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Sichere Pfeiler für die Stadthalle

Die Stadt beginnt mit ersten Sicherungsarbeiten. Der Technische Ausschuss beschließt, was sich der Stadtrat nicht traut.

© Christian Suhrbier

Von Sebastian Beutler

Völlig überraschend nimmt die Stadt nun doch sofort die Sanierung von vier Strebepfeilern in der Stadthalle in Angriff und gibt dafür mindestens 92 000 Euro aus. Das beschloss der Technische Ausschuss am Mittwoch. Dabei ist es erst drei Wochen her, dass sich eine Mehrheit des Görlitzer Stadtrates auf Vorschlag von CDU/FDP und Bürger für Görlitz/Bündnisgrüne lediglich für eine Überprüfung vermuteter Schäden ausgesprochen hatte. Bei dieser Sitzung des Stadtrates Ende März hatte Wolfgang Kück (Bürger für Görlitz) vehement bestritten, dass schon feststehe, ob und in welchem Umfang Bauschäden bei der Stadthalle vorliegen, die dringend saniert werden müssten. Er verwies auf fehlende detaillierte bautechnische Untersuchungen. Die Aufstellungen eines Görlitzer Planungsbüros, das sich in den vergangenen vier Jahren in besonderer Weise mit der Stadthalle befasst hatte, ließ er dafür nicht gelten. Damals stellte sich dieser Ansicht weder Oberbürgermeister Siegfried Deinege noch Bürgermeister Michael Wieler in der Debatte entgegen.

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Nur Michael Hannich von der CDU drängte auf schnellere Maßnahmen. Er gehört mit Thomas Leder zu der kleinen Gruppe in der Union, die die Schäden der Stadthalle als dramatisch ansehen. Deswegen wollten sie anfangs auch einen Beschluss im Stadtrat erwirken, dass unverzüglich mit Bauarbeiten begonnen werde. In wochenlangen Verhandlungen hatten CDU und Bürger für Görlitz sich dann aber auf jenen Kompromiss verständigt, der Ende März eine Mehrheit im Stadtrat erhielt und nur noch die Überprüfung der Schäden vorsah.

Nun aber lag in dieser Woche dem Technischen Ausschuss eine Vorlage des Hochbauamtes vor, das zum Ressort von Wieler gehört. Die Vorlage stammt von Anfang März, entstand also weit vor dem Beschluss im Stadtrat Ende März. Und diese Vorlage kommt in einem wichtigen Teil zu einem völlig gegenteiligen Ergebnis. Auf der Grundlage der Untersuchungen des Görlitzer Planungsbüros spricht sie von solchen Schäden an den Eckpfeilern der Stadthalle, dass die „rechnerischen Sicherheiten der statischen Konstruktion nach Einschätzung des Statikers aufgezehrt“ sind. Bürgermeister Michael Wieler erklärte sogar vor dem Technischen Ausschuss, dass die Verwaltung der Auffassung sei, dass „die Sanierung der Strebepfeiler von hoher Dringlichkeit“ sei, weil mit deren Zustand erhebliche statische Probleme verbunden seien. Die Tragfähigkeit der Strebepfeiler betrage nur noch 50 Prozent. Der Stahl der Pfeiler sei gerade im Übergang vom Dach angerostet. Über diese Pfeiler aber werden vor allem die starken Windkräfte, die an den langen Seiten der Stadthalle zerren, abgeleitet. Für die Mitarbeiterin im Hochbauamt, Kerstin Poost, steht daher fest, dass „uns niemand die Garantie geben kann, dass die Tragfähigkeit der Pfeiler noch gegeben ist.“ Die Stadt habe hier ein sehr großes Problem. Die Eckpfeiler und das besondere System, um Kräfte vom Dach und den Seitenwänden der Stadthalle abzufedern, stammt aus dem Jahre 1908 und war nach dem Teilzusammensturz beim Bau der Halle entwickelt worden.

Wolfgang Kück als Mitglied des Technischen Ausschusses blieb seiner Linie aus dem Stadtrat treu und forderte erneut nur eine Untersuchung der tatsächlichen Schäden. „Es ist ja nicht so, dass die Halle morgen gleich zusammenstürzen wird“, erklärte er. Er berief sich auf eine Besichtigung mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Dieter Gleisberg vom Herbst, bei dem sich beide ein Bild von den Schäden in der Stadthalle gemacht haben sollen. Kück habe damals nicht erkennen können, dass die Pfeiler derart verrostet seien. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt die Stelle an dem einen Pfeiler, den das Görlitzer Planungsbüro bereits 2011 untersucht hatte, bereits wieder verputzt. Die Pfeiler sind im Ganzen hinter Putz. Die Räte konnten also die Pfeiler gar nicht sehen. Gleisberg stützte jedenfalls Kücks Darstellung am Mittwoch nicht. „Im Vordergrund unserer Besichtigung standen die Dach- und Fensterschäden, durch die Wasser in die Halle eindringt“, sagte Gleisberg. „Die Statik stand nicht im Mittelpunkt damals.“ Den Hinweisen von Kück und Gleisberg kommt im Technischen Ausschuss besonderes Gewicht zu, weil die beiden Stadträre Architekt und Bauingenieur sind.

Nachdem nur Kück und Wolfgang Freudenberg (ebenfalls Bürger für Görlitz) gegen die Sanierung der Pfeiler, aber alle anderen neun Mitglieder des Technischen Ausschusses dafür stimmten, sollen nun die Vorbereitungen beginnen. Ab Ende Juli könnten dann die Pfeiler überprüft und saniert werden. Dabei werden verrostete Stahlteile ausgetauscht. Das Hochbauamt rechnet damit, dass die Sanierung Sicherheit für die nächsten zehn Jahre gibt. Auf ein Wort