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Meißen

Sicher wie Eigentum, flexibel wie Miete

Die GWG – die zweitälteste Genossenschaft in Sachsen – verjüngt sich.

Derzeit zählen 2.261 Wohnungen zur GWG, nur vier Prozent davon stehen leer. Die  Wohnungsbaugesellschaft modernisiert vor allem im Bestand, baut aber auch neu.
Derzeit zählen 2.261 Wohnungen zur GWG, nur vier Prozent davon stehen leer. Die Wohnungsbaugesellschaft modernisiert vor allem im Bestand, baut aber auch neu. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft (GWG) Meißen eG zählt mit mehr als 2.000 Wohnungen zu den größten Vermietern in Meißen. Über die Ziele der Genossenschaft sprach die SZ mit den Vorstandsmitgliedern Ulrike Rink und Jürgen Lötzsch.

Frau Rink – das Kürzel GWG steht für Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Meißen. Wofür steht die GWG?

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Nach der 1898 in Leipzig gegründeten Baugenossenschaft sind wir wahrscheinlich die zweitälteste Genossenschaft in Sachsen – gegründet 1900. Der erste Bau dieser Genossenschaft, die heutige Robert-Blum-Straße 1, ist immer noch in unserem Besitz. Wir haben derzeit 2.261 Wohnungen, davon 2.136 in Meißen und 125 in der Gemeinde Niederau. Mit unserem Bestand sind wir der zweitgrößte Wohnungseigentümer in Meißen.

Herr Lötzsch, 1989 war die GWG mit Altschulden belastet. Wie weit sind Sie mit der Abzahlung?

Wir hatten 12,15 Millionen D-Mark Altschulden und für die Modernisierung des Bestandes wurden bis 2001 Darlehen in Höhe von 109 Millionen D-Mark neu aufgenommen. Zum 31. 12. 2018 betrug unsere Restschuld aus Darlehen noch 24,5 Millionen Euro, davon 815.853 Euro Altschulden. Im Juni kommenden Jahres sollen die Altschulden abgezahlt sein.

Und wie sieht aktuell die Bilanz der GWG aus?

Ulrike Rink: Wir haben auch das Jahr 2018 mit Gewinn abgeschlossen. Abhängig davon, wie hoch die Instandhaltungsaufwendungen sind, beträgt der Gewinn der GWG immer zwischen einer und anderthalb Millionen Euro. In dem Maße, wie wir die Altschulden abgebaut haben, gehen die Zinsen dafür jetzt steil nach unten.

Ulrike Rink und Jürgen Lötzsch sind der Vorstand der GWG.
Ulrike Rink und Jürgen Lötzsch sind der Vorstand der GWG. © Claudia Hübschmann

Wie kommt man in Ihre Wohnungsgenossenschaft?

Ulrike Rink: Jeder, der eine Wohnung bei uns mieten möchte, muss Mitglied der Genossenschaft werden. Und er muss Anteile an der Genossenschaft erwerben, das sind je nach Wohnungsgröße zwischen 480 und 800 Euro.

Eine Wohnungsgenossenschaft ist ein Modell unter vielen. Worin sehen Sie seine Vorteile?

Ulrike Rink: Der Mieter erwirbt ein lebenslanges Wohnrecht. Das Wohnen in der Genossenschaft ist sicher wie Eigentum und flexibel wie Miete. Erwirtschaftete Überschüsse werden in die Instandhaltung und Modernisierung der Wohnungen investiert. Wir bieten Hausmeister- und Handwerkerservice und Umzugshilfen. Und durch das persönliche Stimmrecht kann jedes Mitglied die Entscheidungen der Genossenschaft mitgestalten.

Jürgen Lötzsch: Wir unterstützen die Mieter, wenn sie privat in die Wohnung investieren möchten. Selbstverwaltung und Selbsthilfe zählten ja schon zu den Kernzielen, als sich die Genossenschaften gegründet haben.

Zum Bestand der GWG zählen nicht nur die Wohnungen, die zwischen 1900 und 1933 errichtet worden sind, sondern auch die der Arbeiterwohngenossenschaft, der AWG, aus DDR-Zeiten.

Jürgen Lötzsch: Um überhaupt erst einmal Mitglied in der AWG werden zu dürfen, mussten 640 Arbeitsstunden – neben dem normalen Arbeitsalltag – geleistet werden. Das war eine ganze Menge Holz. Aber es wurden Werte geschaffen. Meistens wurden die Außenanlagen von den Mitgliedern instand gesetzt.

Ulrike Rink: Darum haben gerade die älteren Mieter, die teils die Baugrube noch mit der Hand geschaufelt haben, so eine enge Verbundenheit mit ihren Wohnungen.

Wie sieht generell die demografische Struktur der Mieterschaft aus?

Ulrike Rink: Der Altersdurchschnitt im AWG-Bereich ist hoch. Im GWG-Bereich ist in den letzten Jahren schon eine gute Durchmischung entstanden. Wir versuchen, das zu steuern, indem wir älteren Mietern Wohnungen in den unteren Etagen und jüngeren in den oberen anbieten.

Genossenschaft – ist das für junge Leute nicht ein bisschen altmodisch?

Jürgen Lötzsch: Nein. Zwar gab es um 2000 einen Moment, da etwa die Plattenbauweise als muffig bezeichnet wurde. Aber das ist vorbei. Was wir noch zu wenig in unserer Genossenschaft haben, sind größere Wohnungen für junge Familien. Wir versuchen, diese vor allem in unserem Bestand zu schaffen, indem wir kleinere Wohnungen zusammenlegen und entsprechend umbauen. Dabei wollen wir möglichst unsere günstigen Preise halten, die derzeit durchschnittlich bei 5,14 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete liegen.

Die Mieter haben die genannten Pflichten. Welche Rechte haben sie?

Ulrike Rink: Die Genossenschaft hat drei Säulen. Den Vorstand, den Aufsichtsrat, und ganz wichtig, die Vertreterversammlung, die aus mindestens 50 Mitgliedern der Genossenschaft bestehen muss. Die Vertreterversammlung muss den Jahresabschluss beschließen und den Vorstand entlasten – das ist gegenüber den Mitgliedern sehr transparent, weil die Verhältnisse immer offengelegt werden müssen.

Die Fragen stellte Udo Lemke

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