Hände frei hat“, erklärt Anleiter Ringel.

Wenn bei einem Einsatz die Gefahr besteht, abzustürzen, müssen sich die Feuerwehrleute zunächst selbst sichern, bevor sie einem Verunglückten helfen. Das wird hier trainiert. Bei Verkehrsunfällen auf Brücken kann das nötig sein, bei Arbeitsunfällen auf Gerüsten und Kränen oder wenn ein Haus nach einem Brand einzustürzen droht. Auch beim Abschaufeln von Schneemassen auf Dächern kommt diese Art der Sicherung zum Einsatz. Dabei seien schon häufig Feuerwehrleute verunglückt, erklärt Ringel.

Ein paar Etagen weiter unten auf dem Weifbergturm übt eine andere Gruppe der Hinterhermsdorfer Ortswehr derweil das Abseilen. „Wenn es nicht mehr anders aus einem Haus rausgeht, ist das die letzte Variante“, erklärt Michael Häntsche von der Feuerwehr Polenz, der die Hinterhermsdorfer heute als Ausbilder unterstützt. Jeder Feuerwehrmann muss dafür bei einem Brandeinsatz ein 30 Meter langes Seil dabei haben, die sogenannte Feuerwehrleine. Im äußersten Notfall muss er auch bei null Sicht in dichtem Rauch den richtigen Knoten binden können und vorher einen sicheren Punkt zum Festmachen finden. Häntsche hat so einen Fall in 20 Jahren Diensterfahrung zwar noch nie erleben müssen. „Wir üben es trotzdem.“